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Deutschland / Welt Spahn ist abgeschlagen – und wählt die Flucht nach vorne
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16:02 07.12.2018
Jens Spahn war bei den acht Regionalkonferenzen im Entertainer-Modus unterwegs. Er musste sich absetzen, denn Kramp-Karrenbauer und Merz waren die Favoriten des Wettbewerbs. Quelle: Jan Woitas/dpa
Berlin

Sie haben auf ihn eingeredet, aber er zieht nicht zurück. Jens Spahn, der Bundesgesundheitsminister, steht in den Umfragen zum Parteivorsitz zuverlässig auf Platz 3. Er gilt in der Union als chancenlos, selbst seine bisherigen Unterstützter vom Wirtschaftsflügel und der Jungen Union haben ihm die Unterstützung entzogen, genauso wie sein Förderer Wolfgang Schäuble.

Aber Spahn hat weiter gemacht. Er will sich einer Wahl stellen, die er mit großer Wahrscheinlichkeit verliert. Kann sein, dass dadurch Annegret Kramp-Karrenbauer, die als Gegenmodell zu Spahn und Merz gilt, schon im ersten Wahlgang gewinnt. Dann gäbe es vermutlich etwas Ärger für Spahn. Aber grundsätzlich gilt: Er wird verlieren, ist aber doch ein Gewinner. Zumindest sagen sie das so in der CDU. Spahn wird im Präsidium bleiben und auch sein Ministeramt behalten. Und in der Partei heißt es, die Karriere von Spahn sei noch nicht vorbei.

Etwas Frust hatte Spahn schon zu bewältigen, der seit Jahren sein Image als Anti-Merkel gepflegt hatte, als Merz so überraschend seine Kandidatur anmeldete, den Titel übernahm und an ihm vorbei zog.

Spahn als unerfahren – trotz langer Bundestags-Erfahrung

Plötzlich galt der 38-jährige als zu jung, zu unerfahren, zu ungeduldig – obwohl er sogar schon ein Jahr länger im Bundestag sitzt als Merz. Auf allen Regionalkonferenzen bekam Spahn den wenigsten Applaus, obwohl er gar nicht so viel anders redete als Merz.

Spahn schaltete auf Gegenangriff und versuchte es mit Humor, Galgenhumor vielleicht auch. Dass er mit Ende 30 als zu jung angesehen werde, sei vielleicht „genau das Problem der CDU“, frotzelte er. Als erster der Kandidaten ging er seine Gegner frontal persönlich an. Merz warf er Wankelmut vor wegen einer wieder revidierten Aussage zur europäischen Arbeitslosenversicherung, er spießte dessen Abwesenheit in den schwierigen politischen Zeiten der letzten Jahre auf (“Ich hätte mir gewünscht, wir hätten Sie damals an Bord gehabt“) und warnte zwischendurch schon auch mal vor dem Versteifen auf angebliche Heilsbringer. Kramp-Karrenbauer kreidete er deren sehr zugespitzte Position zur Ehe gleichgeschlechtlicher Partner als persönliche Beleidigung an.

Jens Spahn im Steckbrief

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist der Jüngste in Angela Merkels Kabinett und machte mit provokanten Äußerungen zum Thema Zuwanderung von sich reden. Stationen seines Lebens:

● geboren am 16. Mai 1980 im münsterländischen Ahaus (Nordrhein-Westfalen)

● seit 1997 in der CDU, Eintritt in die Junge Union bereits 1995

● nach dem Abitur 1999 Ausbildung zum Bankkaufmann; Studium der Politikwissenschaft an der Fernuniversität Hagen, Abschluss 2017

● 1998 bis 2005 Vorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend

● seit 2002 Mitglied des Bundestages

● seit 2012 Mitglied des CDU-Bundesvorstandes, seit 2014 auch Mitglied des CDU-Präsidiums

● 2015 bis 2018 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesfinanzminister

● seit März 2018 Bundesgesundheitsminister

● katholisch, seit 2017 mit seinem langjährigen Partner verheiratet

Trotz und Beleidigtsein wegen Migrationsdebatte

Ein bisschen Trotz und Beleidigtsein schimmerte auch durch, wenn er feststellte, dass die Migrationspolitik nun so diskutiert werde, wie er es schon lange gefordert hatte. Und da legte er dann auch mal eine Schippe drauf, indem er den UN-Migrationspakt in Frage stellte. Mittlerweile

Mehr diskutieren in der Partei, das war das Hauptmotto Spahns, der als erster schwuler Parteivorsitz-Kandidat der CDU antrat. Vor einigen Tagen hat er erzählt, er hätte sich auch vorstellen können, Kindergärtner zu werden statt Politiker. Es scheint nicht, dass das nun noch eine Option ist, auch nicht bei einer Niederlage.

Auf einer der Regionalkonferenzen hat Spahn an Helmut Kohl erinnert, den verstorbenen Altkanzler. Der sei mit 39 Jahren Ministerpräsident geworden und auch ihm hätten viele gesagt, er sei „zu jung, zu unerfahren, soll sich hinten anstellen“. Kohl habe dann die Partei erneuert. Aber, sagt Spahn, er vergleiche sich natürlich nicht mit Kohl. Käme ihm gar nicht in den Sinn.

Von Daniela Vates/RND

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