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Deutschland / Welt „Gespenster“ des Regimes treiben Syriens Armee an
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11:04 17.06.2011
In der Türkei treffen immer mehr Flüchtlinge aus dem Nachbarland Syrien ein. Quelle: dpa
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„Was hat der Assad-Clan nur aus unserer schönen Heimat gemacht? Ein Land, in dem es nur fünf staatliche Universitäten gibt, aber dafür 17 verschiedene Sicherheitsdienste“, seufzt ein syrischer Exil-Oppositioneller. Der 43-Jährige, dessen Vater Syrien 1980 verlassen musste, weil er zu einem Zweig der Baath-Partei gehörte, der mit dem damaligen Präsidenten Hafis al-Assad verfeindet war, kümmert sich in der türkischen Grenzprovinz Hatay um Flüchtlinge aus Syrien. Unter ihnen sind auch desertierte Soldaten, die Einblick geben in die Strategie, mit denen das Regime die Protestbewegung terrorisiert.

Sie sagen, an den Strafexpeditionen seien ausschließlich Soldaten der von Maher al-Assad, einem Bruder des Präsidenten, befehligten Sondereinheiten, Geheimdienstleute in Zivil und die Trupps der sogenannten Schabiha-Miliz beteiligt. Diese Miliz rekrutiert ihre jungen Mitglieder vor allem unter den Angehörigen der alawitischen Minderheit, zu der die Familie von Präsident Baschar al-Assad gehört. Eine besonders unrühmliche Rolle soll auch der Chef des Geheimdienstes, General Ali Mamluk, spielen, einer der wenigen Sunniten unter den führenden Funktionäre des Sicherheitsapparates.

Präsident Assad und seine Gefolgsleute nehmen sich nach Aussage der geflohenen Soldaten hintereinander Stadt für Stadt und Dorf für Dorf vor. Denn nach Einschätzung der Opposition finden sie nicht genügend loyale Soldaten und Parteimilizionäre, um die Demonstranten gleichzeitig in mehreren Provinzen anzugreifen. Erst war die Stadt Daraa dran, die bislang eigentlich als Hochburg der regierenden Baath-Partei galt. Inzwischen stehen die Panzer in mehreren Dörfern der Provinz Idlib.

Ein Offizier, der in der Türkei Zuflucht gesucht hat, erzählte diese Woche einem der syrischen Helfer im Grenzgebiet: „Zuerst schickt man immer die Armee in die Stadt, um die Wasser- und Stromversorgung zu kappen. Die Soldaten müssen wild in die Luft schießen, um alle Menschen von den Straßen zu vertreiben. Dann werden umliegende Felder angezündet. Doch die Armee tötet nicht“, sagt er.

„Wenn es dunkel wird, dann kommt der Geheimdienst, der Listen mit Namen und Adressen dabei hat“, schildert der Offizier weiter. „Sie gehen in die Häuser - ob sie die Verdächtigen festnehmen oder töten, das kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass jeder Soldat, der den Befehl verweigert und nicht rechtzeitig abhaut, von den Schabiha enthauptet wird.“ Dieser Bericht deckt sich auch mit Angaben geflohener Zivilisten, deren Angst vor der Schabiha-Miliz noch größer ist, als vor ihre Angst vor den Militärs.

Der Name der Miliz bedeutet Geist

Die genaue Anzahl der Schabiha ist nicht bekannt. Der Gruppe werden auch kriminelle Machenschaften im Bereich Schutzgelderpressung, Schmuggel und Drogenhandel nachgesagt. Der Name der Miliz leitet sich nach Auskunft von Dissidenten von dem arabischen Wort für „Geist“ ab. Angeblich erhielt die paramilitärische Gruppe diesen Namen, weil ihre Mitglieder meist schwarze Kleidung trugen und schwarze Autos benutzten.

Keine Beweise gibt es bislang für Hinweise von Augenzeugen und Oppositionellen, die behaupten, der syrische Geheimdienst werde bei der Gewalt gegen die Regimegegner auch von Angehörigen der iranischen Revolutionsgarden und der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah unterstützt. Denkbar wäre dies aber schon. Schließlich sollen an der Niederschlagung der Unruhen im Iran 2009 auch einige Libanesen und Syrer beteiligt gewesen sein.

dpa

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