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Deutschland / Welt Jedes zweite somalische Kind in Lagern ist unterernährt
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12:24 05.08.2011
Quelle: dpa
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Addis Abeba/Nairobi

Ein Ende der Hungerkatastrophe in Somalia und anderen Teilen Ostafrikas ist nicht in Sicht. Besonders kritisch ist die Lage unter anderem in den Grenzgebieten zwischen Somalia und Kenia. Das Kinderhilfswerk Unicef arbeitet deshalb jetzt mit Partnern vor Ort zusammen, um im Grenzort Liboi Ernährungszentren zur Erstversorgung einzurichten. „Viele somalische Familien, die in Liboi die Grenze nach Kenia überqueren, wissen nicht, dass sie weitere 100 Kilometer laufen müssen, um die Flüchtlingscamps in Dadaab zu erreichen“, sagte Olivia Yambi von Unicef.

Der Gesundheitszustand vieler Kinder sei dabei so prekär, dass sie Soforthilfe brauchten: „Sie können nicht warten, bis sie in Dadaab behandelt werden.“ Auch in Dadaab selbst hat Unicef seine Hilfen für hungernde somalische Kinder weiter aufgestockt. Fast die Hälfte aller Kinder sei beim Eintreffen in den Lagern unterernährt, teilte die Organisation am Freitag mit. „Berichte von Kindern, die auf dem Weg oder kurz nach Erreichen der Camps sterben, sind beunruhigend häufig“, hieß es.

Die lebensrettenden Maßnahmen umfassten unter anderem Lebensmittel, medizinische Versorgung, Wasser und Sanitäreinrichtungen. Etwa 80 Prozent der 1300 Somalier, die täglich im Durchschnitt die Lager erreichten, seien Frauen und Kinder. Mittlerweile leben über 400.000 Menschen im größten Flüchtlingscamp der Welt. Zahlenmäßig seien die Lager damit die drittgrößte Stadt Kenias.

Am schlimmsten bleibt die Situation aber nach wie vor in Somalia selbst. Allein in den vergangenen 90 Tagen sind nach Angaben von US-Regierungsbeauftragten 29.000 Kinder in dem Krisenland verhungert. Kurz zuvor hatten die Vereinten Nationen in drei weiteren somalischen Regionen offiziell eine Hungersnot ausgerufen. Damit wurden mittlerweile fünf Regionen zu Hungerzonen erklärt.

Die internationale Gemeinschaft muss sich für einen dauerhaften Frieden in Somalia einsetzen

Die Organisation SOS-Kinderdörfer weltweit rief die internationale Gemeinschaft auf, sich für einen dauerhaften Frieden in Somalia einzusetzen. „Es ist höchste Zeit, dass die Großmächte sich auch aufraffen, etwas zu tun, damit das sinnlose Töten in Somalia ein Ende nimmt“, sagte Präsident Helmut Kutin in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Jetzt gehe es vordringlich darum, die Notsituation aufzufangen, betonte Kutin. Dann aber bräuchten die Menschen Sicherheit und Frieden, um wieder eine Existenz aufzubauen. Die Weltöffentlichkeit müsse auch an die islamische Welt appellieren, in dem geschundenen Land Einfluss zu nehmen. „Hier geht es um das nackte Überleben und nicht um religiöse Unterschiede“, sagte Kutin.

Unterdessen bilden sich auch im schwer betroffenen Süden Somalias Lager für Binnenflüchtlinge. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen verteilte in Jilib in der Region Lower Juba Valley bereits Plastikplanen, Moskitonetze und Seife an mehr als 3600 Menschen, die hier vorübergehend Zuflucht gefunden haben. Das Team betreibt in der benachbarten Stadt Marere ein großes therapeutisches Ernährungsprogramm für mangelernährte Kinder und ein Krankenhaus.

„Ich hatte gehört, dass es in Jilib ein Lager für Vertriebene gibt, in dem Lebensmittel verteilt werden - und so haben wir uns auf den Weg dorthin gemacht“, erzählt eine Mutter von sechs Kindern, die den Großteil des 230 Kilometer langen Weges zu Fuß zurückgelegt hat. „Wir wollten eigentlich nach Kenia, konnten aber den hohen Preis für die Fahrt zu den Flüchtlingslagern nicht bezahlen.“

dpa

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