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Blutige Scharmützel in Moskaus Hinterhof

Gewalteskalation in Berg-Karabach Blutige Scharmützel in Moskaus Hinterhof

Die Gewalteskalation zwischen Armenien und Aserbaidschan in Berg-Karabach zeigt: Die Lage im Südkaukasus ist fragil wie nie. Gibt es Hoffnung auf neue Friedensverhandlungen zwischen den Ex-Sowjetrepubliken?

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Die Gewalt flammte in der Nacht zum Sonnabend unerwartet auf.

Quelle: dpa

Eriwan/Baku. Wie mahnende Finger ragen die Rotorblätter eines zerstörten Helikopters in die Luft. Die verkohlten Überreste des Kampfhubschraubers liegen auf einer grünen Wiese, irgendwo im Unruhegebiet Berg-Karabach im Südkaukasus, armenische Medien senden die Bilder. Die Wrackteile künden von der jüngsten Eskalation in dem Jahrzehnte alten Konflikt um die Region zwischen den einstigen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan.

Die Gewalt flammt in der Nacht zum Sonnabend unerwartet auf. „Es waren die schwersten militärischen Zusammenstöße in der Konfliktregion seit dem Beginn eines Waffenstillstands 1994“, sagte der armenische Präsident Sersch Sargsjan mit besorgter Mine bei einer Krisensitzung des nationalen Sicherheitsrates. Mindestens 30 Soldaten haben ihr Leben verloren. Die Propaganda auf beiden Seiten spricht von deutlich höheren Verlusten und gibt sich gegenseitig die Schuld an der Gewalt.

Die Lage in Berg-Karabach ist schon lange gespannt. Die zerklüftete Bergregion wird vor allem von christlichen Armeniern bewohnt. Diese hatten sich Anfang der Neunzigerjahre von Aserbaidschan losgesagt. Das muslimisch geprägte Land am Kaspischen Meer pocht aber auf seinen Anspruch. Aserbaidschan wirft dem Nachbarn Armenien vor, die Region im Krieg zwischen 1992 und 1994 völkerrechtswidrig besetzt zu haben. Der UN-Sicherheitsrat hat diese Besetzung verurteilt.Beide Seiten berufen sich auf das Völkerrecht: Während sich Armenier in Berg-Karabach auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker stützen, argumentieren die Aserbaidschaner, dass sie ihre territoriale Einheit wahren wollen.

Einen Kompromiss zu finden, ist das Ziel der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Doch die Bemühungen der Minsk-Gruppe stocken. Das Gremium mit den USA, Russland und Frankreich an der Spitze plant für Dienstag ein Krisentreffen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist als amtierender OSZE-Vorsitzender beteiligt.

Zuletzt hatte ein Treffen der Präsidenten von Aserbaidschan und Armenien im Dezember keine Annäherung gebracht. Die Fronten bleiben verhärtet. Als „großen Sieg“ feiert der autoritäre aserbaidschanische Staatschef Ilham Alijev die Militäraktion. Alijev und Sargsjan werfen sich gegenseitig vor, den Friedensprozess zu gefährden. Das dank immenser Öl- und Gasvorkommen reiche Aserbaidschan investiert seit Jahren Petrodollars in Rüstung. Alijev bekennt, dass er Berg-Karabach mit Gewalt zurückerobern wolle. Doch der Absturz der Ölpreise setzt Baku finanziell unter Druck. Beobachter halten es für möglich, dass Alijev nun dem eigenen Volk Stärke demonstrieren wollte.

Armenien wiederum fühlt sich von Feinden umstellt. Aserbaidschan pflegt enge Kontakte zur Türkei, die im Westen an Armenien grenzt. Und die gilt ebenfalls als Feind, weil die Türken die Vertreibung der Armenier im Ersten Weltkrieg nicht als Völkermord anerkennen.

Angesichts dieser schweren Konflikte baut das wirtschaftlich schwache Land auf die Hilfe der Schutzmacht Russland. Moskau hat Tausende Soldaten in Armenien stationiert. Nirgendwo sonst sind russische Soldaten so willkommen.

Von Thomas Körbel

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