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Trump und Rubio schließen Frieden

TV-Duell Trump und Rubio schließen Frieden

Es kommt einem politischen Selbstmord gleich, im Wahlkampf Fehler einzugestehen. Umso größer ist das Erstaunen über Marco Rubio, der seine früheren Angriffe gegen Donald Trump bedauert. Im letzten TV-Duell vor den Vorwahlen in Florida gaben sich alle Republikaner bemerkenswert friedlich.

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Geben sich ausgesöhnt: Die republikanischen Kandidaten für's Präsidentenamt Marco Rubio (links) und Donald Trump bei der Fernsehdebatte in Florida.

Quelle: dpa

Washington. Schuldeingeständnisse, nüchterne Diskussionen über Handelsdefizite und moderates Streiten über die Sozialversicherungssysteme - die republikanischen Präsidentschaftsbewerber suchen den Weg zurück in die seriöse politische Auseinandersetzung. Bei ihrem letzten TV-Duell vor den mit Spannung erwarteten Vorwahlen in Florida und vier weiteren Bundesstaaten geben sich die Spitzenkandidaten geradezu präsidial: "Wir sitzen doch alle in einem Boot", hebt Donald Trump hervor, der mal wieder in der Mitte des Podiums steht: "Wir haben eine große Bewegung in Gang gesetzt. Millionen und Abermillionen folgen uns. Jetzt kommt es darauf an, die verschiedenen Strömungen zu einen."

Die neue Sachlichkeit der Republikaner

Mehr als zwei Stunden diskutieren Trump, Rubio, Ted Cruz und John Kasich vor laufenden Kameras in Coral Gables unweit von Miami, ohne sich auch nur einmal im Ton zu vergreifen. Die neue Sachlichkeit greift auch der Sender CNN begierig auf, der seine Starmoderatoren aufbietet, um die Kandidaten nach der eigentlichen Debatte möglichst lange im Gespräch und vor der Kamera zu halten.

Die Einschaltquoten haben die TV-Debatten früherer Wahlkämpfe längst überholt, die spektakulären Auseinandersetzungen der vergangenen Wochen wurden von mehr als zehn Millionen Zuschauer live am Fernseher verfolgt. Entsprechend freundlich wird der Ton: "Herr Trump, Sie haben ja ihre gesamte Familie mitgebracht. Sie wartet schon darauf, bei Ihnen zu sein." Und dann säuselt der Moderator noch: "Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben."

Die Tage sind offenbar vorbei, in denen sich nur Komiker und Satiriker mit dem - bisher - erfolgreichsten Kandidaten beschäftigten.

Obama tratscht mit Kanadas Premier

Scharfzüngig zeigen sich erwartungsgemäß die Spitzenvertreter der Demokraten. Sogar Präsident Barack Obama meldet sich zu Wort und spricht am Rande der Pressekonferenz mit Kanadas Premierminister Justin Trudeau abfällig von einem "Zirkus", den die Republikaner dem Publikum bieten würden. Beide Regierungschefs witzeln darüber, dass in jedem amerikanischen Wahlkampf die Zahl der US-Bürger nach oben schnellt, die nach Kanada auswandern wollen - sollte der jeweilige politische Gegner das Rennen um das Weiße Haus gewinnen.

Tatsächlich aber hecheln die politischen Gegner dem Zickzackkurs von Donald Trump nur atemlos hinterher. In landesweiten Umfragen schmilzt der Vorsprung, den Hillary Clinton vor ihrem ärgsten Widersacher aus New York hat.

Seine beständigen Angriffe, wonach nur er von finanzkräftigen Sponsoren und Lobbyisten unabhängig sei, beginnen zu wirken: "Die direkte Auseinandersetzung mit Hillary hat noch gar nicht begonnen. Aber wenn, dann werde ich sie auch schlagen." Es klingt wie eine Drohung, die Trump gekonnt mit zusammengekniffenen Augen und offenstehendem Mund unterstreicht.

Der frühere Reality-TV-Star weiß sich vor der Kamera zu bewegen - eine Fähigkeit, die von seinen Kontrahenten lange Zeit unterschätzt wurde.

Auch Ben Carson empfiehlt Trump

Der Geschäftsmann ist es auch, der die neueste Kurskorrektur einleitet: Für viele Beobachter überraschend strebt er mit Zurückhaltung in die politische Mitte. Dem "Front Runner" kommt zugute, dass sich am Freitag ein zweiter bisheriger Mitbewerber ausdrücklich hinter ihn stellt. Nach Gouverneur Chris Christie empfiehlt nun auch Ben Carson den Wählern, Trump zu unterstützen: "Er spricht den Menschen aus dem Herzen", so der afroamerikanische Neurochirurg.

Noch sind die parteiinternen Vorwahlen zur Nominierung des Präsidentschaftskandidaten nicht gelaufen. Aber so langsam rinnt die Zeit für diejenigen davon, die den Immobilienmogul stoppen wollen.

Ab Dienstag, wenn in Florida abgestimmt wird, zählt das "Winner Takes All"-Prinzip, nach dem die Stimmen der Delegierten nicht mehr proportional vergeben, sondern vollständig dem Gewinner zugerechnet werden. Trumps Vorsprung könnte sich dann in Windeseile vergrößern.

Noch aber bleibt vieles ungewiss. Selbst wenn der Multimilliardär die Mehrheit der Delegierten erringen sollte, ist seine Nominierung nicht in Stein gemeißelt. So schreibt die "Washington Post": Die Führung der Republikaner ringt um eine alternative Lösung. Findet sie keine schnelle Antwort, könnte die gesamte Partei zerbrechen.

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