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00:16 14.07.2016
Mit Rat und Daten: NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans. Seine Finanzbeamte schulen griechische Steuerfahnder. Quelle: dpa/Monika Skolimowska
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Düsseldorf

Strandmassage ist ein einträgliches Geschäft – und steuerfrei, dachte eine Asiatin, die kürzlich ihre Dienste am Strand auf der griechischen Insel Rhodos anbot. Doch dann erschien die Steuerfahndung, begleitet von Polizisten. Die Masseurin flüchtete ins Meer. Während die Polizei noch beratschlagte, ob sie die Küstenwache alarmieren sollte, sprang eine Steuerfahnderin ins Wasser und zog die Frau an Land – viel Einsatz für einen kleinen Fang.

Wie man auch große Fische fängt, hoffen 25 griechische Steuerfahnder diese Woche in Nordrhein-Westfalen zu erfahren. Sie werden seit Montag in einer Fortbildungsakademie der Finanzverwaltung von deutschen Kollegen geschult. Themen der einwöchigen Weiterbildung: Steuerfahndung, Betriebsprüfung und Korruptionsbekämpfung. In der kommenden Woche soll eine zweite Gruppe die Schulung durchlaufen.

Europameister im Volkssport Steuerhinterziehung

Zum Auftakt kamen am Sonntag der griechische Vize-Finanzminister Tryfon Alexiadis und der Generalsekretär für Korruptionsbekämpfung, Giorgos Vassiliadis, nach Düsseldorf und trafen mit Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans zusammen.

Der Landespolitiker ist vielen Griechen kein Unbekannter, seit im Herbst 2015 in Athen die „Borjans-Liste“ eintraf. Sie enthält Datensätze von 10.588 Griechen mit Konten bei der Schweizer Bank UBS. Viele Griechen hatten in den Krisenjahren große Beträge ins Ausland geschafft – oftmals unversteuertes Schwarzgeld. Gegen 1000 Konto­inhaber hat die Staatsanwaltschaft bereits Anklagen erhoben, weitere 5000 Ermittlungsverfahren laufen.

Die Griechen gelten als Europameister im Volkssport Steuerhinterziehung. Fachleute schätzen ihr Volumen auf 16 Milliarden Euro im Jahr. Während die Ermittler die „Borjans-Liste“ durchforsten, stellte das Finanzministerium jetzt ein weiteres Verzeichnis ins Internet: die „Liste der Schande“. Sie enthält die Namen von 14.000 Steuersündern, die dem Fiskus Beträge von mehr als 150.000 Euro schulden. Die unbezahlten Forderungen haben sich seit 2011 von 44 auf jetzt 88 Milliarden Euro verdoppelt.

Das Thema „Vollstreckung von Forderungen“ steht auch auf dem Stundenplan des Fortbildungskurses. Dazulernen könnte sich lohnen.

Von Gerd Höhler/RND

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