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Deutschland / Welt Aktivisten stoppen Zug mit Ministerin
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17:57 28.11.2015
Polizisten zerren im Hauptbahnhof von Frankfurt am Main radikale Klimaaktivisten vom Dach des Sonderzuges. Quelle: dpa
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Frankfurt/Le Bourget

Bahn-Vorstand Ronald Pofalla, der den Zug begleitete, warnte wegen der Stromleitungen: "Das war lebensgefährlich." Zwei weitere Aktivisten ketteten sich vor dem Zug an die Gleise.

Die knapp zweiwöchige UN-Klimakonferenz beginnt an diesem Montag. Ziel ist ein verbindlicher Vertrag, um den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu drosseln und die Erderwärmung einzudämmen. Nach den Terroranschlägen von Paris steht das Treffen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Ein Aktivist rief vom Dach des Zuges, die Teilnehmer des Klimagipfels seien "nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems".

Hendricks: "Das waren selbstgemachte Anarchisten." 

Hendricks versuchte vergeblich, die jungen Menschen dazu zu bringen, vom Dach herunterzukommen. Die Aktivisten reagierten brüsk und forderten die Ministerin zum Rücktritt auf. "Das waren selbstgemachte Anarchisten", sagte Hendricks. Etwa eine Stunde nach Beginn der Aktion kletterten Polizisten auf den Zug, um die Aktivisten vom Dach herunterzuholen. Die Feuerwehr baute ein Sprungkissen auf. Später wurden auch die anderen Beteiligten der Aktion gegen ihren Willen von den Gleisen geholt. Mit zweieinhalb Stunden Verspätung konnte der deutsche Klima-Sonderzug schließlich nach Paris weiterfahren.

Radikale Klimaaktivisten haben am Sonnabend den Sonderzug mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) auf dem Weg zur Pariser UN-Klimakonferenz gestoppt.

Zur Konferenz der Vereinten Nationen haben bisher 183 Staaten nationale Klimaschutzpläne vorgelegt. Das sei ein fundamentaler Fortschritt, sagte UN-Klimachefin Christiana Figueres auf dem Konferenzgelände in Le Bourget bei Paris. "Das ist eins der ersten Elemente für einen Erfolg", urteilte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius, der von Montag an die Verhandlungen leiten soll. Figueres wies darauf hin, dass die bisherigen Ziele der Staaten den Ausstoß von Treibhausgasen noch nicht ausreichend begrenzten, um die Erderwärmung wie vorgesehen unter zwei Grad zu halten. Deshalb müsse in dem geplanten Klimaabkommen ein Prozess festgelegt werden, um die Klimaschutzanstrengungen in Zukunft schrittweise zu erhöhen.

Darauf setzt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): Wenn das verbindlich erreicht werde, sei zumindest ein Pfad eingeschlagen, der "noch glaubwürdig vervollständigt werden" müsse, aber ein Anfang wäre gemacht, sagte sie in ihrem Internet-Podcast. Figueres sieht auch schon die bisher vorgelegten Pläne als Erfolg an. Nach Einschätzung von UN-Experten ist die Welt damit auf dem Weg zu einer Erwärmung um 2,7 bis 3,5 Grad. Zuvor hatten Wissenschaftler mit einem Temperaturanstieg von bis zu 6 Grad bis zum Jahr 2100 gerechnet.

150 Staatschefs erwartet

Figueres sagte, vor dem Auftakt seien möglicherweise noch weitere nationale Klimapläne zu erwarten. Merkel verwies darauf, dass China mit dem Jahr 2030 zum ersten Mal einen Zeitpunkt genannt habe, von dem an seine CO2-Emissionen sinken sollen. Die Industrieländer hätten die Aufgabe, Technologien zu entwickeln, von denen dann auch Schwellen- und Entwicklungsländer Gebrauch machen könnten. 

Fabius übergab den Schlüssel für das Gelände am Sonnabend symbolisch an die Vereinten Nationen. Zum Auftakt der Konferenz werden rund 150 Staats- und Regierungschefs erwartet, darunter Merkel und US-Präsident Barack Obama. Vertreter aus 195 Ländern sollen sich bis Sonnabend auf einen neuen Textentwurf verständigen, in dem dann nur noch die zentralen Fragen offen sind. Über diese soll daraufhin auf Ministerebene verhandelt werden.

Geplant ist, am 11. Dezember das Abkommen zu beschließen. Dabei müsse eine nachhaltige Entwicklung für alle erreicht werden, forderte Heinz Fuchs vom evangelischen Hilfswerk Brot für die Welt. Rund 7000 Menschen beteiligten sich am Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit - einige die gesamten 1500 Kilometer. Unter den Motto "Geht doch!" habe der Pilgerzug am 13. September in Flensburg begonnen und nun Paris erreicht.

dpa

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