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Deutschland / Welt Separatisten behindern Arbeit am Wrack
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17:32 20.07.2014
Separatisten an der Absturzstelle. Quelle: dpa
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Donezk/Kiew

Bewaffnete Separatisten und chaotische Zustände haben am Absturzort der malaysischen Passagiermaschine in der Ukraine eine Untersuchung der Wrackteile massiv behindert. Bis zu 900 prorussische Aufständische würden die Rettungskräfte nahe der Ortschaft Grabowo ständig überwachen und erheblich einschränken, kritisierte der ukrainische Vize-Regierungschef Wladimir Groisman am Sonntag. Das wiederholte Versprechen der militanten Gruppen, die Arbeiten nicht zu behindern, werde ganz offensichtlich nicht eingehalten. 

Die Separatisten werden verdächtigt, das Flugzeug der Malaysia Airlines am Donnerstag mit einer Boden-Luft-Rakete in etwa 10 000 Metern Höhe abgeschossen zu haben. Bei dem Absturz waren alle 283 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder an Bord der Boeing 777-200 ums Leben gekommen - unter ihnen 193 Niederländer und 4 deutsche Frauen. Das Bundeskriminalamt (BKA) entsandte zwei Experten, um bei der Identifizierung der Opfer zu helfen. Die Beamten hätten nach der Ankunft in Kiew Gespräche mit niederländischen Spezialisten geführt, die den Einsatz planen, sagte ein BKA-Sprecher der dpa in Berlin.

Eine Passagiermaschine der Malaysia Airlines mit 295 Menschen an Bord ist im Osten der Ukraine abgestürzt und in umkämpftem Gebiet zerschellt.

Nach dem mutmaßlichen Abschuss der Maschine wächst der Druck auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin massiv. Der britische Premier David Cameron, der am Wochenende auch mit Kanzlerin Angela Merkel telefonierte, fordert einen härteren Kurs westlicher Staaten gegen Moskau. „Wenn Präsident Putin seine Haltung zur Ukraine nicht ändert, müssen Europa und der Westen ihr Haltung zu Russland grundsätzlich ändern“, schrieb Cameron in der Zeitung «Sunday Times». Cameron warf nicht näher genannten EU-Staaten vor, die Konfrontation mit Moskau zu scheuen. Europa verhalte sich, als bräuchte es Russland wirtschaftlich dringender als umgekehrt. Moskau müsse bei der Aufklärung helfen und umgehend aufhören, die Separatisten zu stärken.

Auch der niederländische Regierungschef Mark Rutte rief Putin auf, endlich einzugreifen. „Er muss jetzt den Niederlanden und der Welt beweisen, dass er tut, was von ihm erwartet wird: Seinen Einfluss ausüben.“ Er habe mit Putin ein sehr „intensives Telefongespräch“ geführt, sagte Rutte am Samstagabend. Am Absturzort der MH17 waren den Rettungskräften zufolge bis Sonntagmorgen 196 der 298 Opfer geborgen worden. An den Arbeiten beteiligen sich 380 Mitarbeiter des ukrainischen Bergungsdienstes. Darunter sind auch Taucher, die einen nahen See absuchen.

Es besteht die große Sorge, dass es den beteiligten Kräften in der Ostukraine gelingen könnte, eine Aufklärung der Katastrophe zu verhindern und die Täter damit ihrer Strafe entgehen könnten.Mit den Separatisten sei vereinbart worden, die sterblichen Überreste zunächst in speziellen Eisenbahnwagen zu lagern, sagte Groisman. Im Osten der Ukraine herrschen hochsommerliche Temperaturen. Erstes Ziel soll die nahe Ortschaft Tores sein. Die Identifizierung erfolge dann möglicherweise in der etwa 300 Kilometer entfernten Großstadt Charkow, betonte der Vize-Regierungschef. Dort sei eine Untersuchungskommission eingerichtet worden. In Charkow seien zudem Hotelzimmer für Angehörige und Hinterbliebene reserviert.

Die Separatisten teilten ohne Details mit, die Flugschreiber der Maschine seien in ihrer Hand und in die Großstadt Donezk gebracht worden. Zuvor hatte einer ihrer Anführer versprochen, die Geräte „problemlos“ den Behörden übergeben zu wollen. Die Aufständischen wollen die Sicherheit internationaler Ermittler am Absturzort nur garantieren, wenn die Führung in Kiew einer Waffenruhe zustimmt. Die Regierung werde aufgefordert, umgehend ein Abkommen zu schließen, sagte Separatistenanführer Andrej Purgin. Die Feuerpause müsse mindestens für die Dauer der Untersuchung des Wracks gelten.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko lehnte direkte Verhandlungen mit den Separatisten ab. Die Aufständischen hätten mit dem Abschuss der Maschine einen „Terrorakt“ begangen, betonte der prowestliche Staatschef. In einem Telefonat mit seinem französischen Amtskollegen François Hollande forderte er Paris auf, die von ostukrainischen Separatisten gegründeten „Volksrepubliken“ Lugansk und Donezk als terroristische Organisationen anzuerkennen.

Über erhebliche Behinderungen am Absturzort hatte am Samstag auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geklagt. „Das Problem ist, dass es keine Absperrung des Ortes gibt, wie sonst üblich. Jeder kann da rein und womöglich mit Beweisstücken herumhantieren“, hatte OSZE-Sprecher Michael Bociurkiw kritisiert. Die Militär-Experten der OSZE-Mission halten sich seit Monaten im Osten der Ukraine auf, um die erbitterten Gefechte zwischen Separatisten und ukrainischer Armee zu dokumentieren.

Am Sonntag wollten 132 malaysische Experten, darunter Ärzte und Militärs, zum Absturzort fahren. Sie waren am Samstag in Kiew gelandet. Auch 15 niederländische Experten kamen in der Hauptstadt an.

dpa

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