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Deutschland / Welt "Gebete sind nicht genug"
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13:54 02.10.2015
Alles Routine? "Wir stumpfen ab", warnte Obama im Weißen Haus. Quelle: Mark Wilson/Getty Images/AFP
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Washington

Etwa 4000 Kilometer liegen zwischen dem Umpqua Community College in Oregon an der West- und dem Weißen Haus in Washington an der Ostküste der USA. Als Weltpolitiker von Rang ist Barack Obama natürlich darin geübt, solche Entfernungen mit seinen Worten zu überbrücken. Aber an diesem Abend wirkt es so als habe der US-Präsident das gar nicht vor. Natürlich merkt man seinem betrübten Blick, seinen langen Pausen, seinem Ringen nach den richtigen Worten an, wie sehr ihn die Nachrichten aus Roseburg treffen. Ein 26-jähriger Mann hat dort zehn Menschen erschossen, eventuell aus religiösen Motiven, wahrscheinlich mit einer automatischen Waffe. Schon wieder.

Eine eingespielte Medienroutine

Obama kann deswegen seine Frustration über die laxen Waffengesetze in den USA deswegen kaum verstecken. Vielmehr noch macht er aber in seiner Ansprache deutlich, wie ihn die immergleichen Reaktionen auf die Taten zutiefst desillusioniert haben. Diese Aussagen richten sich auch direkt an die bei der Pressekonferenz anwesenden Journalisten und deren Berichterstattung. Derlei Schießereien seien mittlerweile "zu einer Art Routine" geworden, sagt Obama. "Wir stumpfen ab." Und: "Gebete sind nicht genug."

Dann folgt seine Kritik an den US-Waffengesetzen. Es dürfe nicht sein, dass jemand, der anderen Menschen schaden wolle, "so leicht" an Waffen komme, sagt Obama. Es ist seine 15. Erklärung zu einer Massenschießerei seit seinem Amtsantritt im Jahr 2009, alleine seit August hat es vier derartige Attentate gegeben.

Die Medienroutine, die nach Amokläufen in den USA abläuft, ist gut eingespielt. Push-Mitteilungen werden verschickt, Live-Übertragungen gestartet, Newsticker eingerichtet. Nach wenigen Minuten bereits gibt es ein Hashtag, unter dem bei Twitter die neuesten Infos verbreitet werden. Sogar ein eigenes Vokabular hat sich herausgebildet.

Am eindrucksvollsten ließ sich das zuletzt beobachten als ein Mann eine Reporterin und einen Kameramann in einer Live-Sendung erschoss. Innerhalb von wenigen Stunden hatte sich das Video der Tat online weltweit verbreitet. In einem anderen Fall, dem Attentat auf eine von Schwarzen besuchte Kirchengemeinde in Charleston, lief sogar ein Live-Videostream als der Schütze dem Haftrichter vorgeführt wurde.

Ebenso zu diesem Ablauf gehören die Statements von Politikern, die ihre Betroffenheit ausdrücken. So äußerten sich auch nach der Tat in Roseburg etwa Hillary Clinton und ihr republikanischer Präsidentschaftskonkurrent Jeb Bush. Es gehe "über ihre Vorstellungskraft hinaus, dass diese Massenmorde wieder und wieder geschehen", sagte Clinton. Jeb Bush, sagte, er bete "für die Opfer und Familien, die von dieser sinnlosen Tragödie getroffen wurden".

"Wir können durchaus etwas dagegen tun, aber dafür müssen wir unsere Gesetze ändern", hatte Obama am Donnerstagabend im Weißen Haus einen weiteren Vorstoß gewagt. Er könne das freilich nicht im Alleingang durchsetzen. Er "brauche einen Kongress", der zur Zusammenarbeit bereit sei. Leider sei auch "die Antwort derjenigen Routine, die jegliche Art von sinnvollen Waffengesetzen ablehnen".

aks

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