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17-jähriger IS-Kämpfer rechnet mit Terrormiliz ab

Letztes Lebenszeichen 17-jähriger IS-Kämpfer rechnet mit Terrormiliz ab

Ein junger Mann aus Hamburg reist nach Syrien, um für den IS zu kämpfen. Aber die Terrormiliz ist nicht das, was er sich vorgestellt hat. Enttäuscht warnt er seine Freunde zuhause: "Du kannst dir gleich 'ne Pistole nehmen und in den Kopf schießen." Jetzt ist er tot.

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Foto: Der Verfassungsschutz veröffentlichte dieses Bild des Jugendlichen aus Hamburg, der sich dem IS anschloss.

Quelle: Landesamt für Verfassungsschutz Hamburg

Hamburg. In ihren Propagandavideos präsentiert sich die Terrormiliz IS als gut organisierte Organisation, deren Anhänger brüderlich leben und kämpfen. Ein junger Mann aus Hamburg erlebte den Alltag aber ganz anders. Der Jugendliche, der Bilal genannt wurde, schickte deshalb eine Audiobotschaft übers Internet an seine Glaubensbrüder in der Heimat, in der er ihnen frustriert seine Erfahrungen schildert – es ist eine Abrechnung mit der Terrormiliz.

"Warnung an junge Menschen"

Die Audiodatei wurde dem Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Hamburg zugespielt. Dieser veröffentlichte sie "als Warnung an junge Menschen, die mit dem IS sympathisieren oder womöglich über einen Anschluss an die Organisation nachdenken", wie er auf seiner Internetseite schreibt. Aus Sicht der Verfassungsschützer räumt Bilal in der Audiodatei "mit der romantisierenden Vorstellung des Jihad auf und entlarvt die Propaganda des IS als Lügengebilde".

Denn der 17-Jährige aus Hamburg berichtet, wie er im Mai 2015 in der syrischen IS-Hochburg Raqqa ankommt und mit anderen Deutschen in einem Haus untergebracht wird. Mehrmals hätten sie nach einer Ausbildung in einem Trainingslager gefragt, seien aber immer wieder vertröstet worden, erzählt der Jugendliche. "Die versprechen uns Sachen, halten es nicht ein", schimpft er.

Verfassungsschutz: Kein Einzelfall

Später seien Kämpfer an die Front geschickt worden. Ihr Anführer habe ihnen gesagt: "Kämpft einfach, Geht einfach nach vorne, stürmt nach vorne." Sie hätten nach einer Taktik gefragt. "Kämpft einfach", habe er ihnen daraufhin noch einmal gesagt. "Er schickt die einfach in den Tod. Das ist so, du kannst gleich 'ne Pistole nehmen und dir in den Kopf schießen", schimpft der Mann aus Hamburg. "Die schicken die Brüder einfach in den Tod."

Andere Rückkehrer hätten ähnliche Erfahrungen gemacht, erklärt der Verfassungsschutz. Der Islamische Staat opfere ausländische Kämpfer als Kanonenfutter an der Front. Junge Menschen aus Europa würden "schlecht ausgebildet und ungenügend ausgerüstet in den sicheren Tod geschickt". Wer den IS verlassen wolle, müsse dies heimlich tun, sonst laufe er Gefahr, "als Verräter und Abtrünniger erschossen zu werden".

Sein letztes Lebenszeichen

Dieses Schicksal ereilte wahrscheinlich auch den Jugendlichen aus Hamburg. Nach Informationen des Verfassungsschutzes starb er im Juli 2015, vermutlich sei er vom IS getötet worden. Die Audiodatei, also die Abrechnung mit dem IS, sei sein letztes Lebenszeichen gewesen.

Als Kleinkind sei er mit seiner Familie aus einem zentralafrikanischen Land nach Deutschland gekommen, berichten Hamburgs Verfassungsschützer weiter. Mit 14 Jahren habe Bilal seine ersten Kontakte zur salafistischen Szene gehabt. "In den Jahren danach radikalisiert er sich, unter anderem auch durch den Konsum von IS-Gewaltvideos", berichtet der Verfassungsschutz.

Mit 17 will sich der Jugendliche dem IS anschließen. "Bilal verfällt dem Trugbild der Internetpropaganda des IS", erklären die Verfassungsschützer. Außerdem seien dem jungen Mann aus Hamburg eine Frau, ein Haus und ein geregeltes Einkommen in Syrien versprochen worden. Die Realität sieht allerdings anders aus, wie Bilal in seiner Audiobotschaft berichtet. Zwei Monate später ist er tot.

wer

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