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Katalonien: Stimmauszählung hat begonnen

Referendum Katalonien: Stimmauszählung hat begonnen

Während Befürworter der Unabhängigkeit versuchten, die Abstimmung zu gewährleisten, griff die Polizei hart durch, um das Referendum zu verhindern. Die Beamten gingen massiv gegen Wähler und Demonstranten vor. 761 Menschen wurden verletzt. Mittlerweile hat die Auszählung der Stimmen begonnen.

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Trotz massiver Behinderungen durch die spanische Polizei kam es wie hier in Barcelona zu langen Schlangen vor den Wahllokalen.

Quelle: dpa

Barcelona. Die Abstimmung zu dem vom spanischen Verfassungsgericht untersagten Referendum über die Unabhängigkeit der Region endete trotz massiver Polizeigewalt planmäßig um 20 Uhr. Dann schlossen nach elf Stunden die Wahllokale. In einer ersten Bilanz sagte der Sprecher der Generalitat (Regionalregierung), Jordi Turull, trotz der Maßnahmen der spanischen Staatspolizei zur Verhinderung der Abstimmung seien von den vorgesehenen 2315 Wahllokalen nur 319 geschlossen geblieben. Die „Unterdrückung durch den spanischen Staat“ kritisierte Turull als „Schande Europas“ und als „internationalen Skandal“. Die Auszählungen begannen am Abend.

Rajoy bestreitet, dass das Referendum überhaupt stattfand

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy sagte in einer TV-Ansprache, man „habe getan, was man tun musste“. Er lobte die Aktionen der Polizei und klagte die Regionalregierung an, illegal gehandelt zu haben. „Das Referendum hat nicht stattgefunden“ postulierte Rajoy – wohl auch etwas wider eigenes besseres Wissen. „Morgen müssen wir beginnen, die Rechtsstaatlichkeit wiederherzustellen. Ich setze dabei auf die Einheit aller Parteien, die dem Fundament unserer Verfassung stehen. Die spanische Demokratie ist stärker denn je.“ Zudem gab Rajoy hat nach dem gewaltsamen Vorgehen der Polizei in Katalonien der Regionalregierung die Schuld an den Unruhen. „Die Verantwortlichen sind die, die das Gesetz gebrochen haben.“

Barca spielt vor leeren Rängen

Wegen der Unruhen rund um das Referendum hatte der FC Barcelona sein Heimspiel gegen Las Palmas abgesagt. Das Team gilt auch als Kataloniens inoffizielle Nationalmannschaft. Die spanische Liga untersagte die Absage jedoch – daraufhin fand die Partie (3:0) als Geisterspiel ohne Zuschauer statt. Vor dem Spiel wärmte sich das Team in Trikots mit den Farben der katalanischen Flagge auf. Superstar Lionel Messi, Torwart Marc-André ter Stegen und die anderen Spieler kamen in gelben T-Shirts mit roten Streifen aus der Kabine – angelehnt an die Senyera, die Flagge Kataloniens. Vor Spielbeginn wechselte die Mannschaft dann aber in ihre normalen blau-roten Trikots. Messi spielte dennoch mit einer Armbinde in den Senyera-Farben.Unterdessen verurteilte der Club auf seiner Internetseite die Übergriffe der spanischen Polizei.

Dort sei die Lage angespannt, berichtete das spanische Fernsehen. Sicherheitskräfte gingen teils energisch gegen Wähler vor, um sie an der Stimmabgabe zu hindern. In dem Ort Sant Julià de Ramis, in dem der Chef der Regionalregierung Carles Puigdemont seine Stimme abgeben will, drangen sie mit Gewalt in eine Schule ein, um die Wahlurnen sicherzustellen. Dabei schlugen sie auch die Scheibe der Eingangstür ein.

Mehr als 5,3 Millionen Menschen sind aufgerufen, bis 20 Uhr in einem der 2315 Wahllokale ihre Stimme abzugeben. Seit Wochen hatte die Zentralregierung in Madrid versucht, die Befragung mit allen Mitteln zu verhindern

Polizei beschießt Demonstranten mit Gummigeschossen

Die Polizei hat vor einem Wahllokal mit Gummigeschossen auf Demonstranten gefeuert. Trotz des Vorgehens der Polizei seien 73 Prozent der geöffnet, teilte ein Vertreter der Regionalverwaltung am Sonntag mit.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP sah, dass bei Zusammenstößen vor der Rius-i-Taulet-Schule in Barcelona mehrere Personen verletzt wurden. Die Beamten feuerten die Geschosse ab, als sie versuchten, Protestierende zu vertreiben. Die Demonstranten versuchten, Fahrzeuge der Nationalpolizei am Abfahren zu hindern, nachdem die Polizei in dem Wahllokal die Wahlurnen konfisziert hatte. Einige Wähler hatten dort ihre Stimme abgegeben, bevor die Polizei kam.

Der Chef der separatistischen Regionalregierung in Katalonien, Carles Puigdemont, verurteilte den Einsatz von Gummigeschossen. „Gewalt, Schlagstöcke, Gummikugeln, unwillkürliche Aggressionen“, sagte Puigdemont am Sonntag nach der Stimmabgabe vor Journalisten in Barcelona. Nach Angaben der Regionalregierung wurden 761Menschen bei Auseinandersetzungen mit der Polizei verletzt, davon drei schwer.

Von AP/dpa/RND

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