Mit Aufrufen zu einem neuen Aufbruch der Christen und zu einer Überwindung der kirchlichen Vertrauenskrise ist der 2. Ökumenische Kirchentag (ÖKT) in München zu Ende gegangen. „Wir brauchen ein Wachstum an Mitmenschlichkeit, an Rücksichtnahme und Achtsamkeit“, sagte der evangelische ÖKT-Präsident Eckhard Nagel am Sonntag beim großen Abschluss-Gottesdienst. Der katholische ÖKT- Präsident Alois Glück betonte, die Christen müssten ihre Verantwortung für die Welt gemeinsam wahrnehmen. „Deshalb wollen wir uns gemeinsam einsetzen für mehr Gerechtigkeit, hier und weltweit“, sagte Glück bei dem Gottesdienst unter freiem Himmel.
„Durch diesen Kirchentag hat die Ökumene in Deutschland ein neues Gesicht bekommen“, sagte Nagel. Und auch Glück betonte: „Trotz mancher schwierigen Umstände können wir sagen: Die Ökumene in Deutschland ist wetterfest.“ Zugleich mahnte er mehr Tempo beim Ringen um weitere Annäherung der beiden großen Kirchen an und sprach ausdrücklich das vom Vatikan verbotene gemeinsame Abendmahl von Katholiken mit Protestanten an. Insbesondere denke er an die konfessionsverschiedenen Ehen, sagte Glück. „Dort leiden viele Menschen schmerzlich daran, dass sie keine Eucharistiegemeinschaft haben.“
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, würdigte in seiner Predigt den Kirchentag als wichtigen Impulsgeber. Die Teilnehmer hätten „anregende Tage ökumenischer Verbundenheit“ erlebt. „Wir durften spüren und erfahren: Der Glaube an Gott führt zusammen und gibt Kraft.“ Die Welt brauche Hoffnungszeichen christlichen Handelns, sagte Zollitsch.
Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Nikolaus Schneider, hob die Bedeutung christlichen Engagements für eine gerechte Welt hervor. Allerdings mischten sich die Christen oftmals zu zaghaft und kleinlaut in die politischen und gesellschaftlichen Diskussionen ein, betonte Schneider in seiner Predigt.
Trotz nasskalten Wetters und Nieselregens waren nach Angaben der ÖKT-Veranstalter rund 100.000 Gläubige zu dem Abschluss-Gottesdienst auf der Theresienwiese gekommen. Viele hatten wegen der Kälte Decken mitgebracht. Bei dem Gottesdienst hielten auch der griechisch- orthodoxe Metropolit Augoustinos und Bischöfin Rosemarie Wenner von der evangelisch-methodistischen Kirche kurze Predigten.
Glück sprach von einer schwierigen Situation der katholischen Kirche, die durch die Missbrauchsfälle in eine schwere Vertrauenskrise geraten sei. „Wir leiden an unserer Kirche, wir leiden mit unserer Kirche. Aber sie ist weiter unsere Kirche“, sagte Glück. „Wir Laien wollen unseren Beitrag leisten, damit aus dieser Krise eine neue Lebendigkeit, eine neue Strahlkraft, eine neue Anziehungskraft wächst.“
Der Kirchentag unter dem biblischen Leitwort „Damit ihr Hoffnung habt“ war am vergangenen Mittwoch eröffnet worden. Rund 3000 Veranstaltungen standen auf dem Programm. Daran nahmen nach Angaben der Veranstalter mehr als eine halbe Million Menschen teil, darunter rund 130.000 Dauergäste.
dpa
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Kommentare
Abschluss des Ökumenischen Kirchentages Paul Haverkamp – 18.05.10
Lassen wir Jesus im Himmel Halleluja singen!!!Von diesem Kirchentag ging kein Signal der Hoffnung für ein Mehr an Gemeinsamkeiten aus. Die Blockadehaltung – vor allem von kath. Seite – macht jedes weitere Aufeinanderzugehen schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Kosmetische Zugeständnisse, medienwirksame Umarmungen verschleiern, dass in Rom die Ampeln nach wie vor auf Rot gestellt sind.
Was muss eigentlich noch mehr passieren, dass die Kirchen endlich einsehen, dass sie nur gemeinsam noch eine Chance haben, eine gewichtige Stimme im gesellschaftspolit. Diskurs zu haben? Die Abstimmung mit Füßen reicht der kath. Kirche offensichtlich noch nicht, um endlich ihre Machtspiele und ihre inakzeptablen Vorstellungen von Ökumene zu überdenken. Wann sieht Rom endlich ein, dass die Argumentationsebene des Papstes hinsichtlich einer Verweigerung der Abendmahlsgemeinschaft auf tönernen Füßen steht und dass Fachtheologen auf beiden Seiten längst ausführlich darlegt haben, dass keine theologischen Gründe mehr gegen eine gemeinsame Abendmahlsgemeinschaft sprechen?
Es verbleibt der schale und zynische Nachgeschmack, dass man nur deshalb nicht den Mut hat, ein lang ersehntes Zeichen für Millionen von Christen zu setzen, weil dann die systemimmanenten Reformschritte der kath. Kirche unweigerlich folgen müssten. Die Männer dominierte kath. Kirche würde ihre Macht verlieren. Wäre das ein Nachteil?
Jesus würde im Himmel ein dreimaliges Halleluja anstimmen, wenn endlich
• der Leitsatz für jedes ökumenische Gespräch der christlichen Kirchen untereinander lautete : Extra christum, nulla salus - und nicht mehr: Extra ecclesiam, nulla salus!
• die Organisationsstrukturen demokratisiert und damit transparenter und zugleich menschlicher gemacht würden
• die Betonkopfmentalität hinsichtlich des Zugangs zum Priesteramt aufgeweicht würde, z.B. für die viri probati oder für die nicht Zölibatswilligen
• der Pflichtzölibat abgeschafft würde und es jedem Einzelnen überlassen bliebe, ob er zölibatär leben möchte
• die wiederverheirat Geschiedenen endlich wieder den vollkommenen Zugang zu den Sakramenten erhielten
• die Frauenordination nicht zu einer Gottesfrage hochstilisiert und den Frauen endlich die Gleichberechtigung ermöglicht würde
• die Querdenker in der Kirche nicht mit Ausgrenzung und Amtsenthebung mundtot gemacht würden
• die Leib-, Frauen- und Sexualfeindlichkeit auf dem Müllhaufen der Kirchengeschichte entsorgt würde
• das vom Konzil beschlossene Communio-Prinzip endlich realisiert würde
• mit einem Wort gesagt : ein „Aggiornamento" vom Papst nicht mehr als Teufelswerk diskriminiert und desavouiert würde!
Paul Haverkamp, Lingen
Kanzlerkandidatin sapmi – 17.05.10
... dann wandere ich aus ...Käßmann der deutsche Obama? Will Tanner – 17.05.10
Die Begeisterung um Margot Käßmann erinnerte fast an jene für Obama.Das linksgerichtete Internetblog "Bluthilde" mutmaßt bereits, die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende könnte 2013 als parteilose Kanzlerkandidatin für die rot-rot-grüne Opposition ins Rennen gehen.