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Bildung

Imame aus deutschen Unis

Von Dr. Daniel Alexander Schacht

Imame und islamische Religionslehrer sollen künftig bundesweit an deutschen Hochschulen ausgebildet werden. Politiker und Vertreter der Muslime befürworteten am Wochenende eine entsprechende Empfehlung des Wissenschaftsrates.
Innenminister Uwe Schünemann (CDU)

Innenminister Uwe Schünemann (CDU)

© Rainer Dröse (Archiv)

Das Beratergremium von Bund und Ländern bestätigt eine Weichenstellung, für der sich Niedersachsen als einziges Bundesland bereits entschieden hat: Vom Wintersemester 2010 an sollen Muslime an der Universität Osnabrück zu deutschsprachigen Imamen ausgebildet werden. Innenminister Uwe Schünemann (CDU), der sich seit 2008 für die universitäre Imam-Ausbildung starkmacht, maß dem in Osnabrück dafür geplanten Bachelor-Studiengang „integrationspolitisch enorme Bedeutung“ zu. „Wir freuen uns, dass Niedersachsen da Anstöße geben konnte“, sagte der Minister am Sonntag.

Der Wissenschaftsrat urteilt in seinen „Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen“, es werde der Bedeutung des Islam als größter nichtchristlicher Glaubensgemeinschaft in Deutschland nicht gerecht, dass es bislang keine „Islamischen Studien“ an den Hochschulen gibt. Es bedürfe jetzt „einer großen Anstrengung“, um Islamische Theologie an zwei bis drei deutschen Hochschulstandorten zu konzentrieren. Dort sollten neben Lehrkräften für islamischen Religionsunterricht auch islamische Religionsgelehrte, Fachpersonal für Sozial- und Gemeindearbeit sowie wissenschaftlicher Nachwuchs ausgebildet werden.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) begrüßte die Vorschläge ebenso wie Politiker von SPD, FDP und Grünen. Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet (CDU) plädierte für den schnellen Aufbau des Faches Islamische Theologie. „Wir brauchen mehr Imame, die unserer Gesellschaft entstammen und an deutschen Universitäten ausgebildet werden“, sagte er. Wer für wenige Jahre aus der Türkei einreise und die deutsche Gesellschaft nicht kenne, passe „nicht mehr in die Zeit moderner Integrationspolitik“.

Laschet spielte damit auf die vom türkischen Amt für Religion geübte Praxis an, Imame auf Zeit nach Deutschland zu entsenden, die zwar eine gemäßigte Form des in der Türkei vorherrschenden sunnitischen Islam pflegen, aber meist nur über Grundkenntnisse der deutschen Sprache und Kultur verfügen. Ihr Dachverband Ditib erklärte, für ihn gebe es keinen Bedarf an in Deutschland ausgebildeten Imamen. Die ebenso wie Ditib in der Deutschen Islamkonferenz vertretenen Verbände Zentralrat der Muslime und Islamrat unterstützten dagegen die Empfehlungen des Wissenschaftsrats.

Schünemann hatte sich bei seinen Vorarbeiten auf einen Beraterkreis gestützt, der bei traditionellen Muslimen als islamkritisch eingestuft worden und deshalb auf Widerspruch gestoßen war. Ihm gehörten neben anderen der Göttinger Orientalist Tilman Nagel und die Frauenrechtlerin Necla Kelek an.

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