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Gutes Klima – aber noch viele Hürden

Klimagipfel in Paris Gutes Klima – aber noch viele Hürden

Die UN-Klimakonferenz geht in die heiße Phase: Nach zähen Verhandlungen auf Expertenebene übernehmen am Montag die Minister in Paris das Ruder. Mit der Einigung auf einen neuen Entwurf für den Weltklimavertrag haben die Unterhändler zwar eine wichtige Etappe bewältigt, doch die strittigsten Fragen sind noch offen.

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„Die Zeit der Träume hat der Zeit des Handelns Platz gemacht“: Sean Penn bei der Klimakonferenz in Paris. 

Quelle: dpa

Paris. „Wir halten einen Entwurf in den Händen, der alles möglich machen kann: ein starkes Abkommen oder eine Luftnummer“, sagte Regine Günther vom WWF. Umweltschützer sehen es als positives Signal, dass die Vertreter der 195   Länder die neue Verhandlungsgrundlage am Sonnabend einmütig passieren ließen. „Wir sind weiter mit dem Prozess, als wir es je in Kopenhagen waren“, sagte Martin Kaiser von Greenpeace. Die Klimakonferenz 2009 war unter chaotischen Umständen gescheitert.

Der Entwurf ist auf etwa 20 Seiten gekürzt worden und enthält an vielen Stellen noch widersprüchliche Varianten. Vor allem die Forderung der Entwicklungsländer nach mehr Finanzhilfen für Klimaschutz sorgt für Streit. Die Konferenz soll am Freitag einen Vertrag beschließen, der die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf ein erträgliches Maß begrenzt. „Es liegt echt eine Menge Arbeit auf dem Tisch der Minister“, sagte der deutsche Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth. Viel Lob von allen Seiten gibt es bislang für die Verhandlungsstrategie der französischen Gastgeber.

Eine gewisse Bewegung zeichnete sich bei der Zielmarke ab, auf die die Erderwärmung langfristig begrenzt werden soll. Bislang sind maximal 2 Grad vereinbart, die vom Klimawandel existenziell bedrohten kleinen Inselstaaten pochen aber auf höchstens 1,5 Grad. Diese Option liegt weiter auf dem Tisch, Deutschland und die USA wollen sie zumindest in irgendeiner Form im Text erwähnen. Widerstand kommt laut Beobachtern vor allem von Saudi-Arabien.

Auch Prominente setzten sich für das Klima ein

Damit die Konferenz ein Erfolg wird, muss es aber Bewegung in der verfahrenen Debatte um Geld für Entwicklungsländer geben. Diese fordern, dass die Finanzzusagen der Weltgemeinschaft nach 2020 deutlich aufgestockt werden. Weiteres Futter für die Debatte könnte eine neue Liste des UN-Klimasekretariats liefern, die bisherige Versprechen der Geberländer abbildet. Aus Verhandlungskreisen hieß es, auf Basis dieser Angaben lasse sich für 2020 ein Betrag von 94 Milliarden US-Dollar (86 Milliarden Euro) erwarten. Damit wären die für diesen Zeitpunkt von den Industrieländern versprochenen 100 Milliarden Dollar jährlich aus privaten und öffentlichen Mitteln fast erreicht. Der Oxfam-Experte Jan Kowalzig kommt jedoch auf eine andere Zahlen und übt grundsätzlich Kritik an der Rechnung der Industriestaaten bei dem Thema. „Wenn man sich darauf beschränkt, was konkret angekündigt wurde, landet man eher bei 82 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020“, sagte er. Entwicklungs- und Schwellenländer üben schon länger Kritik an den von den Geberländern genannten Beträgen.

Um den Verhandlungen zusätzlichen Schwung zu geben, reisten auch zahlreiche Prominente nach Paris. Nachdem am Freitag bereits Oscar-Preisträger Robert Redford und Schauspieler Leonardo DiCaprio an einem Bürgermeistertreffen im Pariser Rathaus teilgenommen hatten, hielt am Sonnabend Hollywoodstar Sean Penn eine Rede. „Wir haben Gewissheit. Die Zeit der Träume hat der Zeit des Handelns Platz gemacht“, sagte der Oscar-Preisträger.     

300 Millionen Euro für Klima-Versicherungen

Die sieben wichtigsten Industriestaaten (G 7) haben beim Weltklimagipfel zusätzliche Mittel zur Finanzierung von Klima-Risikoversicherungen zugesagt. Zusammen werden die G-7-Länder 300  Millionen Euro zur Verfügung stellen, wie der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesentwicklungsministerium, Thomas Silberhorn (CSU), in Paris mitteilte. Mit dem Geld könnten in armen Staaten etwa 180 Millionen Menschen gegen Schäden durch Dürren und Unwetter abgesichert werden.

Insgesamt wollen die G-7-Länder bis 2020 rund 400 Millionen Menschen mit Klima-Risikoversicherungen ausstatten. Das hatten die Industriestaaten bei ihrem Gipfel im Juni im bayerischen Elmau versprochen. Bislang hatte lediglich Deutschland 150 Millionen Euro dafür auf den Tisch gelegt, diese Summe wurde nun durch die Beiträge anderer Industriestaaten verdoppelt. Weitere Mittel – auch aus privaten Quellen – sollen in den kommenden Jahren hinzukommen.     

Von Sebastian Kunigkeit

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Kommentar

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