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Massenschlägerei unter Flüchtlingen in Kassel

Streit zwischen zwei Gruppen Massenschlägerei unter Flüchtlingen in Kassel

Eine Gruppe Flüchtlinge ist nach einer Massenschlägerei aus einer Notunterkunft im nordhessischen Calden geflüchtet. Rund 300 Flüchtlinge einer Nationalität prügelten sich mit 70 anderen. Die Beteiligten schlugen unter anderem mit Stöcken aufeinander ein und sprühten Reizgas.

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Rund 300 Flüchtlinge einer Nationalität prügelten sich mit 70 anderen.

Quelle: dpa
  • Am Sonntagabend hatten sich 300 Flüchtlinge mit 70 anderen in einer Flüchtlingsunterkunft in Calden geprügelt.
  • 14 Menschen sind nach Informationen der HNA verletzt worden.
  • In der Aufnahmeeinrichtung Calden leben etwa 1500 Menschen aus etwa 20 Nationen.

Kassel. Nach der Massenschlägerei in einer Notunterkunft für Flüchtlinge in Calden am Sonntagabend ist es in der Nacht zu Montag ruhiggeblieben. Es habe keine Vorkommnisse mehr gegeben, sagte ein Polizeisprecher am Montagmorgen. Die Angehörigen einer Volksgruppe seien in verschiedene Ausweichquartiere in der Region gebracht worden. Wohin genau, sagte der Polizeisprecher nicht.

Trennung von Flüchtlingen nach Religionen gefordert

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat als Reaktion auf die gewaltsame Auseinandersetzung eine nach Religionen getrennte Unterbringung der Asylsuchenden gefordert. „Wir müssen alles tun, um weitere Gewaltausbrüche zu verhindern“, sagte der GdP-Vizevorsitzende Jörg Radek der „Welt“ vom Montag. „Eine getrennte Unterbringung auch nach den Religionen halte ich für absolut sinnvoll.“ Die Polizei werde „vermehrt“ zu Auseinandersetzungen in Flüchtlingsheimen gerufen.

Wenn 4000 Menschen in einem Heim mit eigentlich nur 750 Plätzen untergebracht seien, „dann führt diese Enge zu Aggressionen, wo selbst eine Winzigkeit wie der Gang zur Toilette zu einer Handgreiflichkeit führt“, sagte Radek. Weil sich die unterschiedlichen Gruppen solidarisierten, käme es vermehrt zu Massenschlägereien. „Da reicht es nicht, wenn wir einen Streifenwagen hinschicken, da sind dann bis zu 21 Streifenwagen im Einsatz.“

Am Sonntagabend hatten sich 300 Flüchtlinge mit 70 anderen geprügelt. Die Beteiligten schlugen unter anderem mit Stöcken aufeinander ein und sprühten Reizgas.

Fast schon verzweifelt fleht die Frau die Polizisten an, doch es gibt kein Durchkommen. Sie dürften derzeit nicht zurück in die Unterkunft, sagt ein Beamter den Flüchtlingen auf Englisch. Kurze Zeit später bringt ein Helfer Wasser aus der Einrichtung im nordhessischen Calden und verteilt es an die Flüchtlinge vor dem Eingang der Zeltstadt. Zu Dutzenden stehen diese seit Stunden vor der Notunterkunft, nicht alle haben an diesem kalten Sonntagabend eine Wolldecke. Die Polizisten bewachen den Eingang, zum Teil mit Schutzschild und Helm.

Denn sie wollen zwei Gruppen verschiedener Nationalitäten trennen, die im Verlauf des Tages mehrfach aneinandergeraten waren. Zunächst habe es während der Essenausgabe in der Kantine eine Rangelei zwischen zwei Männern gegeben, sagt Polizeisprecher Torsten Werner aus Kassel. Am Nachmittag sei dann der Streit aufgeflammt und habe eine Auseinandersetzung von zwei Gruppen zweier Nationalitäten ausgelöst. Je rund 60 Menschen auf beiden Seiten seien aufeinander losgegangen, acht Flüchtlinge wurden dabei verletzt. Die HNA berichtet inzwischen von 14 Verletzten.

Gegen Abend eskalierte die Gewalt: Rund 300 Flüchtlinge einer Nationalität prügelten sich mit 70 anderen. Die Beteiligten schlugen unter anderem mit Stöcken aufeinander ein und sprühten Reizgas. Als die Beamten die Lage beruhigen wollten, wurden auch sie angegriffen, drei Polizisten und drei weitere Flüchtlinge wurden verletzt. Die kleinere Gruppe flüchtete nach Polizeiangaben schließlich aus der Einrichtung. Es dauerte Stunden, bis die Polizei die Lage in Calden unter Kontrolle bringen konnte.

In der Ende Juli eröffneten Aufnahmeeinrichtung Calden leben nach Angaben des Sprechers derzeit etwa 1500 Menschen aus etwa 20 Nationen nebeneinander. Die Zeltstadt war zunächst für 1000 Menschen ausgelegt, wurde aber dann erweitert. Flüchtlinge aus Syrien, Albanien, Pakistan und vielen anderen Ländern sind dort in rund 50 Zelten untergebracht. Viele sind froh, in Ruhe schlafen zu können und in Frieden zu leben. Bei anderen steigt der Frust, auch weil sie wenig Chancen sehen, Asyl in Deutschland zu bekommen.

Am Abend hatte sich die Lage auf dem ehemaligen Flughafengelände beruhigt. Gegen 23.00 trafen Busse ein, um die Flüchtlinge der kleineren Volksgruppe in ein Ausweichquartier zu bringen. Wohin die Reise gehen sollte verriet die Polizei nicht. "Wenn die Gruppe woanders untergebracht ist, ist auch der Einsatz beendet", sagte Polizeisprecher Werner. Unklar ist, wie danach verfahren wird.

dpa/ska

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