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Wiederaufbau nach Erdbeben

Geberkonferenz will 3,8 Milliarden Dollar für Haiti sammeln


Knapp drei Monate nach dem Erdbeben in Haiti wollen sich die Internationale Gemeinschaft und die Regierung an den Neuaufbau des zerstörten Landes machen. Einigkeit herrscht dabei bei allen Beteiligten darüber, dass eine Rekonstruktion der verwüsteten Hauptstadt Port-au-Prince nicht genügt, sondern dass auch das Land neu erfunden werden muss.
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon (links) und Haitis Präsident, Rene Garcia Preval.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon (links) und Haitis Präsident, Rene Garcia Preval.

© afp

Es gehe darum, Haiti auf einen „Kurs des Wachstums und der Modernisierung“ zu führen“, sagte der Chef der UN-Mission für Haiti (Minustah) kurz vor der Geberkonferenz in New York, die 3,8 Milliarden Dollar einbringen sollte.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte die Teilnehmer des Treffens zu „vollständiger und großzügiger Unterstützung“ auf, um dem Karibikstaat eine „bessere Zukunft“ zu ermöglichen. Sein Appell ist nicht ungehört verhallt: Allein die USA haben am Mittwoch 1,15 Milliarden Dollar (850 Millionen Euro) für den Wiederaufbau Haitis zugesagt. Die Europäische Union stellt weitere 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung. Der deutsche Anteil daran beträgt 39,4 Millionen Euro. Nach Spanien mit 346 Millionen Euro, Frankreich mit 236 Millionen Euro und Italien mit 40 Millionen Euro ist das der viertgrößte Beitrag.

Mit dem Geld sollen in den kommenden anderthalb Jahren die wichtigsten Regierungseinrichtungen wieder aufgebaut, aber vor allem auch Schulen, Krankenhäuser sowie Straßen und Häfen neu geschaffen werden. In einer ersten Bestandsaufnahme hatte eine Expertenkommission kürzlich den Finanzbedarf für den Neuaufbau des Landes auf 11,5 Milliarden Dollar taxiert. Das Beben vom 12. Januar tötete in dem ärmsten Land der westlichen Hemisphäre mehr als 220 000 Menschen und zerstörte weite Teile der Hauptstadt Port-au-Prince. Über eine Million Haitianer sind seither ohne festes Obdach.

Kurzfristig ist das Hauptproblem, die Obdachlosen vor der nahen Regenzeit zu schützen. Noch immer leben 700 000 Haitianer vor allem in der Hauptstadt Port-au-Prince in Zeltlagern oder hausen auf Plätzen oder Bürgersteigen. Nach den Worten von Michael Kühn, Regionalkoordinator der Deutschen Welthungerhilfe, befindet sich Haiti auch heute noch im Ausnahmezustand. Die Regierung sei noch nicht in der Lage, die Führung beim Neuaufbau zu übernehmen. Die Internationale Gemeinschaft werde auf Jahre hinaus eine entscheidende Rolle in dem karibischen Inselstaat spielen müssen. Die Position teilt auch der politische Beobachter Richard Widmaier. Er fordert gar einen Marschall-Plan für das Land: „Ich weiß, dass meine Position im nationalistischen Haiti nicht sehr beliebt ist: Aber das Ausmaß der Katastrophe würde jede Regierung überfordern“. Schon vor dem Beben sei die Regierung nicht in der Lage gewesen, Grundbedürfnisse wie eine Wasser- und Stromversorgung oder eine Müllabfuhr zu befriedigen.

So wie Widmaier trauen viele Haitianer ihrer Regierung nicht zu, die Folgen des Bebens zu managen. Nach einer Umfrage der Hilfsorganisation Oxfam sind nur 13 Prozent der Haitianer mit der Arbeit der Regierung nach der Katastrophe zufrieden. Dass die Aufgabe, vor der die Weltgemeinschaft steht, gigantisch ist, belegt eine Zahl, wonach sich der wirtschaftliche Schaden des Bebens auf acht Milliarden Dollar beläuft und damit deutlich höher ist als das haitianische Bruttoinlandsprodukt.

Klaus Ehringsfeld

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