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Deutschland / Welt Kandidatin für einen Tag
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12:54 13.10.2016
Von Michael B. Berger
Ja? Nein? Vielleicht? Käßmann war für einen Tag als Kandidatin für das höchste Amt im Gespräch. Quelle: Julian Stratenschulte
Hannover

Sie hat das, wofür andere lange trainieren müssen und was manche nie lernen - das Gespür für das gesprochene Wort. Sie kann Menschen begeistern, andere aber auch abschrecken. „Die Nervensäge Gottes“ hat, wenig charmant, die linksalternative „Tageszeitung“ sie genannt. Margot Käßmann will weiter predigen, aber eines nicht: Bundespräsidentin und Nachfolgerin Joachim Gaucks werden. „Es ehrt mich, dass mein Name im Zusammenhang mit dem höchsten Amt im Staat genannt wird. Allerdings stehe ich für dieses Amt nicht zur Verfügung“, gab sie am Mittwochnachmittag kurz zu Protokoll. So war sie nur Kandidatin für einen Tag.

Noch am Morgen überschlugen sich die Meldungen, der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel habe Käßmann überreden wollen, doch für das höchste Amt anzutreten. Allerdings habe die 58-jährige Theologin, die bereits öffentlich über ihren Vorruhestand auf der Insel Usedom räsoniert hat, dem SPD-Chef noch keine Zusage gegeben.

Dass Gabriel und Käßmann einander schätzen, ist seit Jahren bekannt. Einst waren sie in Hannover gleichsam „die jungen Wilden“: Gabriel als ungestümer Ministerpräsident Niedersachsens, Käßmann als Landesbischöfin, die in der betulichen hannoverschen Landeskirche einige Reformen angestoßen hat. Aber Bundespräsidentin? Es wäre für die Luther-Botschafterin in mehrfacher Hinsicht schwierig, ausgerechnet im Luther-Jahr, das die Evangelische Kirche 2017 feiert, von der Kanzel vor die Bundesversammlung zu ziehen.

Doch das Dementi ließ noch etwas auf sich warten, aus der SPD hieß es nur knapp, man möge doch Frau Käßmann fragen. Dafür erklärten andere bereits, was für Käßmann sprechen würde. Der Linkspartei-Vorsitzende Bernd Riexinger wünschte sich eine Kandidatin, die „weltoffen ist, für soziale Gerechtigkeit und eine friedliche Außenpolitik“ stehe. Dies würde zweifelsfrei auf Käßmann zutreffen. Grünen-Chefin Simone Peter bezeichnete Käßmann als „starke Persönlichkeit“. Ein Bündnis links der Mitte, so die Botschaft an die Union, hätte also bereit gestanden - wenn Käßmann und Gabriel denn gewollt hätten.

Der Name „Käßmann“ scheint schnell im Raum, wenn ein neuer Bundespräsident gesucht wird. Das war schon lange vor Joachim Gauck der Fall, als Horst Köhler fluchtartig die Bühne verließ und die etablierten Parteipolitiker ratlos zurückließ. Der hannoversche Kriminologe Christian Pfeiffer, der sich sowohl mit Menschen als auch mit Medien auskennt, hat dafür eine einfache Erklärung: „Sie hat ähnliche Qualitäten wie Joachim Gauck, kann schnell zu Vielem etwas sagen. Und sie ist oft in der ‘Bild-Zeitung’.“

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