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Mehr Umverteilung wäre eine schlechte Antwort

Kommentar Mehr Umverteilung wäre eine schlechte Antwort

Ein Blick in den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung zeigt: Während die obersten 60 Prozent der Beschäftigten ihr Einkommen verbessert haben, mussten die unteren 40 Prozent Einbußen hinnehmen. Mehr Umverteilung wäre trotzdem eine schlechte Antwort. Ein Kommentar von Andreas Niesmann.

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Armut in Deutschland (Symbolbild).
 

Quelle: dpa

Berlin.  Von allen Fragen, die unsere Gesellschaft beschäftigen, gibt es eine von besonderer Bedeutung. Die Frage ist wichtiger als die nach der Integration oder die nach der Digitalisierung. Sie beschreibt die größte Herausforderung, vor der wir in den kommenden Jahren stehen. Von der Antwort wird abhängen, wie wir künftig zusammenleben. Ob es einen gesellschaftlichen Grundkonsens gibt. Und wie es um die Legitimation unserer Wirtschaftsordnung bestellt ist. Die Frage lautet: Wie organisieren wir es, dass alle Schichten vom stetig wachsenden Wohlstand profitieren?

So trivial die Frage klingt, so schwierig ist ihre Beantwortung. Deutschland, das weisen alle Statistiken aus, geht es so gut wie nie. Das Land befindet sich auf dem Höhepunkt eines beispiellosen Aufschwungs. Während ringsum in Europa Depression herrscht, während die Konjunktur in den Schwellenländern stockt und die USA mit sich selbst beschäftigt sind, ist Deutschland ein Hort von Stabilität und Wachstum. Die Erfolge sind unübersehbar. Sprudelnde Steuereinnahmen, niedrige Arbeitslosigkeit, prall gefüllte Sozialkassen.

Und doch ist etwas aus dem Lot geraten, zumindest in der Wahrnehmung vieler. Es ist ein Gefühl, das sich eingeschlichen hat. Manche Menschen verunsichert es. Manche frustriert es. Und einige macht es richtig wütend. Würde man das Gefühl mit einem Satz zusammenfassen, lautete der: „Es geht nicht mehr gerecht zu in unserem Land.“

Natürlich gibt es Gründe für die Einbußen

Ein Blick in den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung bestätigt das. Während die obersten 60 Prozent der Beschäftigten in den vergangenen 20 Jahren ihr Einkommen verbessert haben, mussten die unteren 40 Prozent Reallohneinbußen hinnehmen. Gemessen an der Kaufkraft hatten sie weniger im Portemonnaie als vor 20 Jahren.

Natürlich gibt es dafür Gründe. Hochqualifizierte profitieren von der Spezialisierung der Wirtschaft. Gleichzeitig gibt es immer weniger Jobs für Menschen ohne Abschluss. Klassische Branchen für Angelernte wie Einzelhandel, Transport oder Sicherheitsgewerbe stehen seit Jahren unter Druck. In staatlich dominierten Bereichen wiederum haben die Sparanstrengungen der öffentlichen Hand Spuren hinterlassen.

Was also tun? Mehr Umverteilung wäre eine schlechte Antwort, höhere Löhne für staatliche bezahlte Pfleger und Kinderbetreuer wären allenfalls ein erster Schritt. Zielführender wäre da schon die stärkere Besteuerung großer Erbschaften. Selbst Ordoliberale wie Walter Eucken hatten das einst gefordert. Allerdings unter einer Bedingung: dass die Einnahmen einer solchen Steuer in das Bildungssystem flössen – und dort für mehr Chancengleichheit sorgten.

Selbst wenn einige im bevorstehenden Bundestagswahlkampf das Gegenteil behaupten werden: Eine einfache Antwort auf die schwierigste aller Fragen gibt es nicht.

Von Andreas Niesmann/RND

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