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Gewerkschaften sorgen sich um Jugend

Integration in den Arbeitsmarkt Gewerkschaften sorgen sich um Jugend

Die Spitzen deutscher Gewerkschaften fordern von der Bundesregierung mehr Einsatz für chancenlose Jugendliche. Flüchtlingskrise und Terrorgefahr dürften nicht dazu führen, dass Hunderttausende benachteiligte junge Menschen vergessen werden.

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Was tun mit der Zeit? Die Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes fordern mehr Integration durch Ausbildung.

Quelle: dpa/Symbolbild

Berlin. Das teilten die Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der IG Metall und der Lehrergewerkschaft GEW mit. „Integration durch Ausbildung ist ein Muss und die Investition in die Zukunft“, sagt IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Dies gelte erst recht in diesen Tagen: „Sie ist der beste Schutz vor Perspektivlosigkeit und Radikalisierung.“ Menschen ohne Schulabschluss hätten es schwerer als andere, ob sie nun Flüchtlinge seien oder Schulabbrecher, so Hofmann. Für diese Gruppen fordert der Gewerkschaftsvorsitzende eine spezielle Begleitung zur Integration in den Arbeitsmarkt.

Im vergangenen Monat waren in Deutschland insgesamt 219.808 der 15- bis 25-Jährigen arbeitslos gemeldet. Mit 7 Prozent ist die Jugendarbeitslosigkeit in der Bundesrepublik europaweit zwar am niedrigsten. Von Bundesland zu Bundesland sind die Unterschiede jedoch groß. Am höchsten ist sie in Berlin: Dort ist jeder Zehnte junge Erwachsene weder in Schule noch in Ausbildung oder Job untergebracht. In Baden-Württemberg dagegen sind nur 2,6 Prozent als erwerbslos gemeldet. Aus der Statistik herausgerechnet sind zudem all jene Jugendliche, die an Weiterqualifizierungsmaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit teilnehmen; nicht wenige hängen über Jahre in diesen sogenannten Warteschleifen fest. Im Oktober nahmen 176.581 Jugendliche an Weiterbildungskursen der Arbeitsagentur teil.

Die Lehrergewerkschaft GEW zweifelt am Erfolg dieser Maßnahmen. „Die im Übergangssystem zwischen Schule und Ausbildung vermittelten Qualifikationen sind nicht geeignet, jungen Menschen den Einstieg in Ausbildung und Arbeitsmarkt zu erleichtern“, sagt die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. So hätten 1,5 Millionen Menschen im Alter zwischen 20 und 29 Jahren keinen Berufsabschluss - „das ist ein großes gesellschaftliches Problem“, sagt Tepe. Das Übergangssystem müsse ersetzt werden; frei werdende Mittel sollten lieber in den Ausbau der vollzeitschulischen Berufsausbildung investiert werden.

Auch die IG Metall blickt skeptisch auf die Kurse der Arbeitsagentur - und hilft sich selbst: „Mangels sinnvoller Angebote haben wir zusammen mit Gesamtmetall ein tarifvertragliches Programm dazu entwickelt, das Förderjahr“, sagt Hofmann. Dabei werden Jugendliche mit schlechten Schulnoten in Betrieben ans Arbeitsleben herangeführt - mit der Aussicht auf eine Ausbildung im Anschluss an das Förderjahr.

Der DGB sieht den Staat in der Pflicht - er fordert eine Ausbildungsgarantie für alle Jugendliche. „Wir wissen: Gute Bildung bietet jungen Menschen Perspektiven“, sagt Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende. Sie beklagt eine „soziale Schieflage im Bildungssystem“ und wirft der Bundesregierung vor, an ihren eigenen Zielen gescheitert zu sein: „Bis 2015 sollte Deutschland Bildungsrepublik sein - mindestens 10 Prozent des BIP sollten für Bildung und Forschung ausgegeben werden. Gemessen daran werden Jahr für Jahr 23,5 Milliarden Euro zu wenig für Bildung ausgegeben.“

Angesichts des steten Flüchtlingszuzugs fordert die DGB-Vize die Soforteinstellung von 14 000 Erziehern und 24 000 Lehrkräften sowie mehr Schulpsychologen. Um die Kosten stemmen zu können, brauchten die Länder Hilfe vom Bund. Dazu, so Hannack, müsse das Kooperationsverbot fallen, das dem Bund bisher Bildungsausgaben in den Ländern untersagt.

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