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Deutschland / Welt Krankenschwester richtet klare Worte an Jens Spahn
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08:33 28.03.2018
In einem Brief an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) machte eine Krankenschwester auf ihre Situation aufmerksam. Quelle: dpa
Hannover

Wohl kaum jemand kennt das deutsche Gesundheitssystem so gut wie die zahlreichen Pflegekräfte, die sich täglich für das Wohlergehen ihrer Mitmenschen einsetzen. Sie sind die Leidtragenden, die wegen Personalmangels und Missmanagements regelmäßig an ihre Grenzen gehen. Jana Langer arbeitet als Krankenschwester und wie bei vielen anderen in ihrem Beruf belasten die oft prekären Arbeitsbedingungen das Privatleben.

Der neue Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat mit seinen Aussagen über Hartz IV und die Verschärfung des Abtreibungsrechts in den vergangenen Wochen für Aufregung gesorgt. Bei „Hart aber fair“ sagte Spahn kürzlich, dass das Zwei-Klassen-System im Gesundheitswesen gut funktioniere und von den Deutschen geschätzt werde. Wiederholt betonte der Minister den hohen Standard des Gesundheitssystems. Konkrete Vorschläge ließen auf sich warten. Als mögliche Entlastung schlug der CDU-Mann bei seiner Amtsantrittsrede vor, dass vielleicht nicht jeder „immer gleich“ zum Arzt gehen müsse.

„Wir benötigen eigentlich nur Zeit“

Jana Langer hat nur wenig Verständnis für Spahns Worte. In einem Brief, den sie auf Facebook teilt, wendet sich die Krankenschwester an den Gesundheitsminister und die Öffentlichkeit. Darin lässt sie ihrem Unmut über die Situation der Pflege und des deutschen Systems freien Lauf.

„Es ist uns ein dringendes Anliegen, Ihnen zu verdeutlichen, dass für eine menschliche Daseinsfürsorge mehr nötig ist, als Ihre ignoranten und diffamierenden Worte der letzten Wochen gegenüber den Menschen, die unsere sozialen Absicherungen dringend benötigen“, schreibt Langer stellvertretend für viele ihrer Kollegen und spielt damit auf Spahns polarisierende Aussagen an.

Weiter kritisiert sie, dass es kaum noch Anreize gebe, einen Beruf in der Pflege zu ergreifen. Diese könnten etwa durch bessere Bezahlung und verbesserte Arbeitsbedingungen geschaffen werden. „Dafür benötigen wir eigentlich nur Zeit, Zeit für die Patienten und deren Bedürfnisse, Zeit um Handeln zu können, um Trost zu spenden und um Veränderungen zu erkennen.“

35.000 Likes, 40.000 Mal geteilt

Mit ihren Worten spricht Langer vielen Menschen aus der Seele. Zwei Tage nach Veröffentlichung wurde ihr Facebook-Post bereits 40.000 Mal geteilt und mehr als 35.000 Mal mit „Gefällt mir“ markiert. Nutzer kommentierten und bedankten sich für die Worte.

In ihrem Brief konfrontiert die Krankenschwester Spahn mit ihren Arbeitsbedingungen: „Wären Sie freiwillig bereit, in der Nacht für die Hälfte des Geldes zu arbeiten? Wären sie bereit, 24 Stunden an 365 Tages des Jahres Ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen? Wären Sie bereit, freiwillig auf Ihr Familienleben zu verzichten zugunsten der Schwächsten im System?“, fragt sie.

Hohe Belastungen durch das DRG-System

Vor allem die Einführung des DRG-Systems (Diagnosis Related Groups) wird von Langer kritisiert. Seit 2004 werden die Behandlungen in deutschen Krankenhäusern anhand von sogenannten Fallpauschalen abgerechnet. Dabei gilt: Je mehr Fälle – also Patienten – ein Krankenhaus behandelt und je schneller die Patienten das Krankenhaus wieder verlassen, desto lukrativer für die Einrichtungen. Im alten System wurden die Leistungen hingegen anhand von Liegetagen abgerechnet. Damals galt: Je länger ein Patient im Krankenhaus bleibt, desto besser. Über die Vor- und Nachteile beider Systeme streiten Akteure des Gesundheitswesens seit jeher.

Studien belegen jedoch, dass die Belastungen aufgrund der hohen Fallzahlen vor allem für die Krankenhausmitarbeiter gestiegen sind. Auch die Kommunikation zwischen Personal und Patienten leidet: „Die menschlichen Kontakte werden durch die ökonomische Logik getaktet“, sagt Arne Manzeschke, der an der Universität Bayreuth die Auswirkungen des DRG auf das Handeln in Krankenhäusern untersuchte. Auch der Deutsche Ärztetag hat das System in mehreren Anträgen kritisiert.

Das Gesundheitsministerium wird sich um andere Dinge kümmern. Bis zur Sommerpause soll eine Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der Krankenversicherung durch Arbeitnehmer und –geber erfolgen. Um die „Helden des Alltags“ zu entlasten, sollen 8000 neue Stellen geschaffen werden. Bereits jetzt sind 17.000 Stellen in der Pflege unbesetzt. Mit besserer Bezahlung wolle man den Beruf attraktiver machen.

Von RND/Mila Krull

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