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Allee ohne Bäume - für die Verkehrssicherheit

Kritik von Umweltverbänden Allee ohne Bäume - für die Verkehrssicherheit

Im Namen der Verkehrssicherheit wird zu kräftig abgeholzt, kritisieren Umweltverbände. Bedeutet: Wenn Verkehrsunfallzahlen sich nicht auf anderem Wege reduzieren lassen, dann soll der Baum weichen.

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Achtung, Baum fällt. Im Namen der Verkehrssicherheit?

Quelle: dpa (Symbolfoto)

Hannover . Wenn der Deutsche über Bäume spricht, dann wird es oft sentimental. Seit die Romantiker Anfang des 19. Jahrhunderts Wälder zu deutschen Sehnsuchtsorten erklärten, haben die Gewächse eine mystische Ausstrahlung. Nur so ist zu erklären, warum der Schlager „Mein Freund, der Baum“ von ­Alexandra ein Erfolg werden und das Thema Waldsterben eine solch emotionale Wucht entfalten konnte.

Die Beamten im Bundesverkehrsministerium hatten sich wohl keine kulturhistorischen Gedanken gemacht, als sie 2009 die „Richtlinie für den passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeug-Rückhaltesysteme“ formulierten. Der Inhalt lautet zusammengefasst: Wenn Verkehrsunfallzahlen sich nicht auf anderem Wege reduzieren lassen, dann soll der Baum weichen. Mittlerweile hat, so behaupten nun die Umweltschutzverbände, die Richtlinie eine verheerende Wirkung entfaltet. Bundesweit habe die Abholzung von Straßenbäumen in den vergangenen fünf Jahren stark zugenommen, kritisieren die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und der Deutsche Naturschutzring. Sie fordern die Abschaffung der Richtlinie. Konkrete Zahlen haben die Verbände nicht, sie stützen sich auf Mails empörter Bürger, die „wöchentlich“ vom Abholzen ganzer Alleen berichten. Allein für Brandenburg liegen Zahlen vor: Dort wurden 2010 bis 2012 exakt 11 025 Bäume an Straßen gefällt – aber auch 9765 neue gepflanzt.

Das Verkehrsministerium verweist darauf, dass das Abholzen immer nur „ultima ratio“ sein dürfe, um die Verkehrssicherheit zu verbessern. Die Unfallzahlen sprechen allerdings eine eindeutige Sprache: Seit 1995 starben 25 600 Menschen bei sogenannten Baumunfällen. Im vergangenen Jahr gab es bundesweit 601 Verkehrstote durch derartige Unfälle – die meisten mit 118 Toten in Niedersachsen. Bäume sind laut Versicherern „häufigste Ursache tödlicher Verkehrsunfälle“.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Josef Göppel warnt vor Illusionen. Wie die Umweltverbände fordert er mehr Radarfallen an der Straße. Denn am Baum endet oft nur, was als Raserei angefangen hat.

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