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Flugblatt löst Exodus von Flüchtlingen aus

"Kommando Norbert Blüm" Flugblatt löst Exodus von Flüchtlingen aus

Der Exodus Hunderter Migranten aus Griechenland nach Mazedonien soll angeblich von deutschen Aktivisten ausgelöst worden sein. Ein Flugblatt des "Kommandos Norbert Blüm" soll den Migranten gezeigt haben, wie sie den mazedonischen Zaun umgehen können.

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Flüchtlinge versuchten am Montag, von Griechenland über eine alternative Route ins Nachbarland Mazedonien zu gelangen.

Quelle: EPA/NAKE BATEV

Athen. "Wir haben in unseren Händen Flugblätter, die zeigen, das das (Exodus) eine organisierte Aktion war", erklärte am späten Montagabend der Sprecher des Krisenstabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis, in Athen. Zuvor hatte er an einer Dringlichkeitssitzung unter Vorsitz des griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras teilgenommen. Wer hinter der Aktion gesteckt habe, war zunächst unklar.

Wer ist das "Kommando Norbert Blüm"?

Auf Twitter veröffentlichten Journalisten Bilder, die das Flugblatt zeigen sollen. Gerüchten zufolge stamme das Flugblatt von deutschen Aktivisten, berichtet die "Bild"-Zeitung. Sie zitiert mazedonische Sicherheitskreise: "Wir prüfen den Verdacht, dass das Flugblatt von Deutschen verfasst wurde." Unten rechts ist als Urheber das bisher unbekannte "Kommando Norbert Blüm" genannt.

Auf dem Papier ist der Weg eingezeichnet, wie die Migranten den mazedonischen Zaun meiden können und über Umwege nach Mazedonien einreisen können. Medien berichteten, dass es bis zu 2000 Flüchtlingen gelungen sei, trotz der gesperrten Grenze von Griechenland nach Mazedonien einzureisen.

Hunderte Flüchtlinge aus Idomeni haben einen neuen Weg nach Mazedonien gesucht. Sie durchquerten einen reißenden Fluss an der Grenze. Drei afghanische Flüchtlinge sollen in der Strömung ertrunken sein.

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Der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm bestritt, an dem Aufruf beteiligt zu sein. "Ich verstehe die Verzweiflung dieser Leute – aber ich hätte sie nie zu so etwas ermuntert", sagte Blüm  "Spiegel Online". "Auf die Idee wäre ich nicht gekommen." Er wisse nicht, wie sein Name auf das Flugblatt komme und wer dahinter stecke.

Athen wirbt unter Flüchtlingen um Vertrauen

Zudem gebe es auch andere Flyer, die die Migranten falsch informieren und sie auffordern, nicht in andere Lager ins Landesinnere zu gehen, sagte Kyritsis weiter. Den Flüchtlingen werde erzählt, dass sie nicht in Busse steigen sollten, da die Regierung in Athen plane, sie zurück in die Türkei zu bringen.

"Wir fordern die Migranten und Flüchtlinge auf, den griechischen Behörden zu vertrauen und es zu akzeptieren, in andere Lager gebracht zu werden. Die Lage im Flüchtlingslager Idomeni sei "absolut aussichtslos", erklärte der Sprecher des Krisenstabes weiter.

Der Text der Flugblätter laut einer in der griechischen Presse veröffentlichten Übersetzung aus dem Arabischen:

Text des Flugblatts für die Migranten in Idomeni

1. Die griechisch-mazedonische Grenze ist zu und wird zu bleiben.

2. Es gibt keine Busse oder Züge, die Sie nach Deutschland bringen werden.

3. Es ist sehr gut möglich, dass derjenige, der in Griechenland bleibt, am Ende in die Türkei abgeschoben wird.

4. Wer es schafft, illegal in einen anderen Staat Mittel- oder Osteuropas zu reisen, wird bleiben können. Deutschland akzeptiert noch Flüchtlinge.

5. Es ist möglich, dass das Lager von Idomeni in den kommenden Tagen evakuiert wird. Möglicherweise werden Sie dann in andere Lager gebracht und danach in die Türkei ausgewiesen.

Die Lösung: 1. Der Zaun, der vor Ihnen steht, soll Sie in die Irre führen, damit Sie glauben, die Grenze sei geschlossen. Der Zaun endet fünf Kilometer von hier. Danach gibt es keinen Zaun, der Sie daran hindern könnte, nach Mazedonien zu reisen. Sie können hier rübergehen (schauen Sie auf die Karte).

2. Wenn Sie sich in kleinen Gruppen bewegen, werden Sie von der mazedonischen Polizei oder der Armee festgenommen und nach Griechenland zurückgebracht. 

3. Wenn Sie aber zu Tausenden versuchen, gleichzeitig über die Grenze zu kommen, wird die Polizei Sie nicht stoppen können. Lasst uns alle um 14.00 Uhr im Camp (von Idomeni) treffen. Bitte schauen Sie für den Weg zum Treffpunkt auf die Karte.

Blüm hatte am Wochenende im Flüchtlingslager in Idomeni gezeltet und eine Nacht an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien verbracht – im strömenden Regen.

Er hatte damit ein Zeichen setzen wollen gegen die Gleichgültigkeit europäischer Politiker, die die Grenzen abschotten. Die die Flüchtlinge, die als Ergebnis ihres Wirkens irgendwo am Rand Europas gestrandet sind, im wahrsten Sinn des Wortes im Regen stehen lassen.

Migranten kehren zurück

Am Dienstag berichtete die Nachrichtenagentur dpa, dass die Flüchtlinge wieder aus Mazedonien nach Griechenland zurückkehrten. Einige der Betroffenen berichteten, sie seien von mazedonischen Sicherheitskräften mit Schlagstöcken traktiert worden.

Die Flüchtlinge hatten nach eigenen Angaben eine Nacht auf mazedonischem Gebiet verbracht. Sie beschrieben die Situation dort als "bedrohlich". Vor ihnen habe sich ein Spalier aus Soldaten und Polizisten mit Hunden formiert. Die Sicherheitskräfte hätten schließlich die kleinen Zelte der Flüchtlinge zerstört und die Migranten harsch aufgefordert, nach Griechenland zurückzukehren.

dpa/wer

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