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Kinder sind häufig Opfer von Gewalt

Kinderschutzbund schlägt Alarm Kinder sind häufig Opfer von Gewalt

Experten warnen vor einem Teufelskreis: Vor allem Kinder in armen Familien, die in sozial problematischen Gemeinden leben, sind von Gewalt betroffen.

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Ich bin gar nicht da: Kinder werden immer häufiger Opfer von gewalttätigen Übergriffen - die Täter finden sich oft im familiären Umfeld.

Quelle: dpa

Berlin. Vor dem internationalen Kindertag am Mittwoch schlagen der Kinderschutzbund und die Gewerkschaft der Polizei Alarm: Kinder und Jugendliche in Deutschland sind von Gewaltdelikten überdurchschnittlich oft betroffen.

Nach den statistischen Erhebungen wurden im vergangenen Jahr wöchentlich 61 Jugendliche Opfer von Sexualdelikten. In jeder Woche wurde 2015 zudem rein rechnerisch ein Kind Opfer eines vollendeten oder versuchten Tötungsdeliktes. Oft stammten die Täter dabei aus dem familiären Nahbereich. Das ergibt sich aus ergänzenden Zahlen zur in der vergangenen Woche vorgelegten Polizeilichen Kriminalitätsstatistik für 2015.

Ärmste Städte haben die meisten Krisenfamilien

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, sprach gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) von einem "Teufelskreis der Gewalt", der insbesondere die sozial Schwächsten und die Gemeinden mit den größten sozialen Problemen beträfe. "Die ärmsten Städte mit den geringsten Steuereinnahmen und den höchsten Sozialausgaben haben die meisten Krisenfamilien. Sie haben aber gleichzeitig die geringsten Personalkapazitäten für vorbeugende und aufsuchende Sozialarbeit."

Hilgers forderte "noch klarere Rechtsansprüche auf Unterstützung nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz sowie endlich eine Gemeindefinanzreform, die die besonderen Problemgebiete, beispielsweise im Ruhrgebiet, aber auch in vielen Bereichen Ostdeutschlands, aus dem Teufelskreis der Probleme und Opfer befreit". Wer einen psychischen Defekt habe, sei zudem als potenzieller Täter nicht allein durch ein noch so scharfes Strafrecht abzuschrecken.

"Kinder brauchen ein wachsames Umfeld"

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, machte gegenüber dem RND insbesondere bei den Tötungsdelikten auf den mit 9,2 Prozent "erschreckend hohen" Anteil von Kindern an der Gesamtopferzahl aufmerksam. Dieser liege in der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik 2015 deutlich über dem der Gruppe von Jugendlichen (2,2 Prozent) und der Heranwachsenden (2,7 Prozent). "Kinder brauchen ein wachsames Umfeld, um wirkungsvoller vor Straftaten geschützt zu werden. Dazu gehören vor allem Kinderärzte, Kitas und Schulen." Die Polizei greife in der Regel erst ein, wenn eine Straftat geschehen sei.

Zudem gebe es "Defizite im Bereich der Erkennung von Kindesmisshandlungen und der konsequenten staatlichen Reaktion darauf". Deshalb sei zu überprüfen, ob die Akteure, wie Lehrer und Erzieher, "beim Jugendschutz handlungssicher" seien. Zugleich appellierte Gewerkschaftschef Malchow an die Wachsamkeit von Nachbarn und Freunden. "Wer den Verdacht einer Kindesmisshandlung hat und beim Jugendamt oder der Polizei anruft, ist kein Denunziant, sondern handelt verantwortungsbewusst und couragiert."

Die Dunkelziffer ist hoch

Nach einer Studie der Universität Regensburg ist das Risiko eines sexuellen Missbrauchs für junge Mädchen mit niedrigem Bildungsstand, die in Großstädten aufwachsen, besonders hoch. Zwei Prozent der Jungen und sechs Prozent der befragten Mädchen sind nach der Regensburger Studie mindestens einmal im Jahr bereits Opfer einer sexuellen Belästigung geworden. Trotz gestiegener Anzeigebereitschaft rechnen Experten immer noch mit einer immens hohen Dunkelquote, weil viele Opfer aus Scham schwiegen.
„Die wirksamste Prävention von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist es, diese in vielerlei Hinsicht aufzuklären, vor allem jene, die besonders gefährdet sind“, sagt die Psychologin und  Projektleiterin Janina Neutze von der Universität Regensburg. „Kinder über Sexualität und ihren Körper zu informieren und aufzuzeigen, wann Grenzen überschritten werden, sollte zu Beginn der Grundschule stattfinden.“ Befragt wurden für die Studie rund 8000 Jugendliche und Erwachsene.

Von Dieter Wonka

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