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Deutschland / Welt Kredite über eine Billion Euro müssen laufend refinanziert werden
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23:55 19.02.2009
Von Stefan Koch
"Höllische Verträge": Hypo Real Estate Quelle: Oliver Lang/ddp

Die hat er sich selbst auf dem Kapitalmarkt geborgt und muss sie laufend mit neuen Krediten refinanzieren.

„Vor einem Jahr hätte ich mir nicht vorstellen können, dass wir es mit einer solchen Dimension zu tun bekommen könnten“, sagte Jochen-Konrad Fromme, Finanzexperte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, am Donnerstag zu einem entsprechenden Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, in dem erstmals von einem Volumen von einer Billion die Rede war. Offiziell war der Umsatz stets mit 400 Milliarden Euro angegeben worden. Hinzu kommen jedoch, wie sich inzwischen zeigt, sogenannte außerbilanzielle Geschäfte, die zum Teil hoch spekulativ waren.
Fromme sagte, wenn der Staat nicht umgehend in das Münchener Geldhaus einsteige, könnten die Folgen für den internationalen Finanzmarkt viel schlimmer sein als beim Zusammenbruch von Lehman Brothers in New York. Wörtlich fügte Fromme hinzu: „Wir stecken in höllischen Verträgen.“

Fromme, ein langjähriger Bundestagsabgeordneter aus Braunschweig, sitzt im parlamentarischen Kontrollgremium des Bankenrettungsfonds Soffin.

Solange die Zinsen für langfristige Kredite höher lagen als für kurzfristige Anleihen, ging das Geschäftsmodell der Hypo Real Estate auf. Seit die Zinsen für kurzfristige Kredite aber steigen, gerät die Hypo Real Estate in eine dramatische Schieflage.

Dass der Bund in die Bank einsteigen will, hält Fromme für einen schwierigen, aber gangbaren Weg: „Der Staat mit seiner besonderen Kreditwürdigkeit erhält natürlich niedrigere Zinsen auf dem freien Markt und könnte die Geschäftssituation wieder ins Lot bringen. Er könnte es zumindest versuchen.“ Dramatisch sei die Lage, da diese enormen Summen in sehr langfristige Projekte investiert worden seien. Die Bank wiederum habe sich ihrerseits das Geld im Rahmen von Verträgen geliehen, die teilweise nur über drei Monate laufen.

„Wir müssen schnell handeln, damit der Schaden nicht noch größer wird“, sagt Fromme. Eine gewisse Zuversicht schöpft der langjährige Haushaltsexperte aus der Erkenntnis, dass zwar die Refinanzierung schwierig sei, es aber im Kern nicht um „faule Kredite“ geht. Noch fehle der exakte Überblick, aber mit einem großen Teil seien seriöse Projekte wie etwa Hochhäuser finanziert worden: „Die Kredite werden seriös bedient. Das Problem bleibt aber die Refinanzierung.“ Umso wichtiger sei es nunmehr, dass der Bund schnell an Handlungsfreiheit gewinne.

Doch so einfach sei das nicht: „Es ist wie beim Pokerspiel: Die Eigentümer wissen, dass der Bund unter Druck steht, und wollen den Preis für ihre Aktien hochtreiben.“ So will der amerikanische Finanzinvestor Christopher Flowers seine Aktien der deutschen Hypo Real Estate etwa zum doppelten Börsenpreis an die Bundesregierung verkaufen. Die Entschädigung solle sich an dem Aktienkurs orientieren, der in den zwei Wochen vor dem Aufkommen der Verstaatlichungsgerüchte gegolten habe, sagte Flowers der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Hier sprechen wir über knapp drei Euro pro Aktie“, wurde der Investor zitiert.

Am Donnerstagabend notierten Papiere des Immobilienfinanzierers bei gut 1,60 Euro. Flowers zahlte bei seinem Einstieg 22,50 Euro für die HRE-Aktien und hält heute 24 Prozent der Anteile.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat eine mögliche Enteignung der Hypo Real Estate verteidigt. Das Gerede von einem ordnungspolitischen Tabubruch sei absurd und abwegig, sagte DIW-Finanzexpertin Dorothea Schäfer am Donnerstag. Ihr Institut begrüßte die Regierungspläne, die als letzte Option die Verstaatlichung über eine Enteignung der Altaktionäre vorsehen.

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