Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Kaum jeder zweite „Tornado“ ist einsatzbereit
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Kaum jeder zweite „Tornado“ ist einsatzbereit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:18 02.12.2015
Ein Tornado des Aufklärungsgeschwaders 51 in Jagel (Schleswig-Holstein). Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Die Bundeswehr will „Tornado“-Flugzeuge in den Luftkrieg gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) schicken - doch nicht einmal jeder zweite Jet ist einsatzbereit. Nach einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Ministeriumsbericht zum Zustand der Hauptwaffensysteme sind bei der Luftwaffe von 93 angeschafften „Tornados“ 66 in Betrieb - und davon wiederum nur 29 einsatzbereit (44 Prozent). Das sind noch weniger als bei der entsprechenden Untersuchung vor einem Jahr. Damals waren noch 38 Jets für einen Einsatz verfügbar. Eingeplant für den Anti-Terror-Einsatz sind jetzt sechs Aufklärungs-“Tornados“.

Darauf weist Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hin. Sie sieht trotz der Mängel bei vielen „Tornado“-Flugzeugen keine Probleme für den geplanten Einsatz gegen den IS. Die Ministerin sagte am Mittwoch im ARD-“Morgenmagazin“: „30 „Tornados“ sind einsatzbereit, und wir brauchen davon sechs. Das heißt, wir haben einen breiten Spielraum, der vorhanden ist.“ Ähnlich äußerte sich der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold: Es sei „überhaupt kein Problem, sechs in den Einsatz zu bringen“, sagte er dem SWR.

An diesem Mittwoch berät der Bundestag erstmals über den geplanten Anti-IS-Einsatz von bis zu 1200 Soldaten. „Es wird ein langer Einsatz, und es wird ein schwerer und gefährlicher Einsatz. Darüber sollten wir uns keiner Illusion hingeben“, sagte von der Leyen. Die exakte Dauer hänge vom politischen Prozess ab, in den der militärische Einsatz eingebettet sei. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann rechnet mit einem langen Kampf. „Ich glaube, dass wir uns auf viele Jahre einstellen müssen“, sagte Oppermann am Mittwoch im Deutschlandfunk. Den IS-Terror werde man nicht allein mit Luftangriffen erfolgreich bekämpfen können, dazu brauche man eine Gesamtstrategie.

Der Bericht zu den Waffensystemen steht an diesem Mittwoch auf der Tagesordnung des Bundestags-Verteidigungsausschusses. Die mangelnde Einsatzbereitschaft wird in dem 81-seitigen Papier unter anderem auf die „mangelnde Verfügbarkeit verschiedener Ersatzteile“ zurückgeführt. Die „Tornados“ sind zwischen 23 und 34 Jahre alt und gelten als Auslaufmodelle. Aber auch beim Nachfolger „Eurofighter“ hat sich die Einsatzbereitschaft im Vergleich zum letzten Bericht nicht verbessert, sondern von 57 auf 55 Prozent verschlechtert. Von den besonders anfälligen „Transall“-Transportflugzeugen sind 57 Prozent einsatzbereit. Angestrebt wird eine Einsatzbereitschaft von mindestens 70 Prozent.

Im vergangenen Jahr hatte die Bestandsaufnahme zu einer großen Debatte über den Zustand der Bundeswehr-Ausrüstung geführt. „Die Lage der fliegenden Systeme bleibt unbefriedigend“, urteilt Generalinspekteur Volker Wieker in dem aktuellen Bericht. 117 Maßnahmen seien ergriffen worden, und 5,6 Milliarden Euro sind für einen Zeitraum von zehn Jahren dafür veranschlagt. „Rasche Erfolge konnten nicht erwartet werden“, schreibt Wieker in dem Papier, über das auch die „Bild am Sonntag“ schon berichtete. Die Maßnahmen würden erst mittelfristig Wirkung entfalten. „Dennoch ist es gelungen, die Entwicklung der materiellen Einsatzbereitschaft zu stabilisieren und eine Trendumkehr in wesentlichen Bereichen zu realisieren.“

Neben den „Tornados“ sollen ein Tankflugzeug und eine Fregatte zum Anti-IS-Einsatz kommen. Bereits am Freitag will das Parlament entscheiden, die Zustimmung mit den Stimmen der Koalition gilt als sicher. Die Bundesregierung will dann schon in der nächsten Woche mit der Stationierung von „Tornados“ im türkischen Incirlik beginnen. Das britische Parlament will am Mittwochabend über Luftangriffe auf den IS in Syrien entscheiden, auch hier gilt die Zustimmung als sicher. Im Irak beteiligen sich die Briten bereits an Luftschlägen gegen die Terrormiliz.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Die Fregatte „Augsburg“ ist bereit für die Mission gegen die Terrormiliz IS in Syrien. Am Freitag entscheidet der Bundestag über den Einsatz.

05.12.2015

Der Präsident des Reservistenverbandes der Bundeswehr und CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter geht davon aus, dass der Einsatz der Bundeswehr gegen den Islamischen Staat (IS) in Zukunft noch erheblich ausgeweitet wird. „Ich rechne fest damit, dass die Bundeswehr mehr als 1200 Soldaten in den Anti-IS-Kampf schicken wird“, sagte Kiesewetter dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). 

01.12.2015

Das Bundeskabinett hat am Dienstag den geplanten Einsatz der Bundeswehr gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beschlossen. Daran sollen bis zu 1200 Soldaten teilnehmen. Konkret geht es um die Beteiligung an den Luftangriffen gegen den IS in Syrien und im Irak. Nach dem Kabinett muss der Bundestag noch zustimmen.

01.12.2015
Deutschland / Welt Neues Mitglied im Militärbündnis - Nato lädt Montenegro zum Beitritt ein

Trotz des Widerstands Russlands hat die Nato den Balkanstaat Montenegro eingeladen, 29. Mitglied des Militärbündnisses zu werden. Dies hätten die Nato-Außenminister am Mittwoch bei ihrem Treffen in Brüssel beschlossen, sagte der Generalsekretär der Allianz, Jens Stoltenberg.

02.12.2015

Die CDU hat bei ihrem Grundwerteforum in Hildesheim Protestanten, Katholiken, Juden und Muslime zur Diskussion über Werte und das Miteinander gebeten. Diskutiert wurde unter anderem die Schaffung von Gebetsmöglichkeiten in öffentlichen Schulen. 

Michael B. Berger 05.12.2015

Die Fregatte „Augsburg“ ist bereit für die Mission gegen die Terrormiliz IS in Syrien. Am Freitag entscheidet der Bundestag über den Einsatz.

05.12.2015
Anzeige