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Deutschland / Welt Jenseits des National-Theaters
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20:38 20.01.2017
Nummer 44 und 45: Barack Obama räumt seinen Platz für Donald Trump. Quelle: AP
Washington, Abschottung macht die eigene Wirtschaft nur schlechter

Auch sie tönen, ihre Nation solle wieder „great“ werden. Geert Wilders will im März in den Niederlanden „klar Schiff“ machen. Marine Le Pen verspricht „ein Frankreich, das endlich wieder den Franzosen hilft“, Stichwahl ist am 7. Mai.

Niederlande zuerst? Frankreich zuerst? Deutschland den Deutschen? Kann, in welchem Land auch immer, ein Rückzug ins Nationale eine tragfähige Antwort sein auf die Probleme der Gegenwart? Oder ist dies alles nur Theater?

Viele Menschen, das ist wahr, sind erschöpft von immer mehr Globalisierung und Digitalisierung. Die Trump-Wähler zum Beispiel legen jetzt einfach mal die Füße hoch, schalten das Fernsehen ein und hoffen auf Wundertaten ihres Helden. Im Idealfall müsste Trump nun einen neuen amerikanischen Traum wahr werden lassen, ganz im Stil der Fünfzigerjahre, in einem Land voller wogender Weizenfelder, das sich selbst genug ist und in dem wohlhabende Amerikaner ihre nur von Landsleuten gefertigten Limousinen mit blitzenden Heckflossen über die nur von heimischen Firmen erneuerten Brücken und Straßen steuern, beschützt vor ausländischer Konkurrenz durch hohe Zölle und hohe Mauern.

In Wahrheit wuchs der heutige, nie da gewesene Wohlstand in den USA und in der EU gerade aus der Offenheit beider Märkte füreinander. Google, Amazon und Netflix wissen es, BMW weiß es auch: Abschottung macht auch die jeweils eigene Wirtschaft nur schlechter. Weltweites Wirtschaften bietet die Chance auf wachsenden Wohlstand für alle.

Die Gewinner, ökonomisch und sozial, werden auch in Zukunft jene sein, die sich nicht nationalen Träumereien hingeben, sondern wach und kreativ sind. Wann schenkt Trump den Amerikanern an dieser Stelle reinen Wein ein? Und wann merken europäische Rechtspopulisten, dass amerikanischer Rechtspopulismus ihren Wählern schadet? AfD-Chefin Frauke Petry trifft Wilders und Le Pen am Wochenende in Koblenz; die drei hoffen bei den Wahlen auf Kettenreaktionen zu ihren Gunsten. Doch für die AfD wachsen in den Umfragen die Bäume nicht in den Himmel. Trump löst bei vielen Deutschen den Reflex aus, in unsicheren Zeiten keine Experimente zu machen. Die wahre Politik der Zukunft, das ahnen viele, muss jenseits des National-Theaters definiert werden. Zum Beispiel beim G-20-Treffen im Juli in Hamburg. Die Gastgeber, Angela Merkel und ihr künftiger Außenminister Martin Schulz, verhalten sich derzeit auffällig unauffällig. Sie lassen erst mal die Paukenschläge verklingen.

Von RND/Matthias Koch

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