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Karsai bestätigt Verhandlungen zwischen USA und Taliban

Afghanistan Karsai bestätigt Verhandlungen zwischen USA und Taliban

Der Krieg in Afghanistan ist in seinem zehnten Jahr. Präsident Karsai bestätigt nun erstmals Verhandlungen der USA mit den Taliban. Die Aufständischen greifen unterdessen weiter an - auch in Kundus, wo einer der ranghöchsten deutschen Offiziere einem Anschlag entgeht.

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Präsident Hamid Karsai bestätigte, dass es Gespräche zwischen den USA und den Taliban gibt.

Quelle: dpa

Als vor bald einem Jahrzehnt der Einsatz des Westens am Hindukusch begann, schienen die Taliban bald vernichtend geschlagen. Das militärische Engagement, so die Hoffnung damals, werde überschaubar bleiben. Selten hat sich die Staatengemeinschaft so getäuscht. Inzwischen ist in Washington, Brüssel und Berlin klar, dass es eine militärische Lösung nicht geben wird. Der Westen und die afghanische Regierung setzen auf Verhandlungen mit den wieder erstarkten Taliban. Erstmals bestätigte Präsident Hamid Karsai am Samstag, dass Gespräche laufen. Doch am Wochenende wurde nach neuen Anschlägen in Kundus und Kabul deutlich, dass ein Ende der Gewalt - wenn überhaupt - in weiter Ferne liegt.

„Die Gespräche mit den Taliban und anderen haben begonnen und so Gott will, werden sie fortgesetzt“, sagte Karsai vor jungen Afghanen in der Hauptstadt Kabul. Besonders die USA seien in die Verhandlungen involviert, die eine politische Lösung des gewaltsamen Konflikts zum Ziel haben. Keine andere Nation ist in Afghanistan so stark engagiert wie die USA. Die Amerikaner stellen die mit weitem Abstand meisten Soldaten, sie entrichten den höchsten Blutzoll, und sie zahlen am meisten: Alleine der Einsatz des US-Armee kostet die von der Wirtschaftskrise gebeutelte Supermacht nach Angaben der Zeitschrift „The Economist“ jährlich knapp 120 Milliarden Dollar.

Dass es Sondierungen zwischen den Kriegsparteien gibt, ist nicht neu: „Der Spiegel“ hat bereits vor knapp einem Monat berichtet, der deutsche Sonderbeauftragte für Afghanistan, Michael Steiner, vermittle bei Geheimgesprächen zwischen Vertretern der US-Regierung und der Taliban. Der deutsche Botschafter in Afghanistan, Rüdiger König, meinte am Sonntag in Kabul: „Die Bundesregierung sagt seit Monaten, wir unterstützen einen politischen Prozess in Afghanistan. (...) Wir sind zufrieden, dass dieser Prozess jetzt in Gang kommt.“

Wie verhandlungswillig sind die Taliban?

Von echten Friedensverhandlungen kann nach Ansicht von Experten aber noch lange nicht die Rede sein - allenfalls dürfte es sich um „Gespräche über Gespräche“ handeln. Offiziell beharren beide Seiten auf ihren Positionen: Die afghanische Regierung und die Staatengemeinschaft verlangen von den Taliban, sich vom Terrornetz Al-Kaida loszusagen und die afghanische Verfassung anzuerkennen. Die Aufständischen stellen als Bedingung den Abzug der ausländischen Truppen - ohne die Karsai nicht überlebensfähig wäre. Hinter den Kulissen aber geraten die Dinge in Bewegung.

Der Weltsicherheitsrat beschloss am Freitag, künftig getrennte Sanktionslisten für Mitglieder des Terrornetzes Al-Kaida und den Taliban zu führen. Das darf als Signal des höchsten UN-Gremiums an die Taliban gewertet werden, die betonen, sie verfolgten anders als Al-Kaida keine globalen Ziele. Mit der Trennung wird es einfacher werden, Taliban-Anführer von der Liste zu tilgen.

Unklar ist allerdings, wie verhandlungswillig die Taliban wirklich sind. Zwar heißt es, ihre in Pakistan vermutete Führung unter Mullah Mohammad Omar sei kriegsmüde. Sie könnte aber auch versuchen, den Abzug der internationalen Soldaten abzuwarten und den Krieg schlicht auszusitzen. US-Präsident Barack Obama hat angekündigt, in diesem Sommer mit der Ausdünnung der amerikanischen Truppen zu beginnen, andere Truppensteller wie Deutschland wollen folgen. Stärker als jetzt wird die Internationale Schutztruppe Isaf nie wieder werden.

Im Juli will die Nato damit beginnen, in ersten Regionen die Verantwortung für die Sicherheit an die afghanische Armee und Polizei zu übergeben. Bis 2014 soll der Prozess landesweit abgeschlossen sein, wobei das als ambitioniert gilt. 2014 wird zwar nicht den vollständigen Abzug der ausländischen Soldaten markieren, aber zumindest die Kampftruppen sollen dann nach Hause gehen können. Das militärische Engagement soll sich danach eher auf Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte konzentrieren.

Ein Militärischer Sieg gilt als unrealistisch

Auch Generäle wie der deutsche Isaf-Sprecher Josef Blotz räumen unumwunden ein, dass ein militärischer Sieg gegen die Taliban unrealistisch ist. „Dieser Konflikt kann nicht und wird nicht auf dem Schlachtfeld entschieden werden, sondern am Verhandlungstisch“, sagt Blotz. Bis es aber soweit ist, schenken sich beide Seiten nichts.

Die Isaf geht gemeinsam mit afghanischen Sicherheitskräften massiv gegen die Aufständischen vor, die Blotz für schwächer als noch vor einem Jahr hält. Besonders US-Spezialeinheiten, die nachts gezielt Kommandeure der Taliban gefangen nehmen oder töten, machen den Aufständischen zu schaffen. Die Taliban revanchieren sich ihrerseits mit spektakulären Attentaten. Der Kommandeur des deutschen Wiederaufbauteams im nordafghanischen Kundus, Oberst Norbert Sabrautzki, entging am Sonntag nur knapp einem Anschlag. Drei Zivilisten starben bei dem Anschlag nahe Kundus.

Und nur wenige Stunden nach Karsais Ansprache am Samstag gelang es einem Selbstmord-Kommando der Aufständischen, unweit vom Präsidentenpalast zuzuschlagen. In der Innenstadt Kabuls drangen drei Selbstmordattentäter in eine Polizeiwache an einem belebten Markt ein, die Angreifer trugen Armee-Uniformen. Außer den Attentätern starben neun Menschen. Ein weiteres Mal wurden die afghanischen Sicherheitskräfte unvorbereitet getroffen - die schon bald die Verantwortung von den ausländischen Truppen übernehmen sollen.

dpa

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