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Generalstreik legt Katalonien lahm

Nach Referendum Generalstreik legt Katalonien lahm

Mehr als 90 Prozent der wahlberichtigten Katalanen stimmten am Wochenende für die Unabhängigkeit. Doch Madrid reagierte mit Polizeigewalt. In Barcelona und anderen Städten brodelt es: Hunderttausende Demonstranten haben Verkehr und Geschäfte lahm gelegt.

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Allen Drohungen aus Madrid zum Trotz: Viele Katalanen schlossen sich am Dienstag dem Generalstreik an. Die Guardia Civil schritt nicht ein.

Quelle: dpa

Barcelona. Mehrere Hunderttausend Menschen haben in der spanische Region Katalonien gegen Polizeigewalt und für eine Unabhängigkeit ihrer Provinz vom Zentralstaat demonstriert. Zugleich legte am Dienstag ein Generalstreik weite Teile des öffentlichen Lebens lahm. In Barcelona blieben die meisten Geschäfte und auch die die Metro-Stationen geschlossen. Zu den Kundgebungen und dem Ausstand hatten Gewerkschaften und andere Organisationen aufgerufen.

Am Sonntag hatte in Katalonien ein umstrittenes, gerichtlich verbotenes Referendum über eine Abspaltung von Spanien stattgefunden, bei dem eine Mehrheit von 90 Prozent mit Ja stimmte. Nach amtlichen Angaben nahmen knapp 2,3 Millionen der 5,3 Millionen Wahlberechtigten teil. Die von Madrid entsandte Staatspolizei griff teilweise hart durch, um die Abstimmung zu verhindern; dabei wurden nach Angaben der Regionalregierung rund 900 Menschen verletzt.

Enric Millo, der Beauftragte der Rajoy-Regierung für Katalonien, sagte, es tue ihm leid, dass fast 900 Menschen bei Auseinandersetzungen mit der Polizei verletzt worden seien. Allerdings habe die katalanische Regierung ihre Bürger einer solchen Gefahr ausgesetzt. „Nichts wäre passiert, wenn die Regierung nicht in Rebellion getreten wäre, gerichtliche Anordnungen missachtet und die Leute belogen und getäuscht hätte“, sagte Millo.

Die Zentralregierung spricht von Verfolgung

Gegen diesen harten Einsatz richtete der Massenprotest, bei dem überwiegend Partystimmung herrschte. Tausende sangen die katalanische Nationalhymne und riefen Parolen wie: „Die Straßen gehören uns!“ oder „Besatzungskräfte raus!“, als ein Hubschrauber der Nationalpolizei über sie hinwegflog.

Die Zentralregierung prangerte zur selben Zeit in Madrid eine „Verfolgung“ von Staatsbeamten durch die Katalanen an. Man werde „alles Nötige unternehmen“, um die Verfolgung zu stoppen, warnte Innenminister Juan Ignacio Zoido. Die 10 000 von Madrid entsandten Polizisten blieben am Dienstag jedoch fast alle in den Unterkünften. Einige hundert wurden von katalanischen Hotels aus Protest vor die Tür gesetzt.

Auch in Girona fanden sich mehr als 30 000 Menschen ein. In Reus, Tarragona und anderen Städten gab es ebenfalls Großdemonstrationen. Feuerwehrmänner waren mit von der Partie, Bauern protestierten auf ihren Traktoren und sperrten Straßen ab. Katalonien ist die wirtschaftsstärkste Region Spaniens und steuert knapp ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt des Königreichs bei.

Das katalanische Parlament will noch diese Woche über den Ausgang des Referendums beraten

Der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont will hingegen noch diese Woche dem katalanischen Parlament das Endergebnis des Referendums präsentieren und damit die Weichen für eine Unabhängigkeitserklärung durch die Abgeordneten stellen. Rajoy will auf einen solchen Schritt mit „allen nötigen Mitteln“ reagieren.

Auch die europäischen Staaten stehen grundsätzlich auf der Seite der Zentralregierung. Unter anderem die Türkei und Zypern erklärten am Dienstag, die territoriale Integrität Spaniens dürfe nicht in Frage gestellt werden. Allerdings gab es aus dem Ausland auch Kritik an dem Vorgehen der Polizei.

Puigdemont hatte die Demonstranten aufgefordert, bei den Protesten gegen die Polizeigewalt friedlich zu bleiben. „Heute ist ein Tag des demokratischen, staatsbürgerlichen und würdigen Protests“, schrieb der 54-Jährige auf Twitter. Und die Kundgebungen verliefen zunächst in der Tat ohne nennenswerte Zwischenfälle.

Von dpa/AP/RND

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