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Ausschreitungen nach Port-Said-Urteil

Haft für tödliche Fußballkrawalle in Ägypten


Fußball hat in Ägypten derzeit kaum etwas mit Sport zu tun. Das macht ein neues Urteil zu den bislang blutigsten Krawallen in einem Stadion vor einem Jahr deutlich. Neben 21 Todesurteilen sorgt vor allem der Freispruch von Polizisten für Unruhe.
Bei Ausschreitungen in Port Said waren 74 Menschen ums Leben gekommen, als Fans des Vereins Al-Masri brutal auf Anhänger des rivalisierenden Al-Ahli-Clubs losgingen.

Bei Ausschreitungen in Port Said waren 74 Menschen ums Leben gekommen, als Fans des Vereins Al-Masri brutal auf Anhänger des rivalisierenden Al-Ahli-Clubs losgingen.

© dpa

Istanbul/Kairo. Fußball und Politik hängen im neuen Ägypten eng zusammen. In dem nordafrikanischen Land dient der Sport derzeit als Ventil, den Frust über schlechte Wirtschaft und wachsende Armut auszuleben. Die Folge ist brutale Gewalt. So erklärt es sich, dass bei Krawallen nach einem Fußballspiel vor gut einem Jahr 74 Menschen starben und dass daraufhin 21 Todesurteile ausgesprochen wurden, die wiederum zu neuen Ausschreitungen mit Dutzenden Toten führten.

Am Samstag verkündeten die Richter eine neue Entscheidung in der schlimmsten Tragödie des ägyptischen Sports: Eine Bestätigung der Todesurteile, langjährige Haftstrafen für sogenannte Ultras und zwei Polizisten - sowie 28 Freisprüche. In einem Punkt sind sich sogar die rivalisierenden Fan-Lager einig: Dass sieben der neun angeklagten Polizisten auf freien Fuß kommen, ist nach ihrer Ansicht ein Skandal.

Der Fall Port Said ist in Ägypten längst ein Politikum. Schon kurz nach der Katastrophe im Stadion der Stadt am 1. Februar 2012 sahen viele die Schuld bei der Polizei. Die Sicherheitskräfte hätten nichts getan, sondern lediglich zugeschaut, als Fans des lokalen Teams Al-Masri mit Stöcken und Messern auf Anhänger der Kairoer Traditionsmannschaft Al-Ahli losgingen, lauteten die Vorwürfe von Spielern, Trainern und Fans. Diese Aktion sei von langer Hand geplant worden, von Leuten, die eng mit dem früheren Regime von Präsident Husni Mubarak in Verbindung stünden, hieß es zudem. Es handele sich um einen Denkzettel für die Al-Ahli-Fans - die an vorderster Front mithalfen, den mächtigen Polizeistaat zum Sturz zu bringen.

Die nun bestätigten 21 Todesurteile gegen Al-Masri-Fans werden auch deshalb in Port Said als „politische Entscheidung“ gewertet. Das Urteil war mit Spannung erwartet worden. Der Fanclub des Kairoer Fußballclubs Al-Ahli drohte mit Krawallen und forderte die Todesstrafe für alle Angeklagten. Die Ultras von Al-Masri drohten genau für diesen Fall mit neuer Gewalt.

Die Polizei versucht derweil, sich dem Konflikt zu entziehen - und streikt. Etwa jeder vierte Polizist hat in Ägypten die Arbeit niedergelegt. Die Sicherheitskräfte fühlen sich als Sündenböcke, beklagen, dass sie einerseits schlecht ausgerüstet sind, und andererseits juristisch verfolgt werden, wenn sie gewaltsam gegen Demonstranten vorgehen. In Port Said hatte am Freitag das Militär den Schutz staatlicher Einrichtungen übernommen.

Die Freisprüche aber lassen die Wut auf den seit vielen Jahren verhassten Polizeiapparat wieder hochkommen. Kurz nach der Urteilsverkündung am Samstag griffen Al-Ahli-Ultras einen Polizeiclub im Zentrum Kairos mit Brandsätzen an. 

dpa

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