„Nur für Millionäre“ solle die Abgabe gelten, konkrete Pläne dazu wolle die SPD aber erst nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai 2010 vorlegen. Es ist die neueste Wendung einer schier endlosen Debatte. Mit dem Untergang der alten Vermögensteuer, die bis 1997 galt, ist der Name Paul Kirchhof verbunden. Das ist jener Heidelberger Professor, der im Wahlkampf 2005 für die Union das Steuerkonzept schrieb. Kirchhof war Richter am Bundesverfassungsgericht, und 1995 formulierte er ein Urteil zu dieser Vermögensteuer. Sie war in ihrer Ausgestaltung verfassungswidrig, lautete seine Einschätzung, und so entschied es dann auch der Zweite Senat unter Gerichtspräsidentin Jutta Limbach (SPD). Das Ergebnis ist allerdings kurios. In Artikel 106 bestimmt bis heute das Grundgesetz, dass das Aufkommen „der Vermögensteuer“ den Ländern zusteht. Erhoben werden darf die Steuer in der früheren Form aber nicht.
Nach bösen Erfahrungen mit der säumigen Umsetzung von Gerichtsurteilen hatten die Karlsruher Richter dem Staat bis Ende 1996 Zeit gegeben, die Vermögensteuer verfassungskonform zu regeln. Andernfalls entfalle ihre Erhebung. Kirchhof hatte zusätzlich die Theorie entwickelt, der Staat dürfe einem Steuerzahler nicht mehr als die Hälfte seines Einkommens wegsteuern; er nannte das den Halbteilungsgrundsatz. Der steht nirgendwo im Grundgesetz, aber beim damaligen Spitzensatz in der Einkommensteuer von 53 Prozent war jede weitere Debatte müßig. Die damalige CDU/CSU/FDP-Koalition unter Helmut Kohl nahm das Ultimatum freudig auf und regte keine Hand zu einer Reform. Also lief die Erhebung der Steuer Ende 1996 aus.
Bis zuletzt hatten alle Bundesfinanzminister in ihrer offiziellen Steuerbroschüre die Vermögensteuer verteidigt, weil sie „auch aus sozial und gesellschaftspolitischen Gründen gerechtfertigt und notwendig“ sei. Die Verfassungswidrigkeit hatte sich aus der schreienden Ungleichbehandlung von Vermögen ergeben. Grundvermögen wurde zu den längst als viel zu niedrig bewerteten Einheitswerten von 1964 zur Vermögensteuer herangezogen, Aktien und ähnliche Anlagen aber zum aktuellen Wert.
Die Einheitswerte wurden mittlerweile durch eine Annäherung an die Verkehrswerte ersetzt, und Kirchhofs Halbteilungsgrundsatz ist auch von der Wirklichkeit eingeholt wurden. Der Spitzensteuersatz in der Einkommensteuer liegt mit 45 Prozent für hohe Einkünfte unterhalb der 50-Prozent-Grenze.
Seither reiben sich vor allem die SPD und die Grünen am Thema Vermögensteuer. Deren Wähler haben meist kein großes Vermögen. Selbst in der CDU sind die Meinungen über die Sinnhaftigkeit der Vermögensabgabe unterschiedlich. Der frühere baden-württembergische CDU-Ministerpräsident Erwin Teufel warnte eindringlich davor, dass die Wiedereinführung der Vermögensteuer die Begüterten in seinem reichen „Ländle“ außer Landes treiben werde. Der damalige CDU/CSU-Bundestagsfraktionschef Wolfgang Schäuble wiederum zeigte sich 1997 über das Aufleben der Vermögensteuer zuversichtlich. Die Länder würden schon dem seinerzeit vorliegenden Jahressteuergesetz zustimmen, weil ihnen sonst die umgerechnet 4,5 Milliarden Euro aus der Vermögensteuer fehlen würden. Es kam anders. Die Vermögensteuer blieb in der Versenkung.
Sie wurde auch nicht wiederbelebt, als die SPD 1998 an die Macht kam, obwohl es im Jahr zuvor die SPD-Bundestagsfraktion beantragt hatte. Auch der damalige SPD-Chef Oskar Lafontaine und SPD-Wirtschaftssprecher Gerhard Schröder hatten das Konzept gebilligt. Aber das Projekt ruhte, bis Ende 2002 die SPD-Ministerpräsidenten Peer Steinbrück (NRW) und Sigmar Gabriel (Niedersachsen) öffentlich die Einführung der Vermögensteuer vorschlugen. Sie wähnten sich der Unterstützung ihres Kanzlers Gerhard Schröder sicher. Aber der torpedierte die Pläne, was Gabriel zu dem denkwürdigen Satz führte: „Er hat dem Pferd erst einen Klaps gegeben, und dann hat er es erschossen.“
Inzwischen ist Schröder in der SPD Geschichte, während Gabriel jetzt an der Spitze der Partei steht. Als solcher lässt er seinen alten Plan wieder aufleben.
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Kommentare
Verdummungstaktik Opa Harry – 17.11.09
In Schröderscher Manier tischt uns S Gabriel das nächste SPD-Märchen auf, eine aufgewärmte Vermögensteuer.Viel mehr einbringen dürfte eine Dummensteuer für Parteimitglieder bei SPD, Grünen und FDP.
Bei nächster Gelegenheit wird die SPD die kleinen Leute wieder kräftig schröpfen.#
Sigmar Gabriel ist des Parteinamens SPD nicht würdig, die sind eine Schande für diese Bezeichnung. Beser wäre Partei der Lämmer (PdL).
Ein Anfang - der Mut macht! losse – 17.11.09
Beschämend ist die Aufregung darüber, dass Millionäre 1% zusätzlich zum Allgemeinwohl beitragen sollen. Banken, die rein marktwirtschaftlich betrachtet samt und sonders pleite gegangen wären, wenn sie der Staat (die Solidargemeinschaft) nicht aufgefangen hätte, machen kurz darauf wieder Milliarden Gewinne. Warum kommt niemand auf die Idee, eine zeitlich befristete Abgabe auf diese Gewinne zu fordern? Das gleiche gilt für die Autoindustrie, denen die Abwrackprämie zusätzliche Einnahmen verschaffte. Die FDP veralbert inzwischen ihre zusätzlichen 6% Steuer-Wähler mit scheinbaren „Wohltaten“, die keine sind. 20 € Kindergeld frisst HarztIV, Erhöhung des Kinderfreibetrages nutzt nur den Reichen, Erbschaftssteuerreform und Senkung der MWST im Gaststättengewerbe nur einer kleinen Klientel Gruppe. UNGERECHTIGKEIT macht sich zunehmend breit. Und die Unverfrorenheit des Kapitals wird durch deren Handlager die FDP immer deutlicher sichtbar. Für die SPD kann die Forderung nach Einführung der Mehrwertsteuer erst nur ein Anfang sein. Mut soziale GERECHTIGKEIT*) zu fordern, sollte zum Maßstab ihrer neuen politischen Ausrichtung werden.*)dies schließt nicht aus, sich neuen gesellschaftlichen Gegebenheiten (Rente mit 67) + (bezahlbarer Sozialstaat) anzupassen.
Sigmar Gabriel hat recht! Volker Rockel – 17.11.09
Die Besteuerung von Vermögen ist eine uralte Besteuerungsform, deren Höhe sich nach objektiv meßbaren Kriterien, mithin an der Leistungsfähigkeit des Bürgers orientiert.- Was sollte also falsch sein, an einer angemessenen Besteuerung von Vermögen derer, denen der Staat - d.h. die Zivilgesellschaft aller Bürger - Rahmenbedingungen an die Hand gegeben hat, um überhaupt dieses Vermögen zu schaffen?Allein in Deutschland dürfen sich 99 Bürger Milliardäre nennen. Zwar sind das 23 weniger als noch in 2008, aber wenn – trotz Finanz- u. Wirtschaftskrise – die 100 reichsten Familien und Einzelpersonen 2009 immer noch über 285,6 Milliarden Euro als Vermögen ihr eigen nennen, dürfte sich das Mitleid wohl in Grenzen halten!
Nachdem auch Jürgen Trittin in der „Financial Times Deutschland“ ausführte: „Es gibt rund 800.000 Menschen, die jeweils über eine Million Euro und ungefähr 23 Prozent des Realvermögens in Deutschland besitzen“, denke ich, dass eine angemessen Vermögenssteuer in der Tat in Deutschland wieder ihre Berechtigung hat!
Wobei man fairerweise sagen muss, dass sich viele dieser Milliardäre und Millionäre das Vermögen noch nicht einmal selber erarbeiten mußten, sondern ererbt haben!- Aber dieses wäre dann ein anderes Thema...
Basta Kommandant au des deux – 17.11.09
Ihr Parteitag hat die Vermögenssteuer beschlosssen. Nicht nur für Millionäre, sondern für Reiche. Wie kommen Sie dazu das in Schröder Manier umzudeuten...