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Guttenberg erwägt seinen Rücktritt
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Plagiatsvorwurf Guttenberg erwägt seinen Rücktritt

Die Affäre um seine stellenweise von anderen Autoren abgeschriebene Doktorarbeit hat Karl-Theodor zu Guttenberg in nie dagewesene Turbulenzen gebracht: In der Nacht zum Freitag wurde in Regierungskreisen in Berlin ein Rücktritt des Bundesverteidigungsministers nicht mehr ausgeschlossen. Nur ein extrem kleiner Kreis schien am Abend überhaupt noch Zugang zu dem Minister zu finden.

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Guttenbergs im Jahr 2007 veröffentlichte Doktorarbeit enthält, wie berichtet, zahlreiche Passagen, die von anderen Autoren übernommen wurden, ohne als Zitat gekennzeichnet worden zu sein.

Quelle: dpa

„Wir wissen nicht, was in ihm gerade vorgeht, und wir wissen auch nicht, was gerade im Ministerium passiert“, sagte ein sonst gut informierter Vertrauter des CSU-Politikers. Ein anderer sagte: „In dieser Nacht fallen Entscheidungen.“

Noch bis 18.30 Uhr am Donnerstagabend hatte es geheißen, Guttenberg werde später auf einer Wahlkampfveranstaltung der CDU in Barleben bei Magdeburg sprechen. Wenige Minuten vor Beginn der Veranstaltung ließ Guttenberg den Termin jedoch absagen.

In Berlin hieß es am späteren Abend, im Verteidigungsministerium laufe eine Krisenbesprechung. Unklar blieb zunächst, ob dabei nur eine Sprachregelung gefunden werden sollte oder ob auch ein Rücktritt erwogen wurde. Das ZDF-„heute journal“ berichtete, dass Guttenberg am Donnerstagabend das Kanzleramt aufgesucht habe. Er habe mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gesprochen. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. ZDF und ARD berichteten übereinstimmend, Merkel habe einige Erklärungen von dem Minister verlangt. Kurz zuvor war Guttenberg von einem Blitzbesuch aus Afghanistan zurückgekehrt. [*]

Bei der CDU in Sachsen-Anhalt hatten rund 700 Menschen vergeblich auf den Minister gewartet. Ein örtlicher CDU-Politiker sagte: „Wir haben nur die kurze und knappe Information bekommen, dass der Minister leider in Berlin nicht abkömmlich ist.“

Guttenbergs im Jahr 2007 veröffentlichte Doktorarbeit enthält, wie berichtet, zahlreiche Passagen, die von anderen Autoren übernommen wurden, ohne als Zitat gekennzeichnet worden zu sein. Mittlerweile ist von mehr als 30 Textstellen dieser Art die Rede. Bereits die Einleitung stimmt wortwörtlich mit dem Aufsatz einer Politikwissenschaftlerin überein, der zuvor in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ veröffentlicht worden war.

Die Universität Bayreuth, die die Prüfung zum Dr. jur. abgenommen hatte, forderte Guttenberg am Donnerstag zur Stellungnahme auf und setzte ihm eine Zwei-Wochen-Frist. Es gebe für Überprüfungen dieser Art klare Regeln, betonte Universitätspräsident Rüdiger Bormann. Die Passauer Professorin Barbara Zehnpfennig, bei der Guttenberg abgeschrieben haben soll, forderte, dem Verteidigungsminister den Doktortitel abzuerkennen.

Mittlerweile sucht auch eine immer größere Zahl von Internetnutzern nach abgekupferten Passagen in Guttenbergs Dissertation. Helfen soll ihnen dabei die Seite „GuttenPlag-Wiki“, auf der bis Donnerstagabend mehr als 30 mögliche Plagiatsfälle unter Angabe der vermeintlichen Originalquellen zusammengetragen wurden. Wer hinter dem Internetprojekt steckt, ist bislang unklar, die anonymen Macher betonten lediglich, mit der Aktion „die wissenschaftliche Integrität eines Doktortitels in Deutschland“ sichern zu wollen.

Die SPD sieht die Autorität des Minister infrage gestellt: „Der Lack ist endgültig ab“, sagte der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold in Berlin. Dagegen antworte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) am Donnerstagabend auf die Frage, ob Guttenberg wegen der Probleme zurücktreten solle: „Ich äußere mich nicht zu Dissertationen oder Abiturzeugnissen.“

Stefan Koch/dpa

[*] Dieser Abschnitt des Artikels wurde aktualisiert.

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