Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Hamas gibt Beteiligung an Teenager-Mord zu

Nahost-Konflikt Hamas gibt Beteiligung an Teenager-Mord zu

Vor rund zwei Monaten wurden im Westjordanland drei israelische Jugendliche ermordet. Israel gab der Hamas die Schuld – und bekämpfte sie. Nun räumt Exil-Chef Chaled Maschaal eine Beteiligung der Hamas ein. Das späte Eingeständnis könnte den Gaza-Krieg verschärfen.

Voriger Artikel
Merkel verspricht Kiew Finanzhilfe
Nächster Artikel
BND soll Nato-Partner Albanien überwachen

Chaled Maschaal, Exil-Chef der Hamas.

Quelle: EPA/Youssef Badawi/dpa

Gaza/Tel Aviv. Erstmals hat ein Mitglied der Hamas-Führung zugegeben, dass Angehörige der Organisation an der Entführung und Ermordung von drei israelischen Jugendlichen Mitte Juni beteiligt waren. Exil-Chef Chaled Maschaal sagte am Samstag in einem Interview mit Yahoo News, die politische Hamas-Führung habe „vorab nichts von der Tat gewusst, die diese Gruppe von Hamas-Mitgliedern begangen hat“. Ranghohe Hamas-Mitglieder hätten erst durch die israelischen Ermittlungen von dem Verbrechen erfahren. „Aber wir verstehen, dass die Menschen unter der Besatzung und Unterdrückung frustriert sind und alles Mögliche unternehmen“, sagte Maschaal.

Die drei Jugendlichen waren Mitte Juni im Westjordanland entführt und später tot aufgefunden worden. Israel hatte die radikal-islamische Hamas beschuldigt, hinter den Morden zu stehen. Die Palästinenserorganisation hatte die Entführung befürwortet, eine Beteiligung aber stets zurückgewiesen. Das Kidnapping führte zu einer Welle der Gewalt und schließlich zum aktuellen Gaza-Krieg.

Die israelische Armee griff in der Nacht zum Samstag erneut Ziele im Gazastreifen an. Es seien mehr als 20 Luftschläge ausgeführt worden, sagte eine Armeesprecherin. Bei den Angriffen seien mindestens fünf Menschen getötet worden, teilte Aschraf al-Kidra, Sprecher des Gesundheitsministeriums in Gaza mit. Rund 50 Personen seien verletzt worden. Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor rund sechs Wochen kamen demnach etwa 2100 Palästinenser um. Mehr als 10.500 wurden verletzt.

Auf israelischer Seite starben 68 Menschen – 64 Soldaten und vier Zivilisten, Hunderte wurden verletzt. Unter den Opfern ist ein vierjähriger Junge, der am Freitagabend durch eine Mörsergranate getötet wurde. Nach Medienberichten war die Familie erst einige Tage zuvor in ihren Kibbuz im Süden Israels zurückgekehrt, als sich eine dauerhafte Feuerpause abzeichnete. Indirekte Gespräche Israels und der Palästinenser über eine langfristige Waffenruhe in Kairo waren zur Wochenmitte gescheitert.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte der Hamas, sie werde für den Tod des Kindes „einen hohen Preis zahlen“. Medienberichten zufolge telefonierte Netanjahu mit Alon Schuster, dem Vorsitzen der Regionalverwaltung, in der der Junge umgekommen war. Netanjahu habe Schuster zugesichert, die israelische Armee und der Geheimdienst würden ihre Angriffe gegen die Hamas und andere militante Gruppen intensivieren, bis eine dauerhafte Ruhe in Israel garantiert sei.

Avigdor Lieberman, israelischer Außenminister, sagte nach Medienberichten in einem Interview Freitagnacht, Ziel Israels müsse es sein, die Hamas „entweder zu besiegen oder zur Kapitulation zu zwingen“. Die Hamas müsse „die weiße Flagge hissen und um eine Waffenruhe betteln“. Die Palästinenserorganisation dürfe keine Raketen mehr abschießen oder produzieren können. Sie müsse auch davon abgehalten werden, die von Israel im Gaza-Krieg zerstörten Tunnel wieder aufzubauen. Lieberman nannte dieses Ziel „realistisch“.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Nahost-Konflikt
Foto: Israelische Bürger suchen Unterschlupf in den Toilettenräumen eines Cafés während eines roten Alarms.

Der Gaza-Krieg zieht sich immer mehr in die Länge. Der Schlagabtausch mit der Hamas könnte auch im September weitergehen, meint Netanjahu. Israel nimmt nun auch die finanzielle und politische Hamas-Führung ins Visier.

mehr
Mehr aus Deutschland / Welt
Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.