Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Gülen: Erdogan hat Putsch über Jahre geplant
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Gülen: Erdogan hat Putsch über Jahre geplant
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:51 23.09.2016
Spricht über den Putsch in der Türkei: Fethullah Gülen. Quelle: dpa
Saylorsburg

Der türkische Geistliche Fethullah Gülen hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan direkt für den Putschversuch vom 15. Juli in der Türkei verantwortlich gemacht. „In den vergangenen Tagen kamen so viele Beweise ans Licht, dass dies zur Gewissheit wird“, sagte Gülen in seinem Exil in den USA.

Erdogan habe den Coup Jahre im voraus geplant. „Er hat nur auf die richtige Gelegenheit gewartet“, sagte Gülen, der seit 1999 im US-Bundesstaat Pennsylvania lebt. Die türkische Regierung macht ihrerseits Gülen und seine regierungskritische Hizmet-Bewegung für den Putschversuch verantwortlich und fordert die Auslieferung des 78-Jährigen. Er gilt in der Türkei inzwischen als Staatsfeind Nummer Eins.

Putschversuch als Instrument des Machterhalts

„Im Nachgang des Putschversuches nutzt er ihn, um seine Macht zu verfestigen“, sagte Gülen über Erdogan. „Was immer er auch geplant hat – der Putsch gibt ihm die Möglichkeit, es zu tun.“ Viele für die Regierung unliebsame Amtsträger, ob in Ministerien, Militär, Gerichten oder bei der Polizei, seien entlassen, viele von ihnen inhaftiert worden.

Gülen forderte eine internationale Kommission mit Experten aus den USA, Deutschland, den Niederlanden und weiteren Staaten, die den Putschversuch und dessen Umstände untersuchen sollten. Dieser Vorschlag sei von der türkischen Regierung nicht einmal in Erwägung gezogen worden, sagte Gülen. „Wenn dabei herauskommen sollte, dass ich an dem Putschversuch beteiligt war – ich kann mit den Ergebnissen leben“, sagte er.

Nato und USA sollen Druck auf Türkei erhöhen

Er gehe nicht davon aus, dass die Türkei in nächster Zeit Anforderungen erfüllen werde, die für Aufnahmeverhandlungen in die EU nötig seien. Dem Staat müsse mit internationalem Recht und Machtworten von Nato und den USA begegnet werden, forderte er. „Sonst wird das nicht aufhören“, betonte Gülen. „Sie werden nicht leichtfertig aufgeben, was sie bereits erreicht haben.“ Die Türkei habe eine Tradition der Demokratie. „Aber inzwischen haben wir fast alles verloren.“

Von RND/dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Lage ist prekär: Flüchtlinge und Anwohner liefern sich in Griechenland immer häufiger Auseinandersetzungen, es gab bereits erste Festnahmen. Und es kommen immer mehr Hilfesuchende an ...

23.09.2016

Lange hat es gedauert, nun hat der Bundesrat die überfällige Reform des Sexualstrafrechts beschlossen. Tätern drohen fortan deutliche empfindlichere Strafen.

23.09.2016

Frust statt Fortschritt: Weil sich Russland und Amerika nicht über eine Feuerpause einigen können, geht in Syrien der Bürgerkrieg weiter.

23.09.2016