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Iran will Zentrifugen zur Urananreicherung reduzieren

Atomverhandlungen in Wien Iran will Zentrifugen zur Urananreicherung reduzieren

Der Iran hat bei den Atomverhandlungen in Wien zugesagt, die Zahl seiner Zentrifugen zur Urananreicherung für zehn Jahre um zwei Drittel zu reduzieren. Der Iran ist neben Saudi-Arabien die wichtigste Regionalmacht am Golf. Das Atomabkommen dürfte deswegen auch massive Auswirkungen auf die arabische Welt haben.

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Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif haben die Beilegung des jahrelangen Atomstreits übereinstimmend als „historisch“ gewürdigt.

Quelle: dpa

Wien. Der Iran hat bei den Atomverhandlungen in Wien zugesagt, die Zahl seiner Zentrifugen zur Urananreicherung für zehn Jahre um zwei Drittel zu reduzieren. Laut einem iranischen Dokument, das am Dienstag in Wien veröffentlicht wurde, soll die Zahl der Zentrifugen in der Urananreicherungsanlage von Natans auf 5060 begrenzt werden, während in der Anlage von Fordo 1044 weitere verbleiben sollen, ohne aber zur Urananreicherung genutzt zu werden. Bisher hat der Iran 19.000 Zentrifugen, davon sind aber weniger als 10.000 in Betrieb.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte derweil, das UN-Waffenembargo gegen den Iran bleibe weitere fünf Jahre in Kraft. Es gebe einen Kompromiss zwischen dem Iran und dem Westen, dem Russland zugestimmt habe, erklärte Lawrow. Demnach sind während der kommenden fünf Jahre Waffenlieferungen an den Iran nur nach vorheriger Zustimmung des UN-Sicherheitsrats möglich.

Ein französischer Diplomat sagte in Wien, das Abkommen sehe vor, dass die in dem Streit verhängten internationalen Sanktionen ab Anfang 2016 schrittweise aufgehoben würden. Sollte die Islamische Republik gegen die Verpflichtungen in dem Abkommen verstoßen, würden die Strafmaßnahmen wieder in Kraft gesetzt. Demnach könnten die ersten Sanktionen nach einer Sitzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Mitte Dezember zur möglichen militärischen Dimension des iranischen Atomprogramms aufgehoben werden.

Mogherini und Sarif: Heute ist ein historischer Tag

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif haben die Beilegung des jahrelangen Atomstreits übereinstimmend als „historisch“ gewürdigt. „Wir eröffnen ein neues Kapitel in unseren Beziehungen“, sagte Mogherini nach Abschluss der Verhandlungen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Sarif in Wien.

„Was wir heute verkünden, ist nicht nur ein Deal - es ist ein guter Deal.“ Der Iran habe bestätigt, dass er unter keinen Umständen eine Atomwaffe erlangen wolle, betonte Mogherini. Sarif wiederholte das gleiche Statement anschließend auf Persisch.

Obama preist Atomdeal mit Iran

US-Präsident Barack Obama hat die historische Einigung im Streit um das iranische Atomprogramm gepriesen. Das Abkommen mache „das Land und die Welt sicherer“, sagte Obama am Dienstag in einer Fernsehansprache aus dem Weißen Haus. Für den Iran sei „jeder Pfad“ zur Atombombe abgeschnitten. Die Verbreitung von Atomwaffen im Nahen Osten sei „gestoppt“.

Obama sagte, das Abkommen beruhe nicht auf Vertrauen, sondern auf einer Überprüfung durch internationale Inspektoren. Sollte Teheran gegen seine Verpflichtungen verstoßen, würden die Sanktionen sofort wieder „zuschnappen“. Der Präsident rief den US-Kongress auf, die Einigung mit dem Iran mitzutragen. Für den Fall einer Ablehnung des Deals durch das Parlament drohte er mit seinem Veto.

Was das Atomabkommen für die arabische Welt bedeutet

Der Iran ist neben Saudi-Arabien die wichtigste Regionalmacht am Golf. Das Atomabkommen dürfte deswegen auch massive Auswirkungen auf die arabische Welt haben.

SAUDI-ARABIEN: Das sunnitische Königreich betrachtet den schiitischen Iran als Erzfeind und befürchtet einen noch größeren Einfluss Teherans. Ein Iran mit Atomwaffen wäre für Saudi-Arabien ein Alptraum. Die Golfstaaten wollten deshalb von den USA umfassende Sicherheitsgarantien, was Washington ablehnte. Sollten die Saudis von dem Atomabkommen nicht überzeugt sein, könnten sie ihr eigenes Nuklearprogramm beschleunigen - und selbst nach Atomwaffen streben.

SYRIEN: Iran ist Syriens wichtigster Verbündeter: Ohne Hilfe aus Teheran wäre das Regime von Baschar al-Assad schon gestürzt. Es gibt zwei Szenarien: Ein wirtschaftlich stärkerer Iran könnte seine Hilfe für Damaskus aufstocken - was den Bürgerkrieg verlängern dürfte. Das andere Szenario: Nach dem Atomabkommen wird der Iran stärker in die internationalen Bemühungen um eine politische Lösung für den Konflikt eingebunden - das könnte den Weg zu neuen Verhandlungen ebnen.

IRAK: Der Iran hat massiven Einfluss im Nachbarland, dessen Regierung von Schiiten dominiert wird. Von Teheran unterstützte schiitische Milizen sind mittlerweile im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) führend. Das Atomabkommen könnten die Zusammenarbeit der Milizen mit dem US-Militär vereinfachen, das die irakische Armee unterstützt und regelmäßig Luftangriffe gegen den IS fliegt.

JEMEN: Saudi-Arabien wirft Teheran vor, die schiitischen Huthi-Rebellen in dem Bürgerkriegsland mit Geld und Waffen zu unterstützen. Riad will unter allen Umständen verhindern, dass Teheran und schiitische Kräfte größeren Einfluss im Jemen bekommen. Das Atomabkommen könnten dazu führen, dass Saudi-Arabien und seine arabischen Verbündeten ihre Hilfe für die gestürzte Regierung vergrößern und die Luftangriffe gegen die Huthis verstärken.

dpa/afp

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Verhandlungen vor Abschluss
Foto: In der Nacht gab es in Wien noch einmal mehrere Verhandlungsrunden in unterschiedlicher Besetzung.

Bei den Verhandlungen über ein Ende des jahrelangen Atomstreits mit dem Iran hat es laut westlichen Diplomaten eine Einigung gegeben haben. Details sollen am Vormittag in einer Pressekonferenz vorgestellt werden.

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