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Landwirte sind empört über neue "Bauernregeln"

Kampagne des Bundesumweltministeriums Landwirte sind empört über neue "Bauernregeln"

Mit einer Kampagne für eine naturverträgliche Landwirtschaft hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) niedersächsische Bauern gegen sich aufgebracht. Mit kreativen "Bauernregeln" soll in 70 deutschen Städten für mehr Naturschutz in der Landwirtschaft geworben werden. Die Kampagne kostet 1,6 Millionen Euro.

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Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat sich mit solchen Sprüchen nach Ansicht des Landvolks „völlig im Ton vergriffen“.

Quelle: dpa/Montage

Hannover. Mit einer Kampagne für eine naturverträgliche Landwirtschaft hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) niedersächsische Bauern gegen sich aufgebracht – und einen Streit innerhalb der Bundesregierung ausgelöst. Sowohl Landvolkpräsident Werner Hilse als auch Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) forderte am Freitag einen Stopp der Kampagne mit dem Titel „Gut zur Umwelt. Gesund für alle“, bei der auf Plakaten in 70 deutschen Städten sowie mit Ansichtskarten und im Internet „Bauernregeln“ verbreitet werden sollen.

„Mit ihren neuen Bauernregeln hat sich die Bundesumweltministerin völlig im Ton vergriffen“, sagte Hilse. „Diese sehr pauschalen Beleidigungen treffen jeden Bauern und jede Bäuerin in ihrer Ehre.“ Auf den Plakaten und Postkarten finden sich Sprüche wie „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“. Oder: „Zu viel Dünger, das ist Fakt, ist fürs Grundwasser beknackt.“ Nach Hilses Ansicht sind solche Sprüche viel zu platt und diffamierend, um eine sachliche Diskussion über Landwirtschaft und Naturschutz anzustoßen. „Information wird hier zum Wahlkampf umgemünzt – und das auch noch auf Kosten der Steuerzahler.“

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat mit einer Kampagne für naturverträgliche Landwirtschaft niedersächsische Bauern verärgert.

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Schmidt wiederum fordert seine Kabinettskollegin in einem Brief auf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, „sich für den entstandenen Schaden bei den Bäuerinnen und Bauern öffentlich zu entschuldigen“. Ein Berufsstand werde undifferenziert an den Pranger gestellt. „Eine vermeintliche ,Meinungselite’ aus den Metropolen amüsiert sich hier auf Kosten der Menschen im ländlichen Raum.“

"Wir haben niemanden diffamiert"

Hendricks versteht die Aufregung über die 1,6 Millionen Euro teure Aktion nicht. Man freue sich über die entstandene Diskussion und habe viele sachliche Beiträge bekommen. Das Ministerium sieht keinen Grund, die am Donnerstag gestartete Kampagne zu stoppen. „Für uns nehme ich in Anspruch: Wir haben niemanden diffamiert, wir haben niemanden persönlich angegriffen“, sagte Hendricks der HAZ. „Es liegt uns fern, eine ganze Berufsgruppe zu diffamieren, aber wir weisen auf unbestreitbare Fehlentwicklungen hin.“

Man wolle auf spielerische und humorvolle Art auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen, etwa auf die Nitratbelastung des Grundwassers oder den Rückgang der Artenvielfalt, heißt es ergänzend aus dem Umweltministerium. „Gibt’s nur Mais auf weiter Spur, fehlt vom Hamster jede Spur“, lautet etwa einer der neu verfassten Bauernregeln, die in Online-Foren der Bauernpolitiker viel Protest auslösten.

„Die Zeiten, in denen wir darüber lachen konnten, sind vorbei“

Mit Humor habe die ganze Sache nichts mehr zu tun, meint der niedersächsische Agrarexperte und Landtagsabgeordnete Hermann Grupe (FDP). „Die Zeiten, in denen wir über so etwas noch lachen konnten, sind vorbei.“ So würden grün-rote Agrar- und Umweltminister den Landwirten durch eine Fülle von Verboten, deren verheerende Wirkung sich erst nach und nach entfalten werde, das Wasser abgraben. Grupe nannte als Beispiel einen vom Landeskabinett kürzlich verabschiedeten Plan, mindestens fünf Meter Abstand zwischen Gräben und landwirtschaftlichen Flächen einzuhalten.

Auch im Nachbarland Schleswig-Holstein hagelte es Proteste wegen der Sprüche. Sie unterstellten, dass ein Teil der Bauern sich eben nicht an die gesetzten Regeln halte, und verhöhnten damit einen heutzutage meist gut ausgebildeten Berufsstand, ärgerten sich Landwirte in Internet-Foren.     

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