Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Import-Pflegekräfte arbeiten oft ohne Kontrolle
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Import-Pflegekräfte arbeiten oft ohne Kontrolle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:47 05.02.2012
Von Gabi Stief
Vor allem in der Rund-um-die-Uhr-Pflege boomt der Vermittlungsmarkt. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Unterstützung erhalten sie vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB): Nach dessen Informationen kassieren manche Pflege-Vermittler fast die Hälfte des Monatslohns von 1500 Euro, den die Familien in der Regel für die 24-Stunden-Betreuung zahlen.

Die Linksfraktion wollte jetzt mit einer Kleinen Anfrage von der Bundesregierung wissen, wer diesen „grauen“ Pflegemarkt kontrolliert und wer dafür sorgt, dass arbeitsrechtliche Standards eingehalten werden. Die Antwort sei erschreckend, sagt Kathrin Senger-Schäfer, pflegepolitische Sprecherin der Linken. Das Arbeitsministerium könne weder Beschäftigtenzahlen nennen, noch habe es einen Überblick über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Pflegekräfte. „Menschen, die schwerste Arbeit leisten, werden alleingelassen“, kritisiert Senger-Schäfer. Die Not von Pflegebedürftigen werde von Arbeitsvermittlern ausgenutzt.

Agenturen, die sich auf eine Vermittlung ausländischer Pflegerinnen spezialisiert haben, nutzen in der Regel die rechtliche Möglichkeit der Entsendung. Die Frauen sind bei einem Arbeitgeber in ihrem Heimatland angestellt. Das europäische Recht erlaubt die Entsendung für maximal zwei Jahre.

Problematisch wird dies nach Ansicht der Linken vor allem auch, weil niemand sagen könne, welche Tätigkeiten die Frauen in den Familien ausübten. Die Linke vermutet, dass sie zumeist als „Haushaltshilfe“ entsandt werden, um den für Pflegehilfskräfte verbindlichen Mindestlohn zu unterlaufen. Auch werde nicht überprüft, ob die Vermittlungsfirmen, die nicht für die Einhaltung arbeitsrechtlicher Vorschriften haften, wirklich nur als Vermittler tätig sind.

Auch der DGB sieht Handlungsbedarf. Vor wenigen Monaten wurde in Berlin unter dem Titel „Faire Mobilität“ ein Projekt ins Leben gerufen, das osteuropäischen  Pflegerinnen Beratung anbietet. „Die Beschwerden häufen sich“, sagt Projektberaterin Sylwia Timm. So stünde den Beschäftigten eine geregelte Freizeit zu. Doch häufig werde den Frauen gesagt, dass das Fernsehen oder das Spazierengehen mit den Menschen, die sie betreuen, keine Arbeit sei, berichtet Timm. Nach ihren Erfahrungen kommen überwiegend ältere Frauen aus Polen als Pflegekraft nach Deutschland. Viele merkten erst hier, dass sie mit der Rund-um-die-Uhr-Betreuung überfordert sind.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

 Der Konservative Sauli Niinistö hat die Präsidentschaftswahl in Finnland wie erwartet klar gewonnen. Bei den Wählern profiliert hat sich der Ex-Minister mindestens so stark durch Familiäres wie durch Politisches. Niinistö löst die Sozialdemokratin Tarja Halonen ab.

05.02.2012

Im Kampf gegen die Neonazis der Zwickauer Terrorzelle verlangt das Bundeskriminalamt mehr Personal. Die bisher 360 Beamten sollen Unterstützung von 50 zusätzlichen Ermittlern verstärkt werden.

05.02.2012

Noch nie war der Sicherheitsrat so einig, wenn es um Syrien ging. Aber eben nicht ganz einig und zwei Abweichler konnten ihre Meinung gegen alle anderen durchsetzen: Russland und China haben mit ihrem Veto die Syrien-Resolution platzen lassen. Die Empörung ist weltweit groß.

05.02.2012
Anzeige