Volltextsuche über das Angebot:

25°/ 14° Gewitter

Navigation:
Wie sieht es eine Woche nach dem Terror in Brüssel aus?

Islamisten umgarnen Jugendliche Wie sieht es eine Woche nach dem Terror in Brüssel aus?

Eine Woche nach den Anschlägen ist die belgische Hauptstadt weit entfernt von der Normalität. Die Metro fährt nur zwischen 7 und 19 Uhr, der Flughafen wird monatelang nur auf Notbetrieb laufen und im Stadtteil Molenbeek sollen sich Dschidhadisten bereits um die Radikalisierung weiterer junger Menschen bemüht haben. 

Voriger Artikel
Roth: "Europa hat seine
 Seele verloren"
Nächster Artikel
Regierungskoalition in Brasilien geplatzt
Quelle: dpa/Symbolfoto

Brüssel. Eine Woche nach den Anschlägen auf den Brüsseler Flughafen und einen Metro-Zug haben die belgischen Behörden jetzt Bilanz gezogen: Noch immer liegen 96 Verletzte in den Krankenhäusern, davon 55 auf der Intensivstation. 29 Opfer werden in Spezialzentren für Verbrennungen behandelt. 16 Todesopfer vom Flughafen sind bisher identifiziert worden, 13 aus der Untergrundbahn. Bei sechs Opfern bemühen sich die Rechtsmediziner noch, sie zuzuordnen.

Normalität in der Stadt? Fehlanzeige. Zwar hat die Metro inzwischen wieder ihren Betrieb aufgenommen – allerdings nur zwischen 7 und 19 Uhr. Auch am Flughafen stellt man sich auf einen monatelangen Notbetrieb ein. Vermutlich heute sollen zunächst 20 Prozent der rund 600 Verbindungen wieder aufgenommen werden, die hier normalerweise pro Tag abgewickelt werden. „Die komplette Elektronik, die Klimaanlage und vor allem die Sicherheitsmaßnahmen müssen völlig neu gebaut werden“, hieß es am Airport Zaventem. Zunächst werden die Reisenden wohl in Zelten eingecheckt, was die Abfertigung vor neue Herausforderungen in puncto Sicherheit stellt. Denn nicht nur die Passagiere selbst, sondern auch ihre Gepäckstücke müssen nach internationalen Standards überprüft werden, damit der Flughafen seine Zulassung behalten kann.

"Mein Bruder, warum folgst du uns nicht in den Kampf gegen die Westler?"

Im Stadtteil Molenbeek gab es unterdessen neue Aufregung. Mehrere Kommunalpolitiker berichteten am Dienstag, dass junge Leute während der Osterfeiertage Propaganda-SMS auf ihren Mobiltelefonen erhalten hatten, mit denen sie für den Dschihad angeworben werden sollten. „Mein Bruder, warum folgst du uns nicht in den Kampf gegen die Westler? Triff die richtige Wahl in deinem Leben“, hieß es da.
Die Behörden nahmen Ermittlungen auf, doch inzwischen klagen Polizeivertreter immer häufiger über Überlastung. Einige Beamte seien seit Tagen ununterbrochen im Einsatz, sagten Vertreter der belgischen Polizeigewerkschaft.

In der Öffentlichkeit wird darauf wenig Rücksicht genommen. Berichte über eine neue Fahndungspanne machen die Runde. Am Montag hatte ein Ermittlungsrichter den verhafteten Faycal Cheffou wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Mann war am Wochenende festgenommen worden. Zeitweise hieß es, bei ihm handele es sich um den dritten Flughafen-Attentäter („der Mann mit dem Hut“). Doch Cheffou konnte ein Alibi beibringen, er telefonierte zur Tatzeit mit seinem Handy. Ein neuer Irrtum? Kaum war Cheffou aus der Untersuchungshaft entlassen, meldeten sich neue Zeugen, die angaben, dass der Mann zum engeren Kreis der islamistischen Terroristen zählen dürfte. Der nächste Rückschlag für die belgischen Behörden?

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Brüsseler Anschläge

Nach den Brüsseler Anschlägen hat sich die Zahl der Todesopfer nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf 35 erhöht. 31 Menschen seien am Dienstag am Flughafen oder in der U-Bahn getötet worden, vier weitere erlagen später im Krankenhaus ihren Verletzungen, die drei Selbstmordattentäter kommen noch hinzu.

mehr
Mehr aus Deutschland / Welt
Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.