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Das versteckte Spiel der Mächte

Kommentar zum Nordkorea-Konflikt Das versteckte Spiel der Mächte

Die Welt ist durch Nordkoreas jüngsten Wasserstoffbombentest ein Stück unsicherer geworden – und es wird höchste Zeit, einen klareren Blick hinter die Fassaden des diplomatischen Betriebs zu werfen. Ein Kommentar aus Washington von Stefan Koch.

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Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un.
 

Quelle: AP

Washington.  Die Bombe, die Kim Jong-un in der Nacht zum Sonntag detonieren ließ, besaß eine mehrfach höhere Zerstörungskraft als die vergangener Atomwaffentests. Für die zehn Millionen Menschen, die in der Großraumregion Seoul unweit der Grenze leben, ist diese Machtdemonstration eine weitere bedrückende Entwicklung. Sie leben im Schatten eines Gewaltherrschers, der sie wie ein Faustpfand in den Händen hält. Angesichts seiner fortschreitenden Waffentechnologie wird es dem Regime in Pjöngjang wohl möglich sein, jeden Angriff mit einem Gegenschlag auf die südkoreanische Hauptstadt zu beantworten.

Für die Menschen, die mit dieser unmittelbaren Bedrohung dauerhaft leben müssen, sind die Protestnoten aus aller Welt ein schwacher Trost. Sie wissen nur zu gut, dass sie im Umgang mit den Machthabern in Nordkorea ein doppeltes Spiel erleben. So ist es kaum denkbar, dass einem weitgehend isolierten Staat aus eigener Kraft eine so rasante Entwicklung in der Raketen- und Bombentechnologie in kürzester Zeit ohne fremde Hilfe gelingt.

Entscheidend bleiben die Beziehungen zu Peking

Kim Jong-un und seine Führungsclique mögen zwar als unberechenbar gelten, aber ihnen kommt in dem versteckten Ringen der großen Mächte eine spezielle Bedeutung zu. So ist die Moskauer Interessenlage mit Blick auf Pjöngjang überaus vielschichtig: Da Kim Jong-un alles unternimmt, um Amerikas Einfluss in Südostasien zurückzudrängen und um von Washington als Verhandlungspartner auf Augenhöhe anerkannt zu werden, stimmt sein Kurs mit den Strategien des Kremls zumindest teilweise überein.

Entscheidend bleiben aber die Beziehungen zu Peking. Bisher steht Xi Jinping ganz in der Tradition seiner Vorgänger, in dem er an dem schwierigen Nachbarn festhält, um einen chaotischen Umbruch vor der eigenen Haustür zu verhindern – und um die US-Truppen auf Distanz zu halten, die in Südkorea stationiert sind.

Dass die Bombe aber ausgerechnet am Wochenende des großen BRIC-Gipfeltreffens detoniert und die Erde in der gesamten Region beben lässt, beweist, wie allein und irrlichternd Kim Jong-un mittlerweile unterwegs ist. Denn es ist der Tag, an dem Chinas Führung die Staats- und Regierungschefs Brasiliens, Russlands, Indiens und Südafrikas empfängt. In diesen ungewisse Wochen behalten hoffentlich die Diplomaten in den Hauptstädten der Welt die Oberhand.

Ob die wachsende Unsicherheit in Pjöngjang zu einem Umdenken in Peking führt, bleibt abzuwarten. Aber es ist langfristig der einzige Weg, der einen friedliche Ausweg aus der Krise verspricht.

Von Stefan Koch/RND

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