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Deutschland / Welt Gemischtes Echo auf Trumps UN-Auftritt
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11:46 20.09.2017
US-Präsident Donald Trump vor der UN-Vollversammlung in New York. Quelle: imago
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New York

Mit scharfen Attacken auf Nordkorea und den Iran sowie einem Loblied auf die Souveränität der Nationalstaaten hat US-Präsident Donald Trump bei seiner ersten Rede vor den Vereinten Nationen gemischte Reaktionen geerntet. „Die Geißel unseres Planeten ist eine Gruppe von Schurkenstaaten“, sagte Trump bei der am Dienstag eröffneten, einwöchigen UN-Generaldebatte in New York. „Wenn die vielen Rechtschaffenen sich nicht den wenigen Gemeinen entgegenstellen, wird das Böse triumphieren.“ Nordkorea drohte Trump mit völliger Zerstörung, Staatschef Kim Jong Un sei ein „Raketenmann auf Selbstmordmission“. Den Iran bezeichnete Trump als wirtschaftlich ausgelaugten Schurkenstaat, der vor allem Gewalt exportiere.

Im voll besetzten UN-Plenarsaal wiederholte Trump sein Vorhaben, die Außenpolitik an amerikanischen Interessen ausrichten zu wollen. „Als Präsident der Vereinigten Staaten werde ich Amerika immer an die erste Stelle setzen“, sagte er – genau wie andere Staats- und Regierungschefs das stets mit ihren Ländern tun sollten. Den UN warf er mangelnde Effizienz vor. Die USA leisten den mit Abstand größten finanziellen Beitrag zum regulären UN-Etat sowie zu den weltweiten Friedensmissionen.

Netanjahu lobt Trumps „kühne Rede“

Lob für die Ansagen bekam Trump vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. „In meinen mehr als 30 Jahren Erfahrung mit den Vereinten Nationen habe ich noch nie eine kühnere oder mutigere Rede gehört.“ Auch in Südkorea erntete der US-Präsident Zuspruch. Ein Regierungsvertreter sagte, die von Trump in seiner Rede verwendete Zeit für Nordkorea zeige, wie ernsthaft Washington die Angelegenheit nehme.

Erwartungsgemäße reagierte der Iran mit Empörung auf die Aussagen Trumps. Dessen Worte seien „unverschämt und ignorant“ und fern jeder Realität gewesen, zitierte die halbamtliche Nachrichtenagentur Isna Außenminister Mohammed Dschawad Sarif. Solche Aussagen seien „gemein und sinnlos“. Trump ignoriere damit auch die Anstrengungen des Iran im Kampf gegen den Terror. Kritik kam auch von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Per Twitter äußerte er: „Trump setzt in UN-Rede auf weitere Eskalation. Wir Europäer müssen laut sagen: Seine Politik ist nicht unsre, sein Stil nicht unserer.“

Venezuela wehrt sich gegen Kritik

Zu Unrecht beschimpft fühlte sich auch Venezuela. Außenminister Jorge Arreaza sagte, kein Staatenlenker dürfe die Demokratie und Souveränität des Landes infrage stellen. Drohungen von Trump würden nicht akzeptiert. Trump hatte Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro vorgeworfen, seine einst florierende Nation an den Rand des Zusammenbruchs gebracht und gewählten Volksvertretern die Macht geraubt zu haben.

Kritik bekamen auch Kuba und Syrien ab. Einige von Gewalt geplagte Teile der Welt würden „zur Hölle fahren“, so der US-Präsident.

Beim Mittagessen mit rund 200 Staats- und Regierungschefs, Ministern, Beratern und Diplomaten schlug Trump versöhnlichere Töne an. Er gestand ein, jahrelang Kritiker der UN gewesen zu sein, lobte dann aber das „große, große Potenzial“ der Organisation.

Ab diesem Mittwoch nimmt auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) an der UN-Vollversammlung teil. Vor seiner Abreise sagte er am Dienstag in Berlin, die Welt brauche mehr, nicht weniger Vereinte Nationen.

Von RND/dpa/AP

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