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"Nimm Bargeld mit!"

Berichte aus dem griechischen Alltag "Nimm Bargeld mit!"

Welche Sorgen und Hoffnungen haben die Rentner, Lehrer und Studenten in Griechenland, während die Mächtigen Europas über die Zukunft ihres Landes entscheiden? Unsere Reporterin Marina Kormbaki ist eine Woche vor Ort und berichtet jeden Tag von dort. Heute: „Nur Bares“ – Anreise nach Athen.

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Marina Kormbaki berichtet für uns aus Griechenland.

Quelle: dpa / Montage: rnd

Berlin/Athen. Es sieht so aus, als sei nun in der griechischen Krise alles gesagt über Fristen, Raten, Reformen und Gegenreformen. Die drängendste Frage ist jetzt die: Wie geht es den Menschen in dem vom Bankrott, vom Euro-Austritt, von politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen bedrohten Land? Worauf hoffen Eltern, Studenten, Rentner, Flüchtlinge - was befürchten sie? Gibt es noch so etwas wie einen Alltag, wenn doch niemand weiß, was die nächsten Wochen, Tage, Stunden bringen?

Darüber möchte ich mit den Athenern sprechen. Dafür mache ich mich am heutigen Montagabend auf die Reise in ihre Stadt, wo ich die Tage bis zum Volksentscheid über die Spar- und Reformvorschläge von Griechenlands Gläubigern verbringen werde. Ein Tagebuch und Tweets sollen einen Eindruck vermitteln vom Leben im Epizentrum der Krise.

Tipps von der griechischen Verwandtschaft

Nun ist die Berichterstattung vom Ort des Geschehens alltägliche Selbstverständlichkeit für eine Reporterin, und doch ist diese Recherchereise für mich etwas Besonderes. Das hat viel mit der Dramatik dieses Augenblicks zu tun und wohl auch damit, dass mir als Tochter griechischer Einwanderer dieses eigentlich ja sehr schöne Land und seine lieben Leute sehr vertraut sind.

Die griechische Verwandtschaft hat jetzt reichlich Tipps für meine Reise parat, wobei eigentlich alle ums Geld kreisen - ums Bargeld. "Schau doch mal nach, ob du deinen Brustbeutel aus der Grundschule noch findest", rät meine Mutter. "Nimm Bargeld mit", raten alle. Klar. Aber wie viel denn? Sind Plastikkarten jetzt nichts mehr wert in Griechenland?

Vorher noch zum Bankautomaten

Bei der Online-Buchung des Hotels am Sonntagabend erhielt ich eine in superkundenfreundlichem Ton verfasste Nachricht des Anbieter-Portals: Ich müsse die Rechnung nicht vorab überweisen, sondern darf vor Ort zahlen, auf die von mir bevorzugte Art und Weise, ich klickte auf "Kartenzahlung".

Im Laufe des Montags aber beschlichen mich angesichts der Meldungen über Bankenschließungen und Bargeldknappheit einige Zweifel daran, dass das Hotel-Portal seinen Service-Versprechen zurzeit auch in Griechenland genügen kann. Ich rief sicherheitshalber im Athener Hotel an und fragte nach: "Nehmen Sie auch Kreditkarten?" "Móno metritá", sagte die Hotelangestellte, "Nur Bares".

Auf dem Weg zum Flughafen Berlin-Tegel legte ich einen Zwischenstopp an einem Bankautomaten ein. Hätte ich den hässlichen Brustbeutel doch nie entsorgt.


Die Autorin: Marina Kormbaki (32) ist Berlin-Korrespondentin des RedaktionsNetzwerks Deutschland der Mediengruppe Madsack. Sie reist seit ihrer Kindheit regelmäßig zu Verwandten nach Athen, beherrscht die griechische Sprache - und begleitet für uns die europäische Schuldenkrise seit Jahren journalistisch.

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