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Immer Stress mit den USA

Leitartikel zur Wahl Immer Stress mit den USA

Der Wahlkampf in den USA wurde hysterisch geführt. Es ist höchste Zeit, einen Gang zurückzuschalten - auch hier in Deutschland. Denn egal, wer die Wahl gewinnt: Den Deutschen steht das Ende ihrer weltpolitischen Zuschauerrolle bevor. Eine Analyse von Matthias Koch.

 

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Das müssen Sie zur Wahl in den USA wissen
Quelle: dpa

Die Psychologenvereinigung der USA gab den Amerikanern dieser Tage einen guten Tipp: Sie sollten mal einen „digital break“ machen, eine Pause beim Konsum elektronischer Medien. Es genüge völlig, die Dinge später in Ruhe nachzulesen. Eine Umfrage hatte ergeben, dass 52 Prozent der Amerikaner das Näherrücken der Präsidentschaftswahl und die Medienberichterstattung darüber als „ernsthafte Quelle von Stress“ in ihrem Leben empfinden.

Auch den Deutschen würde es guttun, einen Gang zurückzuschalten. Allzu oft schon haben viele hierzulande mit Blick auf die USA Maß und Mitte verloren. Als Ronald Reagan in den Achtzigern Laserwaffen fürs Weltall entwickeln ließ, glaubten viele, nun sei der Krieg der Welten nicht mehr fern. Von den Titelseiten deutscher Magazine grüßte Reagan als düsterer Darth Vader. Doch dann folgte nicht die Explosion des Planeten, sondern der leise Aufstieg Michail Gorbatschows – und der Fall der Mauer.

Paradoxe Weltpolitik

Die Weltpolitik ist komplex, oft auch paradox. George Bush senior etwa war ein US-Präsident ohne große Visionen, mit schief sitzender Brille und verlegenem Lächeln. Doch ausgerechnet ihm gelang es, die Welt in der komplizierten Phase nach dem Mauerfall neu zu ordnen, friedlich und auf sehr kluge Art.

Umgekehrt führen hehre Pläne längst nicht zum guten Resultat. Im Sommer 2008 umringten an der Berliner Siegessäule 200 000 deutsche Fans den US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama wie einen Heiland. Der Hochgelobte aber konnte, wie man weiß, das Abrutschen der Welt Richtung Syrienkrieg, Flüchtlingskrise und Nationalpopulismus nicht verhindern.

Es ist Zeit, den Gedanken zuzulassen, dass die USA weder der Quell allen Übels sind noch der globale Heilsbringer. Gestehen wir ihnen doch einfach zu, dass sie als Supermacht oft in Situationen geraten, in denen es keine einfache Entscheidung gibt.

Einmarsch in den Irak war ein Fehler

Bill Clinton beendete ohne UN-Mandat durch einen Nato-Einsatz im Jahr 1999 das Morden auf dem Kosovo. War das nun falsch oder richtig? Viele Deutsche debattieren darüber bis heute. An anderen Stellen wächst Konsens: Ja, der überstürzte Einmarsch im Irak unter George W. Bush war ein Fehler. Und ja: Der überstürzte Abzug unter Obama war ebenso falsch, er hinterließ ein Machtvakuum und half dem „Islamischen Staat“.

Die Deutschen sind immer klüger. Denn sie erlauben sich den Luxus, erst mal den Ausgang der Dinge abzuwarten – und dann ihre Noten zu verteilen. Genau diese Zuschauerhaltung aber wird Washington ihnen in Zukunft nicht mehr durchgehen lassen, auch dann nicht, wenn, wie es die Mehrheit der Deutschen wünscht, Hillary Clinton gewinnt. Was sagt Berlin, wenn eine Präsidentin Clinton Flugverbotszonen in Syrien durchsetzen will, auch um den Preis einer Krise mit Russland?

Die Wahrheit ist: Es wird, egal, wer gewinnt, immer Stress geben mit den USA.

Von Matthias Koch

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