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Deutschland / Welt Liberale verschaffen Koch-Mehrin Posten im Forschungsausschuss
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11:02 24.06.2011
Von Margit Kautenburger
Silvana Koch-Mehrin (FDP) hat trotz des jüngsten Doktoren-Skandals einen neuen Job. Quelle: Rainer Surrey (Archiv)
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Brüssel

Vielleicht haben wir Brüssel und der EU einfach Unrecht getan. Bei all dem abgenudelten Streit um Gurken und Glühbirnen, Energie und Euros ist eine ganz lebenspraktische Funktion der Gemeinschaft immer wieder übersehen worden: Sie ist auch ein Resozialisierungscamp. Hier ist schon manche im Heimatland verbogene Karriere wieder gerichtet worden. Die Bonusmeilenaffäre des Grünen Cem Özdemir? Im EU-Parlament geheilt. Die christsoziale Abwahl von Edmund Stoiber? In Brüssel versüßt.

Ein neues Glanzlicht in diesem Bereich setzen nun die Liberalen: Die über ihre teils abgeschriebene Doktorarbeit tief gefallene Silvana Koch-Mehrin soll es noch einmal versuchen dürfen. Die FDP-Europaabgeordnete, der die Uni Heidelberg gerade ihren akademischen Titel aberkannt hat, wird von den Liberalen wieder nach vorn geschoben – als Vollmitglied im Forschungsausschuss des Europaparlaments. Der Spott der politischen Gegner ist beißend: „Vielleicht lernt sie da ja wissenschaftliches Arbeiten“, ätzt der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold.

Bislang war Koch-Mehrin stellvertretendes Mitglied des Ausschusses, der sich mit Fragen der Industrie- und Energiepolitik in Europa befasst, aber auch mit der „Verbreitung und Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse“, wie es auf der Homepage des Parlaments heißt. Koch-Mehrin werde damit nicht zwingend Forschungspolitikerin, die Themen des Ausschusses seien vielfältig, erklärte ein Sprecher der FDP im Europaparlament. Koch-Mehrin solle sich überwiegend den Themen „Digitale Agenda, Telekommunikation und Internet“ widmen. Doch sogar manchen in den eigenen Reihen geht das zu schnell. Liberale aus anderen Ländern äußerten sich irritiert, ist in Brüssel zu hören. Schließlich wurde der einstigen Nachwuchshoffnung der FDP ihr Titel erst vor gut einer Woche aberkannt. Doch damit nicht genug. Die Reaktion der 40-Jährigen erregte fast ebenso viel Anstoß. Statt ihr Fehlverhalten einzugestehen, griff Koch-Mehrin die Universität Heidelberg an.

Schließlich müsse auch dort aufgefallen sein, dass ihre Doktorarbeit „nicht frei von Schwächen, nicht selten ungenau, oberflächlich und manchmal geradezu fehlerhaft“ sei, schrieb sie auf ihrer Homepage. „Nur noch peinlich“ nennt das der Grünen-Politiker Giegold.

Was die Neider übersehen: Koch-Mehrin leistet mit ihrem Schritt wiederum eine Art Brüsseler Dienst am Nächsten: Im Forschungsausschuss rückt sie auf die Position ihres Kollegen Jorgo Chatzimarkakis, der bislang Vollmitglied des Gremiums war. Er muss aus der Schusslinie – Chatzimarkakis soll etwa ein Fünftel seiner Dissertation anderswo entlehnt haben. In der kommenden Woche will die Uni Bonn über seinen Fall entscheiden.

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