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Zschäpe inszeniert sich als traurige Trinkerin

NSU-Prozess Zschäpe inszeniert sich als traurige Trinkerin

Während die beiden Männer Menschen ermordeten, will sie aus Kummer zu viel Sekt getrunken haben: Im NSU-Prozess inszeniert sich Beate Zschäpe weiterhin als machtlose und unwissende Mitbewohnerin von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt.

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Angeklagte Beate Zschäpe: Vor dem Oberlandesgericht München wurde am Donnerstag der Prozess um die Morde und Terroranschläge des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) fortgesetzt.

Quelle: Peter Kneffel/dpa

München. Im NSU-Prozess hat die Angeklagte Beate Zschäpe erneut behauptet, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hätten ohne ihr Wissen und ohne ihre Zustimmung mehrere Migranten und eine Polizistin ermordet. Sie will davon immer erst im Nachhinein erfahren haben.

Den Kummer darüber habe sie sogar in Alkohol ertränken müssen: "Wenn ich alleine zu Hause war, trank ich mehr – ebenso, wenn ich wieder von Straftaten der beiden erfahren hatte." Zeitweise habe sie zwei bis drei Flaschen Sekt am Tag getrunken.

Hetzlieder in der Jugend

Die wegen Mordes angeklagte Zschäpe hatte erstmals im Dezember ihr jahrelanges Schweigen im NSU-Prozess gebrochen und ihren Anwalt Mathias Grasel eine lange Erklärung verlesen lassen. Die Nachfragen des Gerichts beantwortete sie am Donnerstag schriftlich.

Sie habe die Einstellung der beiden Männer zur Gewalt nicht geteilt und teile sie auch heute nicht, ließ Zschäpe verlesen. "Die Gewaltanwendungen, insbesondere die Mordtaten und Bombenanschläge, verurteile ich zutiefst." Zwar habe sie in ihrer Jugend durchaus rechtsextreme Hetzlieder gesungen. Aber: "Ich sehe einen großen Unterschied zwischen dem Singen solcher Lieder im jugendlichen Alter einerseits und dem Töten von Menschen andererseits."

Zschäpe nennt Namen von Unterstützern

Zschäpe beschrieb sich als machtlos gegenüber den mutmaßlichen NSU-Terroristen Böhnhardt und Mundlos, mit denen sie dreizehn Jahre im Untergrund gelebt hatte. "Sie ließen sich von mir nicht beeinflussen. Sie ließen sich von mir auch nichts sagen", ließ Zschäpe erklären.

Anders als bei ihrer ersten Einlassung äußerte Zschäpe sich aber detaillierter zu Mitgliedern der Neonazi-Szene, die dem Trio im Untergrund geholfen hätten. So habe Böhnhardt ihr erzählt, der Anführer der Chemnitzer "Blood & Honour"-Gruppe, Jan W., habe eine Waffe beschafft.

"Ich kann keine Kinder bekommen"

Sie nannte die Namen weiterer Helfer, die das Trio bei sich versteckten, Wohnungen mieteten, Papiere oder Krankenkassenkarten zur Verfügung stellten oder ein Konto eröffneten. Davon waren die meisten allerdings bereits bekannt und teilweise im Prozess als Zeugen gehört worden.

Zschäpe schilderte nun aber die enge Freundschaft zu dem Mitangeklagten André E. und seiner Frau. Mit der Frau und den Kindern der Familie sei sie oft auf Spielplätze gegangen. "Diese Treffen mit den Kindern taten mir gut, weil ich selbst keine eigenen Kinder bekommen kann."

dpa/afp

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