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Katholiken machen Pfeiffer zum Missbrauchsermittler

Kriminologe Katholiken machen Pfeiffer zum Missbrauchsermittler

Gut ein Jahr nach dem Höhepunkt der Missbrauchsaffäre lässt die katholische Kirche ihre Personalakten durchleuchten. In einer europaweit einmaligen Untersuchung sollen Kriminologen verlässliche Informationen zu der Vorgehensweise und den Motiven der Täter gewinnen.

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Christian Pfeiffer.

Quelle: dpa

Hannover. Die Informationen sollen nach Auskunft der Bischofskonferenz auch dazu dienen, dem sexuellem Missbrauch durch Priester und Ordensleute künftig wirksamer vorbeugen zu können.

Der „Hauptermittler“ in der Missbrauchsaffäre ist ein Hannoveraner: der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen, Christian Pfeiffer. Die Forscher sollen Zugriff auf sämtliche Personalakten der vergangenen zehn Jahre in allen 27 deutschen Bistümern bekommen, in einigen ausgewählten Diözesen sollen sie sogar bis in die Zeit nach 1945 forschen können.

Pfeiffer bestätigte am Sonntag lediglich, dass das Studienvorhaben am kommenden Mittwoch mit dem Missbrauchsbeauftragten der katholischen Kirche, Bischof Stephan Ackermann, in seinen Einzelheiten erläutert werde.
Pensionierte Staatsanwälte und Richter sollen dem Kriminologen helfen, die umfangreichen Akten auszuwerten. In einem zweiten Schritt sollen die Opfer befragt werden, und zwar mit detaillierten Fragebögen. Daneben sind noch ausführliche „Tiefeninterviews“ geplant. Auch mit Tätern soll gesprochen werden – sofern sie zu einem Gespräch bereit sind.

Mit der Studie will die Bischofskonferenz herausfinden, unter welchen Umständen es zu den Taten gekommen ist und welche Motive die Täter geleitet haben. Der Ständige Rat der Bischofskonferenz hatte bereits am 20. Juni diesen ungewöhnlichen Weg beschlossen, auch um in der Missbrauchsaffäre verloren gegangene Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Deshalb sind auch externe Gutachter mit den Untersuchungen beauftragt worden. Die Studie ist auf drei Jahre angelegt. Obwohl die Bischofskonferenz schon lange für einen offenen Kurs plädiert, taten sich einige Diözesen schwer damit. Eine unabhängige Erfassung der Missbrauchsfälle durch Priester und Ordensleute gibt es bislang nicht.

Der Sprecher der Kirchenreformbewegung „Wir sind Kirche“, Christian Weisner, begrüßte am Sonntag die geplante Untersuchung. „Wir haben das seit Langem gefordert und sind froh, dass sie nun endlich beginnt. Das darf aber keine Alibi-Untersuchung werden“, sagte Weisner der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Die Studie müsse auch herausfinden, welche Kirchenstrukturen möglicherweise den Missbrauch begünstigt hätten, sagte Weisner: „Oder, um es mit dem Papst zu sagen: Die Sünde kommt von innen heraus.“

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