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10:15 07.10.2017
Robert Mugabe: Die Debatte um seine Nachfolge nimmt merkwürdige Züge an. Quelle: AP
Harare

Präsident Robert Mugabe regiert Simbabwe seit 37 Jahren. Bisher galt sein Vize Emmerson Mnangagwa als wahrscheinlicher Nachfolger des 93-Jährigen, der im kommenden Jahr noch einmal für das höchste Staatsamt kandidieren will. Die langjährige enge Verbindung der beiden Politiker geht zurück auf die Zeit des Kampfs gegen die weiße Minderheitsherrschaft. Doch zuletzt hat Mugabe seinen alten Freund Mnangagwa öffentlich bloßgestellt.

So erzählte der Präsident, sein Vize habe einmal einen Rivalen um die Gunst einer Frau gezwungen, von einem mehrstöckigen Haus zu springen. Der Mann sei seitdem querschnittsgelähmt. „Er wurde gezwungen, sich entweder auf einen heißen Herd zu setzen oder aus dem Fenster zu springen“, sagte Mugabe im September bei einer Veranstaltung in der Stadt Bindura. „Er hat sich entschieden zu springen und ist jetzt behindert. Er hätte beide Möglichkeiten ablehnen können, aber ich vermute, er hatte Angst.“

Vize-Präsident Emmerson Mnangagwa sieht sich immer schärferen Anschuldigungen ausgesetzt. Quelle: AP

Mnangagwa und seine Ehefrau saßen auf dem Podium und lauschten den Anschuldigungen mit versteinerten Gesichtern. Am Donnerstag beteuerte er schließlich seine „unerschütterliche Loyalität“ zu Mugabe.

Die Vorgänge erinnern gespenstisch an jene Machenschaften, die 2014 zur Entlassung von Vizepräsidentin Joice Mujuru führten, einer ehemaligen Verbündeten Mugabes, die heute in der Opposition ist. Damals wie heute spielte Mugabes Frau Grace eine maßgebliche Rolle. Sie und andere werfen Mnangagwa vor, das Land mit seiner Äußerung getäuscht zu haben, er sei wegen einer Vergiftung erkrankt.

Die Regierungspartei ZANU-PF ist tief gespalten

Mnangagwa sitzt die politischen Kundgebungen aus, bei denen die Mugabes ihn persönlich kritisieren und bloßstellen. In Bindura warnte Grace Mugabe den Vizepräsidenten, dass ihm das gleiche Schicksal drohen könne wie Mujuru, der Umsturzversuche gegen den Präsidenten vorgeworfen worden waren. „Ich flehe den Vizepräsidenten an, das zu beenden“, sagte die First Lady. „Ich habe Mujuru einmal gewarnt und sie dachte, ich scherze. Wo ist sie jetzt?“

Die Attacken spiegeln die Spaltung innerhalb der Regierungspartei ZANU-PF wider. „Mugabe sichert sich sein politisches Überleben, indem er die unterschiedlichen Fraktionen gegeneinander ausspielt“, sagt der in Südafrika lebende simbabwische Analyst und Menschenrechtsanwalt Gabriel Shumba.

Die Opposition profitiert nicht von der Schwäche der Regierung

Die politische Unsicherheit verschärft die Probleme in dem von einer Wirtschaftskrise gebeutelten Land. Doch der zersplitterten Opposition ist es bisher nicht gelungen, die landesweite Unzufriedenheit für sich zu nutzen. Oppositionsführer Morgan Tsvangirai leidet unter gesundheitlichen Problemen und ließ sich kürzlich im benachbarten Südafrika behandeln.

Laut Verfassung übernimmt im Fall des Todes, Rücktritts oder der Entlassung des Präsidenten der zuletzt kommissarisch amtierende Stellvertreter für 90 Tage das oberste Staatsamt. Anschließend muss die Regierungspartei eine Person benennen, die die Geschäfte bis zum Ende der Amtszeit des ehemaligen Staatschefs weiterführt. Mnangagwa war während Mugabes Reise zu den Vereinten Nationen im September amtierender Präsident.

Übernimmt die First Lady persönlich das Amt?

In der Vergangenheit hatte das auch schon der zweite Vizepräsident Phelekezela Mphoko übernommen. Der hat sich mittlerweile den Beschwerden über seinen Kollegen Mnangagwa angeschlossen. Doch Mphoko gilt nicht als aussichtsreicher Kronprinz. Ihm fehlt eine politische Basis.

Bei einigen Experten steht der zurückhaltende Verteidigungsminister Sekeramayi hoch im Kurs als möglicher Mugabe-Nachfolger. Ein Verbündeter von Grace Mugabe, der Mnangagwa-Kritiker Jonathan Moyo, brachte Sekeramayis Namen zuerst ins Spiel. Der ausgebildete Arzt könnte auch für diejenigen akzeptabel sein, die Mnangagwas überdrüssig sind.

First Lady Grace Mugabe intrigiert ganz ohne Scham. Quelle: dpa

Robert Mugabe betonte bei der Kundgebung in Bindura, Mnangagwa und Sekeramayi stünden für ihn auf derselben Stufe. Seine Frau erzählte dann aber, der Präsident habe einmal Sekeramayi an sein Krankenbett bestellt, als er dachte, an Durchfall sterben zu müssen. Wiederholte Forderungen der First Lady nach einem weiblichen Vizepräsidenten haben allerdings Spekulationen geschürt, dass sie womöglich am Ende selbst das Amt ihres Mannes übernehmen will.

„Die Präsidentenfamilie nutzt die Kundgebungen, um Mnangagwas Image eines Kriegshelden zu dem eines unachtsamen, grausamen und spaltenden Menschen umzubauen, der unfähig ist, die Macht zu übernehmen“, sagt der Analyst Alex Rusero aus der simbabwischen Hauptstadt Harare. „Zugleich stellt er Sekeramayi und Mnangagwa mit Blick auf die Seniorität in der Partei als gleichrangig dar. All das dient dazu, Sekeramayi als den Auserwählten zu bestimmen.“

Von RND/AP

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