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Deutschland / Welt Mehr als 70 Tote bei Anschlagsserie in Ägypten
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Mehr als 70 Tote bei Anschlagsserie in Ägypten
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19:43 01.07.2015
Auf der Sinai-Halbinsel sind bei einer Anschlagsserie Dutzende Menschen getötet worden. Quelle: dpa (Archiv)
Kairo

am Mittwoch außerdem mindestens 38 Dschihadisten. Die Regierung in Kairo nahm ein neues Anti-Terror-Gesetz an und reagierte damit auf den Mord an Generalstaatsanwalt Hischam Barakat. Zu den Angriffen im Norden des Sinai bekannte sich der ägyptische Zweig des IS. Demnach waren mindestens drei Selbstmordattentäter an den Angriffen beteiligt. Die "Löwen des Kalifats" hätten zeitgleich mehr als 15 Kontrollpunkte der "abtrünnigen Armee" angegriffen, erklärte der IS im Internet. Die Armee setzte Kampfhubschrauber und Jagdbomber gegen die Angreifer ein.

Die Angriffe fanden im Norden des Sinai östlich von Al-Arisch in Scheich Suweid statt. "Das ist Krieg. Die Schlacht geht weiter", sagte ein ranghoher Militärvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Angesichts der Zahl der Angreifer und der Waffen sprach er von "beispiellosen Angriffen". Nach Polizeiangaben verminten IS-Kämpfer unter anderem die Umgebung des Kommissariats, um Verstärkungskräfte abzuhalten. Danach bezogen sie Stellung auf Dächern umliegender Häuser und griffen das Gebäude mit Panzerfäusten an. F-16-Kampfbomber der Armee griffen die Dschihadisten aus der Luft an.

In der Region zwischen Mittelmeer und Rotem Meer hat die Gewalt nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär vor fast genau zwei Jahren deutlich zugenommen. Verschiedene islamistische Gruppen sind seither auf dem Sinai aktiv und verüben immer wieder Anschläge auf die Sicherheitskräfte. In dem Konflikt wurden bereits hunderte ägyptische Soldaten und Polizisten getötet.

Am Montag war Generalstaatsanwalt Barakat bei einem Bombenanschlag getötet worden. Das ägyptische Kabinett nahm am Mittwoch ein neues Anti-Terror-Gesetz an, das unter anderem raschere Verfahren vorsieht. Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte nach dem Mord an Barakat schärfere Gesetze im "Kampf gegen den Terrorismus" angekündigt.

Die islamistischen Attentäter wollen eigenen Angaben zufolge mit ihren Angriffen die Unterdrückung der Mursi-Anhänger durch die Militärregierung rächen. am Mittwoch wurden bei einer Polizeirazzia in Kairo neun Islamisten getötet, darunter auch ein ranghohes Mitglied der mittlerweile verbotenen Muslimbruderschaft.

Das Auswärtige Amt verurteilte die jüngsten Anschläge des IS. Sie zeigten, mit welcher Skrupellosigkeit die Gruppe Gewalt für ihre Zwecke nutze. Die Angriffe vom Mittwoch stellen wegen der hohen Opferzahl eine neue Dimension dar und sind ein Rückschlag für al-Sisi, dessen Sicherheitskräfte nicht nur gegen Islamisten, sondern auch gegen fortschrittliche Kräfte mit großer Härte vorgehen.

Zu den Angriffen bekannte sich die ägyptische Gruppe Sinai-Provinz. Die Gruppe hieß ursprünglich Ansar Beit al-Makdess, nach einem Treueeid auf den Islamischen Staat änderte sie ihren Namen.

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