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G7-Außenminister beraten in Hiroshima

Ort als Mahnung G7-Außenminister beraten in Hiroshima

In Hiroshima bereiten die G7-Außenminister den Gipfel im nächsten Monat vor. Kein Treffen wie jedes andere - vor allem nicht für John Kerry. Erstmals gedenkt ein US-Außenminister vor Ort der Opfer der ersten Atombombe. Thema auch: Was wird mit Russland?

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Hiroshimas Bürgermeister Kazumi Matsui bei der Begrüßung.

Quelle: dpa

Hiroshima. Die Verdächtigen sitzen auf nahen Bäumen und tun so, als ob sie kein Wässerchen trüben könnten: Kolkraben bereiten derzeit Landwirten im Norden Brandenburgs Kopfzerbrechen. Die Bauern sagen, dass die schwarzen Vögel Wie viele Blumengebinde John Kerry im Lauf seines Politikerlebens niedergelegt hat, weiß kein Mensch. Nicht einmal der US-Außenminister selbst. Und trotzdem wird die Kranzniederlegung an diesem Montag in Hiroshima ein Moment sein, der nicht nur Kerry in Erinnerung bleiben wird. Auf eine solche Geste haben die Japaner lange gewartet.

Zum ersten Mal wird ein Außenminister der USA vor Ort der Menschen gedenken, die sein Land mit dem Abwurf der ersten Atombombe über bewohntem Gebiet zu Opfern gemacht hat. Am 6. August 1945 starben etwa 70.000 Japaner sofort. Mittlerweile zählt das Mahnmal im Friedenspark von Hiroshima die Namen von mehr als 297.000 Toten. Auch heute leiden Menschen noch.

Insofern ist die 1,2-Millionen-Einwohner-Stadt ein ziemlich idealer Ort, um die Außenminister der sieben großen Industrienationen (G7) zwei Tage lang über Krieg und Frieden reden zu lassen. Zusammen mit Kerry werden auch die anderen sechs ihre Kränze niederlegen. Für Deutschland soll dann Frank-Walter Steinmeier dabei sein.

Am Sonntag hing der SPD-Politiker allerdings noch in der südchinesischen Millionenmetropole Changsha fest - wegen einer technischen Panne seines Regierungs-Airbus "Konrad Adenauer". Den Auftakt des G7-Treffens verpasste er deshalb.

Bei solchen Veranstaltungen gehört das Thema nukleare Abrüstung zu den Dauerbrennern. Normalerweise interessiert sich aber niemand groß dafür. Mit der Wahl des Tagungsorts hat Gastgeberland Japan dafür gesorgt, dass das in diesem Jahr anders ist. Ziel ist, die stockenden Bemühungen um einen Abbau der Atomwaffen wieder in Schwung zu bringen. Das wollen auch die Deutschen.

Seit einiger Zeit schon geht dabei kaum noch etwas voran. Heute gibt es schätzungsweise noch 16.000 Nuklearwaffen auf der Welt. Längst nicht mehr so viel wie zum Höhepunkt des Kalten Kriegs (etwa 70.000), aber immer noch mehr als genug. Drei der G7 (allein die USA mit mehr als 7200 Waffen sowie Frankreich und Großbritannien) sind auch Atommächte. Die USA modernisieren einen Teil ihres Arsenals gerade. Die größten Sorgen bereitet im Moment allerdings Nordkorea.

Weitere wichtige Themen des Treffens, mit dem der Siebener-Gipfel Ende Mai im japanischen Städtchen Shima vorbereitet wird, sind der Kampf gegen den islamistischen Terrorismus, die Territorialstreitigkeiten im Süd- und Ostchinesischen Meer sowie die Konflikte in Syrien und in der Ukraine. All das wird sich am Montag in der Abschlusserklärung wiederfinden.

Hinter den Kulissen geht es aber auch schon um eine andere Frage: wann der richtige Moment gekommen sein wird, um Russland wieder in den Kreis aufzunehmen. Wegen der Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim ist Moskau seit 2014 aus der Gruppe verbannt. Seither tagt statt der G8 nur noch die G7. Auch die meisten anderen Sanktionen sind noch in Kraft.

Deutschland gehört zu den Ländern, die sich eine Rückkehr relativ bald vorstellen können. Steinmeier sagt: "Ich würde mir wünschen, dass G7 nicht das dauerhafte Format bleibt, sondern dass wir Bedingungen schaffen, um zu G8 zurückzukehren." Grundvoraussetzung wäre, dass Russland ernsthafte Anstrengungen zur Lösung der Konflikte in Syrien und der Ukraine unternimmt. Was Syrien angeht, ist Steinmeier der Meinung, dass sich Moskau bereits in einer "konstruktive Rolle" befindet.

In diesem Jahr wird es mit dem Comeback allerdings gewiss noch nichts. 2017 ist dann Italien mit dem G7-Vorsitz an der Reihe – ein Land, das ebenfalls eher als Russland-freundlich gilt, im Unterschied zum Beispiel zu den Briten.

Steinmeier sagt zum Stand der Dinge: "Wir werden jetzt über das Jahr sehen, ob Russland diese konstruktive Rolle aufrechterhält. Und dann wird es sicherlich eine Debatte innerhalb der G7-Staaten geben, wann eine Rückkehr möglich ist und welche Bedingungen dafür zu erfüllen sind."

Die Japaner beschäftigt einstweilen noch ein anderes Thema – ob vor dem G7-Gipfel im Mai vielleicht sogar Barack Obama als erster US-Präsident nach Hiroshima kommen wird. Für Obama, der nur noch bis Januar im Amt ist, wäre das die letzte Gelegenheit, um ein solches Zeichen zu setzen. Die Japaner hoffen sehr darauf. Aus dem Weißen Haus heißt es im Moment dazu nur, die Reisepläne seien noch nicht abschließend geregelt.

dpa

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