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„Selbst Gott will nicht zurück zur Drachme“

Griechenland-Krise „Selbst Gott will nicht zurück zur Drachme“

Welche Sorgen und Hoffnungen haben die Rentner, Lehrer und Studenten in Griechenland, während die Mächtigen Europas über die Zukunft ihres Landes entscheiden? Unsere Reporterin Marina Kormbaki ist eine Woche vor Ort und berichtet jeden Tag aus dem Alltagskrimi. Heute: Hoffnung auf das Ende des Dramas – oder ein Zeichen des Herrn.

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Demonstranten auf dem Syntagma-Platz vor dem griechischen Parlament. Sie protestieren gegen ein Einlenken gegenüber den Forderungen der EU.

Quelle: dpa

Athen. Ungeheuerliches ereignete sich Dienstagabend in Athen: Es hat geregnet. Sehr ergiebig, mit Blitz und Donner. Und weil das jetzt hier Tage sind, in denen jeder Ausschau hält nach einem Zeichen, nach einem Hinweis darauf hält, ob es klug ist, beim Referendum am Sonntag mit Ja oder mit Nein zu den Forderungen von Griechenlands Gläubigern zu stimmen, stand das Gewitter gestern Abend bei den Demonstranten auf dem Syntagma-Platz sogleich im Verdacht, ein Wink des Herren zu sein. Sie schwenkten Fahnen mit der Aufschrift „Nai“ - Ja -, und als die ersten Tropfen niedergingen, sagte eine Griechin neben mir: „Selbst Gott will nicht zurück zur Drachme.“

Allerdings wussten auch die Befürworter eines „Nein“ die Zeichen in ihrem Sinn zu deuten - sie hatten den Platz vor dem Parlament schon am Abend zuvor zu Tausenden gefüllt, bei freundlicher Abendsonne: „Euro Demo soll einfach nicht sein“, rief gestern einer den Regenschirm-Trägern zu.

           
           
         

Zwei Großdemonstrationen an zwei aufeinander folgenden Abenden, die eine für, die andere gegen eine Einigung mit den Geldgebern unter den kürzlich ausgehandelten Spar- und Streichauflagen – es geht ein Riss durch die griechische Gesellschaft. Ein Riss tut sich aber auch im einzelnen Bürger auf. Auf die Frage, ob sie mit Ja oder Nein stimmen werden, bringen viele Athener entschlossen ihre Antwort vor, aber schon wenige Sätze später wird oft ihr Hadern deutlich, ihre Zweifel, ihre Angst.

„Ich werde mit Nein stimmen, natürlich“, ruft ein verärgerter Mann am Mittwochmorgen aus, Jannis sein Name, während er am Bankautomaten ansteht. „Und was ist am Tag danach?“, fragt die Frau in der Reihe vor ihm, sie heißt Lila. „Weiß ich nicht“, sagt Jannis, „es wird wohl schlimm, aber wir sollten uns doch wehren gegen die Erpressungen von außen!“ Lila wendet sich ab, sie sagt: „Ich halte es für ein Gebot der Verantwortung, mit Ja zu stimmen.“ Sie ist jetzt dran, will die pro Tag maximal erhältlichen 60 Euro abheben, doch die 20-Euro-Scheine sind mal wieder aus. Lila geht mit 50 Euro heim.

Diese Ja-Nein-Debatte hat in diesen dramatischen Tagen eine Ventilfunktion. Mit einem simplen Ja oder Nein weiß jeder sich zu artikulieren, um Details zu Reformauflagen und europäischen Verträgen geht es meist nicht. Und sie nährt bei vielen die Hoffnung, dass der Druck und die Verarmung ein vorübergehendes Phänomen sind, dass es bald vorbei ist, dass, wie eine Studentin gestern erzählte, nächste Woche der Deus ex machina kommt, wie im Theater, kurz vor Ende eines Dramas. Und dann wird alles gut.

Doch leider sieht es ganz danach aus, dass im griechischen Drama noch einige Akte durchzustehen sein werden.

Zur Person

Marina Kormbaki (32) ist Berlin-Korrespondentin des RedaktionsNetzwerks Deutschland der Mediengruppe Madsack. Sie reist seit ihrer Kindheit regelmäßig zu Verwandten nach Athen, beherrscht die griechische Sprache - und begleitet für uns die europäische Schuldenkrise seit Jahren journalistisch. Bis zum Referendum am Sonntag berichtet sie an dieser Stelle aus Athen von dem Leben am Rande des Staatsbankrotts.

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