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Deutschland / Welt Warum das CDU-Rennen um die Merkel-Nachfolge ein Gewinn ist
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17:07 15.11.2018
Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer (Mitte), Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (r.), und Friedrich Merz streiten um die Nachfolge von Angela Merkel an der CDU-Spitze. Quelle: Michael Kappeler/dpa
Berlin

Wenn Sie als Einzelperson im Jahr 2017 über ein Nettoeinkommen von rund 2600 bis 4400 Euro netto monatlich verfügten gehörten Sie zur gehobenen Mittelschicht. Es geht Ihnen gut, Sie können sich sorgenfrei Urlaub und Restaurant leisten, aber sie fliegen weder selbst noch in der Business oder gar First Class. Sie sind auch nicht Aufsichtsratschef eines amerikanischen Finanzinstituts. Sie sind nicht Friedrich Merz. Das muss deshalb gesagt werden, weil dieser Friedrich Merz sich selbst zur gehobenen Mittelschicht zählt, zugleich aber auch Millionär ist. Es ist der erste schwere Fehler im Rennen um die Nachfolge von Angela Merkel an der Spitze der CDU.

Merz hat mit der Aussage in dem Interview mit der „Bild“ eine Chance verpasst. Er hätte frei heraus sagen können, was ohnehin jeder weiß: Er ist alles andere als Mittelschicht, gehört zur Einkommenselite. Daran ist übrigens nichts auszusetzen. Klar ausgesprochen hätte es seinen Ruf als politischer Wiedereinsteiger im Rennen gegen Jens Spahn und Annegret Kramp-Karrenbauer sogar stärken können. Nun stellen sich völlig neue Fragen: Spielt Merz seinen potenziellen Wählern lieber etwas vor? Oder empfindet er sich in der Umgebung von Senator Lounges und Aufsichtsratsmitgliedern möglicherweise tatsächlich als Mittelschicht? Beides wäre bedenklich. Im Rennen um die CDU-Spitze ist nun plötzlich Annegret Kramp-Karrenbauer wieder die Favoritin. Die Mehrheit der CDU-Mitglieder steht ohnehin hinter ihr.

Die politische Debatte ist erwacht

Der Dreikampf ist davon unbenommen ein echter Lichtblick. Der Wettstreit der drei äußerst unterschiedlichen Kandidaten ist packend, weckt Interesse auf Themen und Lust auf mehr. Der Wettbewerb der Köpfe ist längst zu einem Wettbewerb der Ideen geworden, der die teilweise eingeschlafene politische Debatte in Deutschland neu erweckt. Spahn und Kramp-Karrenbauer schlagen beide weitgehende Reformen in der Europapolitik und eine Steuerreform vor. Merz zieht nach. Und die Debatten bei den Regionalkonferenzen beginnen in diesen Tagen erst.

Es ist ein Glücksfall für die CDU, die mit den neuen Impulsen in der größten Krise der Volksparteien etwas schaffen kann, von dem die SPD vor allem viel redet: programmatische Erneuerung. Denn diese Erneuerung braucht Wettbewerb, ansonsten bleibt es beim Stuhlkreis und viel Selbstvergewisserung. Ausruhen darf sich die CDU damit freilich auch nicht. Die Grünen sind auf ungeahnten Höhenflügen und schon jetzt scheint klar, dass sie der Gegner sind, auf den der Gewinner oder die Gewinnerin des Dreikampfes irgendwann zu schauen hat. Aber das alles kann wieder viel optimistischer geschehen als noch vor einigen Wochen. Und das ist eine verdammt gute Erkenntnis: Auch die Krise des politischen Systems ist niemals ein Dauerzustand.

Von Gordon Repinski/RND

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