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Heikle Lage

Iranische Atomkrise hält die Welt in Atem

Von Stefan Koch

Der Konflikt um das iranische Atomprogramm eskaliert. Der verbale Schlagabtausch wird immer schärfer. Teheran droht mit Vergeltungsschlägen, sollten seine Forschungsanlagen bombardiert werden. Eine düstere Einschätzung der Sicherheitslage gibt Washington.
Foto: Irans Staatsoberhaupt und Religionsführer Ayatollah Ali Chamenei drohte Israel am Freitag.

Irans Staatsoberhaupt und Religionsführer Ayatollah Ali Chamenei drohte Israel am Freitag.

© dpa

Washington/München. US-Verteidigungsminister Leon Panetta geht davon aus, dass Israel in diesem Frühjahr den Iran angreift. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière warnte Israel vor einem Militärschlag. Man nehme die Sorgen Israels sehr ernst, sagte der CDU-Politiker in einem Interview: „Aber wir warnen Israel auch vor Abenteuern.“

Seit Wochen spitzt sich das Ringen mit dem iranischen Regime zu. Mehrfach hatte Teheran vor Sanktionen der internationalen Gemeinschaft gewarnt und mit der Blockade der Erdölexporte durch den Persischen Golf gedroht. Israel und westliche Fachleute befürchten, dass Teheran bereits innerhalb der kommenden zwölf Monate in den Besitz von Atomwaffen gelangen könnte. Irans Staatsoberhaupt und Religionsführer Ayatollah Ali Chamenei drohte Israel am Freitag: „Das zionistische Regime ist ein Krebsgeschwür und sollte beseitigt werden, und es wird beseitigt werden.“

Die Aussagen von Pentagon-Chef Panetta sorgten für internationales Aufsehen. Nach Informationen der „Washington Post“ sieht Panetta eine „starke Wahrscheinlichkeit“, dass die israelische Luftwaffe im April, Mai oder Juni die unterirdischen Forschungsanlagen im Iran bombardiere, um den Bau von Atombomben zu verhindern. Panettas Befürchtungen kommen nicht von ungefähr: Israels Verteidigungsminister Ehud Barak sprach bereits mehrfach über die Möglichkeit eines Angriffs. Am Freitag wurde der Ressortchef mit den mahnenden Worten zitiert: „Wer später sagt, könnte herausfinden, dass es (für einen Angriff) schon zu spät ist.“ Wenn der Iran dann über genügend hochangereichertes Uran für Atombomben verfüge, seien nur noch die USA militärisch in der Lage, das Regime zu stoppen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wolle aber verhindern, „dass das Schicksal Israels vom amerikanischen Handeln abhängt“.

US-Präsident Barack Obama sowie Panetta versuchen seit Längerem, Israel von einem Angriff abzuhalten. Der US-Verteidigungsminister hatte erst vor wenigen Wochen vor den fatalen Folgen eines Angriffs auf den Iran gewarnt. Nach Einschätzung des Verteidigungsministers würden israelische Luftschläge das iranische Forschungsprogramm lediglich um zwei oder drei Jahre zurückwerfen. Der Westen sollte sich daher auf ein hartes und effektives Sanktionssystem konzentrieren.

Bundesverteidigungsminister de Maizière forderte zum Auftakt der dreitägigen Münchener Sicherheitskonferenz stärkere gemeinsame europäische Anstrengungen in der Verteidigungspolitik. Europa müsse in der Lage sein, auch militärisch Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. In München beraten 350 Spitzenpolitiker und Experten aus 60 Ländern über die Sicherheitslage unter anderem im Mittleren Osten.

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